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  • Mi., 29. September 2021, 09:18 Uhr
    BERATUNG: Videoclip anlässlich des hessenweiten Aktionstag zur Glücksspielsucht online abrufbar

    „Was bedeutet es, glücksspielsüchtig zu sein?“

    Glücksspiel kann süchtig machen – oftmals mit gravierenden Auswirkungen. Foto: Nikita Girard


    KREIS BERGSTRASSE – Anlässlich des hessenweiten Aktionstages zur Glücksspielsucht geht die Hessische Landesstelle für Suchtfragen e.V. (HLS) auf ihrer Homepage mit einem Videoclip unter dem Titel „Wenn Glücksspiel Leiden schafft“ online. Hessische Fachberater*innen geben Zitate ihrer Klient*innen wieder, die nicht nur ihre schlimmsten Momente spiegeln, sondern auch Einblick in die Hilfe der Fachberatung geben. Auch die PRISMA Suchthilfe & Prävention der AWO Bergstraße ist vertreten. 

    Im neuen Videoclip der HLS geben Fachberater*innen stellvertretend für ihre Klient*innen deren Zitate wieder. Erstmalig wird auf diesem Weg ein Einblick in die durch das Glücksspiel oftmals sehr schwierigen Lebensumstände hessischer Klient*innen gewährt. Mit der landesweiten Aktion machen die HLS und die regionalen Fachberatungen für Glücksspielsucht auf die Risiken von Glücksspielen und deren Auswirkungen auf Menschen aufmerksam. 

    „Diskussionen zum Glücksspielmarkt drehen sich zumeist um gesetzliche Rahmenbedingungen und Umsätze in Milliardenhöhe. Dabei darf jedoch nicht vergessen werden, dass die negativen Auswirkungen des Glücksspielmarktes Menschen betreffen; Menschen, deren eigenes Leben und/oder das ihrer Familie häufig unwiderruflich zerstört wird“, sagt Susanne Schmitt, Geschäftsführerin der HLS.

    In Hessen haben mehr als 31.000 Menschen massive Probleme mit Glücksspielen. Hinzu kommen zahlreiche Angehörige, die von der Problematik ebenfalls betroffen sind. Das Leid hinter dieser abstrakten Zahl wird konkreter, wenn es sich am Lebenslauf eines einzelnen Menschen festmacht. Der Traum vom bürgerlichen Leben ist zerschlagen, geblieben sind oft nur Berge von Schulden. Im Videoclip werden Gedanken und Erfahrungen von Glücksspielabhängigen mit der Öffentlichkeit geteilt. Es sind Beiträge, in denen die persönliche, die menschliche Perspektive der Glücksspielsucht deutlich wird. 

    Ilona Sabisch, Fachberaterin für Glücksspielsucht der PRISMA Suchthilfe & Prävention bekommt oft tiefe Einblicke in bewegende Schicksale: „Die Betroffenen verheimlichen oft lange ihre Sucht und verstricken sich immer weiter in Lügen. Sie machen sich selbst Vorwürfe und ihr Selbstwert ist ganz unten. Scham spielt nicht selten eine große Rolle. Ich bin dann oft die erste, die erfährt, wie es in den Menschen aussieht und was sie mit sich herumschleppen.“ Erleichterung finden Betroffene auch im Gruppenangebot in Lampertheim. Hier können sie sich austauschen und stoßen auf Verständnis. Auch in Erbach wäre solch eine Gruppe wichtig und wünschenswert.  

    Glücksspielsucht (Pathologisches Glücksspielen) ist seit 2001 als eigenständige Krankheit anerkannt. Daraus ergeben sich für die Betroffenen wichtige Unterstützungsleistungen: Es besteht ein Anspruch auf ambulante, stationäre und (Nachsorge-) Leistungen, die von den Rentenversicherungsträgern bzw. den Krankenkassen finanziert werden. Menschen, die sich den umfangreichen und stets zur Verfügung stehenden Glücksspielangeboten nicht entziehen können und ein pathologisches Glücksspielverhalten entwickeln, erhalten fachliche Unterstützung und Hilfe bei den 15 spezialisierten Fachberatungen für Glücksspielsucht in Hessen. Die Zahlen von PRISMA zeigen, dass immer mehr Hilfe in Anspruch genommen wird: Bereits jetzt wurden im Kreis Bergstraße und im Odenwaldkreis so viel Menschen beraten, wie im vergangenen Jahr bis Jahresende. 

    „Glücksspielsucht ist vorherrschend eine … Erkrankung, die sich auf den sozialen Kontext auswirkt und in den meisten Fällen mit Schulden, oft auch mit Straffälligkeit einhergeht. Alles in allem mit Folgen, die eine vollständige Teilhabe am Leben der Gemeinschaft erheblich einschränken“, sagt Daniela Senger-Hoffmann, Landeskoordinatorin für Glücksspielsucht der HLS.

    Mit Glücksspielangeboten ist jeder Lebensraum durchdrungen, sich diesen zu entziehen fast unmöglich. Dazu arbeitet die Glücksspielindustrie ständig an ‚Innovationen’, die einen Suchteinstieg durchaus begünstigen und erleichtern. Abhilfe kann hier nur die Politik schaffen, denn sie muss nicht nur für die gesetzlichen Regelungen zum Spieler*innen- und Jugendschutz sondern auch dringend für deren Umsetzung sorgen.

    Ansprechpartner*in für Betroffene und Angehörige im Kreis Bergstraße und im Odenwaldkreis ist die PRISMA Suchthilfe & Prävention der AWO Bergstraße. Frau Ilona Sabisch ist dort unter 0152/59186554 oder gluecksspielsucht@awo-bergstrasse.de erreichbar. 

    Weitere Informationen zum Thema (Glücksspiel-)Sucht bietet die Internetseite der PRISMA unter www.suchtberatung-prisma.de/ und die der HLS unter www.hls-gluecksspielsucht.org.

    Der Videoclip ist abrufbar unter: https://videos.hls-online.org/videos/embed/92/hd.mp4 zg

     
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