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Mo., 29. Februar 2016, 15:39 Uhr
Jubiläum 70 Jahre DRK-Kreisverband Bergstraße im Bürgerzentrum gefeiert
„Vorbild sein“ – Organisation mit besonderer Geschichte
DRK-Kreisvorsitzender Arno Gutsche (von links), Professor Michael Bothe, Schauspieler Walter Brenneisen, der Bibliser Bürgermeister Felix Kusicka und DRK-Kreisgeschäftsführer Ulrich Bergmann vor Beginn der Jubiläumsfeier zur Gründung des DRK-Kreisverbandes Bergstraße vor 70 Jahren. Foto: Hannelore Nowacki
BIBLIS – „Vorbild sein“ ist der Titel der neuen Werbekampagne, mit der das Deutsche Rote Kreuz (DRK) auf sich aufmerksam machen will. Ein großes Banner mit diesem Motto war auch zur großen Jubiläumsfeier „70 Jahre DRK-Kreisverband Bergstraße“ auf der Bühne des Bürgerzentrums platziert und stets im Blickpunkt. Während noch zahlreiche Gäste zum Sektempfang am späten Freitagnachmittag und frühen Abend eintrafen, zeigte der Filmanfang Szenen von Straßeninterviews. Was macht das DRK? Eine Frage, auf die es viele richtige Antworten gab. Die Organisation gebe es schon recht lange, meinte einer der Befragten. In seinem Festvortrag bot Professor Michael Bothe, Rechtswissenschaftler und Völkerrechtler, einen Blick zurück in die lange Geschichte der internationalen Rotkreuzbewegung, deren Beginn er mit der Empörung des jungen Genfer Geschäftsmanns Henry Dunant bei der Schlacht von Solferino 1859 verortet. „Empörung ist die Triebfeder für viel Gutes, das getan wurde“, sagte Bothe, der seinen Zuhörern einen unterhaltsamen Überblick über ein ernsthaftes Thema bot. Schon 1864 kam es zur 1. Genfer Konvention zum Schutz der verwundeten Soldaten, weitere Genfer Abkommen folgten, aber erst am 12. August 1949 wurde der völkerrechtliche Schutz auf Zivilpersonen ausgedehnt. Aus der internationalen Rotkreuzbewegung wurde schließlich die Internationale Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung. In Hessen, so führte Bothe aus, wurde 1869 das Zentralkomitee der Landgrafen und einige Frauenverbände gegründet. Das Motiv „Helfen wo Leid ist“, sei der Anstoß für das enorme Wachstum des Deutschen Roten Kreuzes bis hin zu den Ortsvereinen. Ist das DRK ein Wohlfahrtsverband wie jeder andere? Bothe nannte die Unterschiede – durch die völkerrechtlichen Abkommen und die gesetzlich geregelte Zusammenarbeit mit Staat und Bundeswehr nehme das DRK eine Sonderstellung ein. Auch in der Betreuung von Flüchtlingen sei das DRK aktiv – 167.000 Flüchtlinge seien aus der Kurzbetreuung weitergeleitet worden, in 90 Notunterkünften seien 150.000 Flüchtlinge versorgt worden. Als „eindrucksvolle“ Zahlen nannte er im Kreis Bergstraße 300 Plätze in Heppenheim und 600 Plätze in Bensheim. „Heute feiert ein tüchtiger Teil aus dieser weltweiten Bewegung einen runden Geburtstag“, sagte Bothe abschließend, gefolgt von kräftigem Applaus. Unter den eingeladenen Gästen begrüßte der DRK-Kreisvorsitzender Arno Gutsche die Kameraden des DRK, Freunde und zahlreiche Vertreter aus Politik und Verwaltung. Der Landesverband Hessen war durch seinen Präsidenten Norbert Södler vertreten, der in seinem Grußwort viele weitere Ehrengäste willkommen hieß, unter anderem Vertreter der Bundeswehr. Stellvertretend für alle anwesenden Bürgermeister sprach der gastgebende Bibliser Bürgermeister Felix Kusicka ein Grußwort, der auch stellvertretender Vorsitzender der DRK-Ortsvereinigung ist. „Das DRK steht im Dienst der Nächstenliebe – eine Stärke, die wir pflegen müssen, nicht nur die nächsten 70 Jahre“, meinte Kusicka. Landrat Christian Engelhardt zollte dem DRK Bergstraße für seine „große Mobilisierungsfähigkeit“ Anerkennung, der mit seinen ehrenamtlichen Helfern immer vor Ort sei. Gegenwärtig könne das DRK Bergstraße auf 7.500 fördernde Mitglieder zählen. Die vielfältigen Aufgaben werden von 239 hauptamtlichen Mitarbeitern und über tausend aktiven Mitgliedern wahrgenommen. Eine große Herausforderung sei der demografische Wandel – das DRK brauche aktive Mitglieder, die anpacken, um Hilfe zu leisten.
Ein umfangreiches Programm erlebten die Gäste im großen Saal des Bürgerzentrums zur Feier des 70-jährigen Jubiläums des DRK-Kreisverbands. Viel Raum war auch für die persönliche Begegnung. Foto: Hannelore Nowacki
Werbung sei daher auch für die Arbeit des Jugendrotkreuzes wichtig. Bundestagsabgeordnete Christine Lambrecht (SPD) sprach ihre Glückwünsche auch im Namen des SPD-Landtagsabgeordneten Norbert Schmitt und des Vorsitzenden der SPD-Kreistagsfraktion Josef Fiedler aus. Lambrecht lobte die Versorgung von Demenzkranken und die Arbeit des DRK in der Flüchtlingshilfe: „Das ist beeindruckend und den Ehrenamtlichen vor Ort zu verdanken“. DRK-Kreisvorsitzender Arno Gutsche führte kurzweilig und informativ als Moderator durch den Abend. Auch er sei von Professor Bothe im Völkerrecht ausgebildet worden, bekannte er nicht ohne Stolz. Das DRK gebe es im Kreis Bergstraße jedoch schon viel länger als 70 Jahre, erklärte Gutsche – in Bensheim schon seit 150 Jahren. In den letzten 150 Jahren habe sich sehr viel getan, aber der Geist des Roten Kreuzes habe sich nicht verändert. Nachdem bereits Professor Bothe mit Blick auf das große kalt-warme Festbüffet meinte, es sei schon ein Verstoß gegen die Menschlichkeit vor dem Büffet lange zu reden, wollte sich auch Walter Renneisen mit seinem Bühnenprogramm „Deutschland deine Hessen“ kurz halten. Das Zweistundenprogramm schrumpfte er erfolgreich auf etwa eine Stunde, die das Büffet fast vergessen ließ. Auf seine unnachahmliche Art, den hessischen Dialekt für Ausflüge in das pralle Leben in Gegenwart und Vergangenheit zu nutzen und mit Musik zu garnieren, reizte Renneisen sein Publikum zum Lachen. Für den kleinen Hunger zwischendurch, schließlich vergingen zwischen Sektempfang und Eröffnung des Büffets je nach Ankunftszeit zwischen drei und vier Stunden, standen auf den gedeckten Tischen üppig bestückte kalte Platten und Brötchenkörbe bereit. Hannelore Nowacki