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Do., 16. Februar 2023, 21:21 Uhr
ISLAM: Ahmadiyya Muslim Jamaat Lampertheim hatte zur Jubiläumsfeier in die Zehntscheune eingeladen
Vor 100 Jahren begann die Geschichte der Ahmadiyya-Gemeinde in Deutschland
Die Mädchen hatten ein Gedicht in Liedform einstudiert - ein Aufruf die Welt gemeinsam ein bisschen schöner zu machen. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Im Jahr 1923 wurde erstmals in Deutschland der Grundstein für eine Ahmadiyya-Moschee gelegt. Gebaut werden konnte sie dann nicht, die damalige Inflation hatte das Geld entwertet. Doch gilt der muslimischen Ahmadiyya-Gemeinde (AMJ) dieses Datum als der Beginn einer einmaligen Erfolgsgeschichte. Aus der britischen Kronkolonie Indien kam damals der erste Würdenträger nach Deutschland. Über 52.000 Gemeindemitglieder leben in Deutschland, in Lampertheim haben 52 Familien mit 200 Mitgliedern ihr Zuhause. Zum Jubiläums-Empfang der Lampertheimer Ahmadiyya-Gemeinde am Mittwochabend in der Zehntscheune begrüßte Moderator Iftikhar Shaikh als Ehrengäste Bürgermeister Gottfried Störmer, den Kreisbeigeordneten Heinz Klee und den Ersten Stadtrat Marius Schmidt, die auf dem Podium neben dem Vizepräsidenten Hassanat Ahmad von AMJ Deutschland, dem Vorsitzenden von AMJ Lampertheim Bilal Ahmad und Imam Murtaza Manan Platz genommen hatten. Der Einladung waren neben Mitgliedern der Ahmadiyya-Gemeinde Stadtverordnete, Magistratsmitglieder, Vertreter von Schulen, Diakonie, Beiräten, Kirchen, Polizei, der Partnerschaft für Demokratie und Vereinen gefolgt. „Dass diese Menschen zu Ihrem Jubiläum kommen, zeigt, dass Sie Teil unseres Gemeinwesens sind“, sagte Bürgermeister Störmer an die Gemeinde gerichtet. Aus Termingründen wurde sein Grußwort vorgezogen. Imam Murtaza Manan rezitierte Suren aus dem Koran auf Arabisch, gefolgt von der deutschen Übersetzung. Ein Video zeigte Bilder aus der Geschichte der Ahmadiyya-Gemeinde und stellte das Motto der Gemeinde „Liebe für alle, Hass für keinen“ in den Mittelpunkt. Berichtet wurde, dass die Muslime unter den Nazis in Berlin nicht mehr erwünscht waren und erst ab 1945 ein neues Kapitel aufgeschlagen wurde. Die Gemeinde wachse rasant. Im Gründungsland, im heutigen Pakistan, gebe es keine Glaubensfreiheit wie hier, seit 1984 seidie muslimische Ahmadiyya-Gemeinde vom Blasphemiegesetz betroffen. Vorsitzender Bilal Ahmad stellte die örtlichen Präsenz der Lampertheimer Ahmadiyya-Gemeinde vor: Von interkulturellen Veranstaltungen bis zur Nachbarschaftshilfe in der Coronazeit, von Aufräumaktionen an Neujahr, Blutspenden und Spenden an die Tafel berichtete er. Im Lied, das eine Mädchengruppe vortrug, ging es um Frieden und Geduld, nicht streiten und denAufruf „lasst uns die Welt ein bisschen schöner machen“. Kreisbeigeordneter Heinz Klee gratulierte der Gemeinde, die sich in dieser von Dunkelheit geprägten Zeit mit Krieg und Erdbeben dem Frieden verschrieben habe. „Wir sind eine Welt, haben nur einen Planeten und unser Menschsein ist einmalig“, gab Klee zu bedenken. Erster Stadtrat Marius Schmidt betonte in seinem Grußwort, dass die Ahmadiyya-Gemeinde mit ihren 200 Mitgliedern in Lampertheim ein außerordentlich aktives Gemeindeleben habe und Teil der Gesellschaft sei. Schmidt hob hervor, dass Ali Habib Mitglied der Integrationskommission sei und Bilal Ahmad sich im Begleitausschuss der Partnerschaft für Demokratie engagiere. Vizepräsident Hassanat Ahmad dankte den Gästen für die Teilnahme an der Feier. Sein Wunsch – er wolle mit ihnen gemeinsam an etwas Größerem arbeiten.Friede und Liebe beginne im Herzen jedes einzelnen Menschen. Mit einem stillen Gebet endete der offizielle Teil. Der große Saal der Zehntscheune war festlich geschmückt, die Tische schön gedeckt und das orientalische Büffet entfaltete Appetit anregende Düfte, ein verlockendes Tortenbüffet und eine prächtige Jubiläumstorte setzten einen weiteren Glanzpunkt. Die Gäste waren zum gemeinsamen Essen und Gesprächen eingeladen. Die Frauen und Mädchen der Ahmadiyya-Gemeinde, die üblicherweise in der Öffentlichkeit Kopftuch tragen, hatten ihr Büffet im Jugendcafé im Erdgeschoss. Einige der weiblichen Gäste schlossen sich ihnen an. Sanna Ahmad, Beauftragte für interreligiösen Dialog, erklärte im Gespräch mit dem TIP, dass die Frauen ihr Kopftuch aus religiöser Überzeugung tragen und jede für sich entscheide. Imam Murtaza Manan erklärte auf Nachfrage, dass der Islam seiner Gemeinde in der mehrheitlichen islamischen Welt nicht anerkannt werde, die Gläubigen sogar als Nichtgläubige gesehen würden. Hannelore Nowacki