Pfarrer Reinald Fuhr bei ökumenischem Gottesdienst in den Ruhestand verabschiedet
Von Herzen gesungen und gesprochen
Die Hüttenfelder Hymne sangen alle gemeinsam mit Pfarrer Reinald Fuhr. Foto: Hannelore Nowacki
HÜTTENFELD –Ein Herzenswunsch von Pfarrer Reinald Fuhr ging am Samstag in Erfüllung - beim Gottesdienst zu seiner Entpflichtung und Verabschiedung im Park von Schloss Rennhof durfte gesungen und musiziert werden. Als musikalischer und gefühlvoller Höhepunkt darf sicher das gemeinsame Singen der Hüttenfelder Hymne gelten, deren Text Pfarrer Fuhr zum 200-jährigen Jubiläum von Hüttenfeld zur Melodie der britischen Nationalhymne geschrieben hatte. Inbrünstig und mit der Hand auf dem Herzen stimmten mit den Gottesdienstbesuchern auch Pröpstin Karin Held, Dekan Arno Kreh und Pfarrvikar Virginijus Grigutis in den kraftvollen Gesang ein. Alle Abstände zwischen den zahlreichen Gottesdienstbesuchern waren entsprechend der Coronaregeln großzügig bemessen, die Registrierung am Eingang und Maskenpflicht bis zum Sitzplatz rundeten das Coronapaket ab. Der Herbstwind rauschte in den Wipfeln der Baumriesen und schüttelte das Laub, die Regenschirme konnten bald zur Seite gelegt werden, bei höchstens dreizehn Grad wärmten Worte und Gesang. „Wir haben uns entschieden, draußen zu bleiben, weil wir dann singen können, das war uns bisher verwehrt“, erklärte Pfarrer Fuhr zu Beginn. Bei der Ankündigung zum ersten gemeinsam gesungenen Lied „Bis hierher hat mich Gott gebracht“ sagte Pfarrer Fuhr: „Das ist auch mein Empfinden“. Die musikalische Gestaltung des ökumenischen Gottesdienstes hatten der evangelische Posaunenchor aus Neuschloss und die beiden Hüttenfelder Kirchenchöre übernommen. Beschwingt trug der katholische Kirchenchor das Lied „Sana sanania“ vor. „Mauern überspringen“ war vom evangelischen Kirchenchor zu hören. In litauischer Tracht bezauberte Veronika Guzelyte die Gottesdienstbesucher mit dem Volkslied „Lebensbaum“ aus Litauen. Pfarrer Fuhr, der nicht nur zahlreiche Instrumente und das Orgelspiel beherrscht, wie die Zuhörer von Pröpstin Karin Held erfuhren, ist auch naturverbundener Jäger, weshalb die Neuschlösser Kirchengemeinde als Abschiedsgeschenk für eine besondere Überraschung gesorgt hatte – die Wormser Jagdhornbläser waren zu einem Ständchen gekommen, das sich zu einem beschwingten Konzert bis in die Pause hinein auswuchs, während die Gottesdienstbesucher Gelegenheit hatten, bei Häppchen und Sekt zuzugreifen und mit Pfarrer Fuhr auf den Ruhestand anzustoßen. In seiner Predigt versicherte Pfarrer Fuhr, dass er alles gegeben, nichts für seine letzte Predigt zurückgehalten habe, dass er alle Kräfte und Gaben für den Dienst an der Gemeinde eingesetzt habe, trotzdem habe nicht jeder die erwartete Aufmerksamkeit bekommen können. „Meine Zeit ist um, mein Nachfolger bereits gewählt“, sagte Pfarrer Fuhr, „nach Gottes ausgleichender Gerechtigkeit unter dem Maßstab der Ewigkeit“. Gar nicht wehmütig, eher heiter und gelassen wirkend, blickte er auf sein Studium in Heidelberg in der zweiten Hälfte der 70er Jahre und sein Berufsleben zurück. Seinen Talar habe er im Frühjahr vor 40 Jahren für 800 DM gekauft, „ein Arbeitskittel, die preußische Form ohne Verbrämung mit Samt und Seide, seitdem mehrfach restauriert. Einen Kollegen zitierte er mit der Aussage, der Talar sei keine Richterrobe, sondern der Mantel der Barmherzigkeit, um das Evangelium der Barmherzigkeit Gottes weiterzusagen. Pröpstin Karin Held überreichte Pfarrer Fuhr die Ruhestandsversetzungsurkunde nach der Verlesung in Corona gerechtem Abstand und sprach auch den abschließenden Segen mit gebotener physischer Distanz.
Pröpstin Karin Held sprach die offizielle Entpflichtung von Pfarrer Reinald Fuhr aus. Foto: Hannelore Nowacki
Herzlichkeit wurde spürbar in ihrer Ansprache, die zu einer Laudatio für Pfarrer Fuhr wurde, sie zeichnete Stationen seiner Ausbildung mit Studium in Mainz und Heidelberg nach, beschrieb seinen Berufsweg, der ihn nach der Ordinierung zunächst in den Pfarrdienst in Viernheim führte. In einer Vielzahl von Gremien habe sich Pfarrer Fuhr engagiert, auch Obmann für Kirchenmusik war er. Im August 1996 übernahm er die evangelische Gemeinde in Hüttenfeld in Verbindung mit der Johannesgemeinde Neuschloß. In großer Wertschätzung beschrieb sie eine Reihe positiver Eigenschaften des zukünftigen Ruheständlers, seinen Predigten habe Pfarrer Fuhr den aktuellen Bezug gegeben, er sei bodenständig und von zupackender Art, habe in Groß-Rohrheim und Hüttenfeld Orgel gespielt. Gerne erinnerte sie sich an gemeinsame Seminare, eine heitere Geschichte zum Schmunzeln erzählte sie. „Was macht die Kunst“ sei zum geflügelten Wort geworden. Mit dem Segen, den Dekan Kreh erteilte, endete der geistliche Teil des Gottesdienstes. Nach der Pause waren Grußworte angekündigt, die Ulrich Thomas moderierte. Nachfolger von Pfarrer Fuhr ist Pfarrer Thomas Höppner-Kopf, der von beiden Kirchenvorständen gewählt wurde und zum 1. Januar 2021 neuer Gemeindepfarrer für Hüttenfeld und Neuschloß wird. Hannelore Nowacki