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  • Do., 03. August 2023, 08:29 Uhr
    POLITIK: Sommertour aller Fraktionen mit Jägern durch den Stadtwald - Unmut über Vorgehen des Bürgermeisters mit Gutachten

    Wald und Wild in Einklang bringen – Parlamentarier wollen mitentscheiden 

    Bei der dreistündigen Exkursion in den Lampertheimer Stadtwald informierte Jäger Denis Nawar die Lokalpolitiker und Gäste der Sommertour über den Schutz des Waldes und der Natur aus Sicht der Jäger. Foto: Hannelore Nowacki


    LAMPERTHEIM – Saftig grün stand der Wald, still und feucht, friedlich. Wie es bei der Waldbegehung der Parteien und ihrer Gäste am Dienstagabend schien, ist der Stadtwald von unendlicher Weite, in der man sich verlieren kann. Wegen dieser Weitläufigkeit von immerhin rund 1.120 Hektar machte sich eine Karawane von Autos mit Fahrgemeinschaften und einigen Radfahrern vom Waldparkplatz an der Waldesruh auf den Weg zu den vorgesehenen Stationen. Hier erläuterte Jäger Dennis Nawar die Aufgaben der Jagdpächter und Jäger beim Schutz der jungen Bäumchen vor Wildverbiss und der Hege von Wild und Natur. CDU und SPD hatten zur gemeinsamen Sommertour in den Lampertheimer Stadtwald eingeladen, an der FDP und Grüne, somit alle im Stadtparlament  und Magistrat vertretenen Parteien teilnahmen sowie mehrere Jäger, der Leiter des Forstamts Lampertheim Steffen Hering und interessierte Bürger. Mit Jana Lichtblau vom Fachdienst Umwelt war auch die Stadtverwaltung als Gast vertreten. Einig sind sich Parteien und Jäger, dass die natürliche Waldverjüngung gefördert und vor dem großen Appetit vor allem von Rehen auf die zarten Triebe der natürlich nachwachsenden Kiefern und Laubbäume geschützt werden muss. Dazu gibt es auch Beschlüsse des Stadtparlaments. Streitpunkt ist ein Gutachten, das der Magistrat in Auftrag gegeben hatte. Allerdings wird kritisiert, dass der Bürgermeister die Ergebnisse unter Verschluss halte. Ohne Beteiligung und Kenntnis der Stadtverordneten solle entschieden werden, wie es mit dem schwer geschädigten Wald, der Jagd und der Jagdpacht weitergehen soll.  Einig sind sich die Parteien, dass ihnen das Gutachten mit allen Daten und Fakten zur Verfügung gestellt werden müsse, um im Haupt- und Finanzausschuss und UMEA (Umwelt-, Mobilität- und Energieausschuss) darüber zu beraten und Empfehlungen auszusprechen. Bekannt ist, dass die Jagd wohl neu in Eigenregie der Stadtverwaltung geregelt werden soll und somit die aktuelle Lage mit Jagdpacht und privater Jagdgemeinschaft beendet werden soll. Ihrem Unmut hatten die beteiligten Jäger Luft gemacht, nachdem sie mit dem Ergebnis der offiziellen Waldbegehung am 24. Juni auf Einladung von Bürgermeister Gottfried Störmer und der Niederschrift nicht einverstanden sind. Eine gereizte Stimmung flammte am Dienstagabend im Zusammenprall der unterschiedlichen Meinungen von Jägern und Stadtverwaltung immer wieder auf. Die Neuschlösser Ortsvorsteherin Carola Biehal (SPD) mahnte zur sachlichen Diskussion, ebenso Stadtverordnetenvorsteher Franz Korb (CDU). An verschiedenen Stellen zeigte Dennis Nawar, dass Kiefern und Laubbäume sich bei erfolgreicher Bejagung von Reh und Hase auch ohne teure Umzäunung entwickeln können. Die natürliche Verjüngung gelinge, wenn die Samen der alten, abgeräumten Bäume auf dem vorbereiteten Boden keimen können. Dagegen habe sich die Pflanzung junger Bäume in Plastikrohren als Schutz vor Wildverbiss nicht bewährt, wie er an anderer Stelle zeigte. Darin sterben die Bäumchen in der Sommerhitze ab. Als Feind des Waldes muss die Traubenkirsche zurückgedrängt werden. Wieviel Wild geschossen wird, werde von der Unteren Jagdbehörde beim Landratsamt und weiteren Stellen bestimmt. An der Jagdhütte als letzter Station waren Bierzeltgarnituren unter Zelten aufgestellt, willkommener Schutz vor dem Regen beim gemeinsamen Imbiss mit frisch gegrillter Wildschweinbratwurst aus eigener Herstellung nach Jägerart. „Mehr Bio geht nicht“, kommentierte Dennis Nawar diese duftende Köstlichkeit. Bebilderte Infotafeln zeigten den Einsatz der Jäger für Wald, Tiere und den Erhalt des Ökosystems Wald.

    Kleine Bäumchen wachsen in natürlicher Verjüngung nach, mit Glück und Beistand der Jäger auch ohne Umzäunung. Foto: Hannelore Nowacki


    Nistkästen werden selbst gebaut und aufgehängt, Wasser für alle Tiere des Waldes an 15 Wasserstellen verteilt und vieles mehr. Gerätschaften, Schlepper, Brunnen und großes Wasserfass gehören zur eigenen Ausstattung. In einer engagierten Rede machte sich Dennis Nawar für seinen Jägerfreund Günther Preuß stark, der seit 1969 Jäger in diesem Wald ist, seit 63 Jahren den Jagdschein hat, Hegegemeinschaftsleiter, Nachsuchhundeführer ist und in vielen Seminaren seinen Wissensschatz und seine Erfahrungen an den Nachwuchs weitergegeben habe. Dennis Nawar wies darauf hin, dass Günther Preuß 2017 den Staatsehrenpreis für Lebensraumgestaltung erhielt, eine Würdigung für eines der bestgeführten Reviere in Hessen. „Unserem Wald geht’s schlecht, doch ist das Rehwild nicht schuld, wenn der Wald stirbt“, sagte Dennis Nawar, „die Jäger haben ihr Aufgaben immer erfüllt, es nützt nichts, wenn man Alte absägt“. Mit Applaus quittierten die Zuhörer seine Äußerung, dass nur Wissen und neue Ideen zum Ziel führten, mit den richtigen Instrumenten und Werkzeugen. Tatsächlich geht es in der hitzigen Debatte mit der Verwaltung auch um das Alter der Jäger. Auf Nachfrage des TiP, erklärte Jana Lichtblau, dass die betreffenden Jäger alle über 80 Jahre seien, gesetzlich sei jedoch eine Altersgrenze bei 70 festgelegt. Das stimme nicht, war wiederum auf Nachfrage von Seiten einiger Lokalpolitiker zu hören. Am Ende der dreistündigen Exkursion betonte Carola Biehal, das Gehörte sei für die Entscheidung im Haupt- und Finanzausschuss und UMEA sehr wichtig. „Für unseren Wald wollen wir die beste Lösung finden“. Das könne nicht nur im Magistrat entschieden werden. Das sieht auch der Grünen-Fraktionsvorsitzende Stefan Nickel so, der alle Daten und Fakten auf dem Tisch sehen will. Stadtverordnetenvorsteher Franz Korb meinte abschließend: „Wir sind uns der Verantwortung für zukünftige Generationen bewusst“. Hannelore Nowacki

     

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