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  • Di., 01. Juni 2021, 10:26 Uhr
    Gemeinschafsprojekt E-Rikscha für Senioren ab 7. Juni drei Monate kostenlos

    „Weil jeder ein Recht auf Wind in den Haaren hat“

    Bequemer, absenkbarer Einstieg und freie Sicht, abnehmbares Verdeck, Sicherheitsgurte und nicht zuletzt die ehrenamtliche, hochmotivierte Pilotin oder der Pilot sind die besten Voraussetzungen für eine vergnügliche Fahrt. Foto: Hannelore Nowacki


    LAMPERTHEIM – Ein völlig neues Fahrradgefühl können die Senioren als Passagiere und die sportlichen Piloten mit der E-Rikscha erleben, wenn sie mit bis zu 25 km/h durch Lampertheim touren, den Stadtpark und den Biedensand aus neuer Perspektive entdecken oder sich eine bestimmte Route wünschen. Am Montagnachmittag bei schönstem Ausflugswetter stellte Dirk Dewald vom Stadtmarketing das neue zweisitzige Gefährt auf dem Europaplatz vor, das in den nächsten drei Monaten öfter auf den Straßen zu sehen sein wird und von Autofahrern etwas mehr Aufmerksamkeit verlangt. Festgelegte Routen gibt es nicht, es geht um die Wünsche der Senioren, die nicht mehr mobil genug fürs Radfahren und lange Fußwege sind, um gesellschaftliche Teilhabe, ganz gleich, ob die Senioren im eigenen Hausstand, im Altenheim oder einer Seniorenwohnanlage leben. Im Rahmen der Aktion „Radfahren gemeinsam neu entdecken“ des Landes Hessen hatte sich das Stadtmarketing Lampertheim um die kostenlose Bereitstellung einer elektrisch unterstützten Rikscha beworben. Unterstützt wird das Projekt vom bundesweit tätigen Verein „Radeln ohne Alter“. Die Idee hatten Stadtmarketing und Seniorenbeirat unabhängig voneinander fast gleichzeitig, berichtete Ute Striebinger, Vorsitzende des Seniorenbeirats. Entstanden ist ein Gemeinschaftsprojekt von Stadtmarketing, Seniorenbeirat und dem Turnverein Lampertheim (TV). Bei der TV-Vorsitzenden Sabine Gärtner, die von Rikschas in Hamburg schon aus dem Fernsehen wusste und die Idee, älteren Menschen Freude zu bringen gut findet, fand Bürgermeister Gottfried Störmer schnell Zustimmung und Begeisterung. „Uns war klar, wir würden uns gerne mehr einbringen“, sagte die TV-Vorsitzende und ließ Taten folgen. Der TV Lampertheim übernimmt die Koordination der Anfragen und die Vermittlung der Gäste an die ehrenamtlichen „Piloten“ und „Pilotinnen“ über die Mailadresse e-rikscha@tv-lampertheim.de. Auf diese Aufgabe freut sich Philip Bauer, der beim TV sein Freiwilliges Soziales Jahr noch bis Ende August absolviert. Die Rikscha hat einen zentralen Standplatz in der Innenstadt. Wer die Rikscha-Passagiere befördern will, muss 18 Jahre alt sein, bekommt von Dirk Dewald eine technische Einweisung und Unterlagen wie Stadtplan, WC-Standorte und Notruf. Mit Nachweis eines negativen Corona-Testergebnisses nicht älter als 24 Stunden (oder Genesung oder nach Corona-Zweifach-Impfung) kann es losgehen. Wenn Angehörige oder Bekannte die Rikscha-Passagiere mit dem Rad auf ihrer Tour begleiten möchten, sei das durchaus von Vorteil, meinte Dewald. Am Montag hatten sich bei ihm schon 25 zukünftige Piloten gemeldet, ein Erfolg. Gerne können sich bei Stadtmarketing noch weitere Interessenten melden, ganz gleich, wie oft oder lange sie sich auf den Rikscha-Sattel schwingen können. Aus vielen Gesprächen mit dem Seniorenbeirat, Vereinen und Senioreneinrichtungen hat sich ein Bild der Wünsche entwickelt. Dazu zählen Fahrten in Neubaugebiete und zum Friedhof, zu Straßen der eigenen Kindheit und Jugend oder einfach kleine Stadtrundfahrten. Nicht im Angebot ist Lasten zu befördern oder zum Einkaufen zu fahren. Bürgermeister Störmer verbindet mit dem E-Rikscha-Projekt den Wunsch nach einer „Mobilitätswende“ in Lampertheim, ein Signal werde gesetzt. An der Entwicklung werde weitergearbeitet. „Wir haben jede Menge Möglichkeiten an der Mobilität teilzunehmen, sich vom Auto zu lösen“, meinte Störmer. Ute Striebinger kutschierte als erste Passagiere den Bürgermeister und die TV-Vorsitzende zum blühenden temporären Garten und zurück. Angelika Pfrang-Kempf, die für die Diakonie in der Seniorenwohnanlange an der Alten Schule tätig ist, weiß schon, dass sich die Bewohner riesig auf eine Rikscha-Fahrt freuen. Hannelore Nowacki

     

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