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  • Do., 01. September 2022, 08:50 Uhr
    BARRIEREFREIHEIT: SPD-Ortsverein Biblis-Nordheim-Wattenheim testet Tauglichkeit von Leitsystem mit Rollstuhlfahrern 

    Weiße Platten mit Struktur und Bordsteine 

    An der Bahnhofswestseite wurde der nicht ganz ebene Übergang in Augenschein genommen. Foto: Hannelore Nowacki


    BIBLIS – Auf mehreren Gehwegen im Ortskern sind seit einiger Zeit weiße Platten mit unterschiedlicher Struktur in die Gehwegpflasterung eingelassen, teilweise mit ebenem, direktem Übergang auf die Straße, an anderen Stellen in Verbindung mit flacher Bordsteinkante. Die weißen Leitsteine sind mit kräftigen Rillen in Längs- oder Querrichtung oder mit runden Noppen ausgestattet. Diese Querungselemente sollen Sehbehinderten und Gehbehinderten mehr Sicherheit bei der Straßenüberquerung geben oder diese im Falle von Rollstuhl- oder Rollatornutzung überhaupt bequem ermöglichen. Aber werden sie diesen Anforderungen überhaupt gerecht? Josef Pfeiffer sitzt im Rollstuhl und ist mit seiner Frau Monika Pfeiffer-Hartmann öfter in Biblis unterwegs – zufrieden ist er mit diesen Bodenleitsystemen aus mehreren Gründen nicht und es gebe viele weitere kritische Stellen. Schon auf der Rampe der  Bahnhofsunterführung stoßen Rollstuhlfahrer auf Asphaltwülste, die durch Hitze und Schwerkraft entstanden sind, Beulen und hohe Kanten gebildet haben. Das brachte seine Frau auf die Idee, dieses Problem in ihrer Partei anzusprechen, mit dem Ergebnis, dass sich am frühen Dienstagabend an der Westseite des Bahnhofs mehrere SPD-Gemeindevertreter mit dem Fraktionsvorsitzenden Sven Vollrath, Mitgliedern, interessierten Bürgern und Urs Scheib von der Liste Scheib zu einem Rundgang durch den Ortskern trafen. Josef Pfeiffer und Meike Thomas, die ebenfalls einen elektrisch angetriebenen Rollstuhl fährt, wiesen aus ihrer Erfahrung auf Mängel und Merkwürdigkeiten hin. Und natürlich sind Straßen ohne jede Leitsteine in der Überzahl, was kaum anders machbar sei, wie Monika Pfeiffer-Hartmann betonte, alles auf einmal gehe eben nicht. Ewald gleich erinnerte sich, dass Barrierefreiheit und Verkehrssicherheit seit acht Jahren Themen der SPD seien und weiter auf der Agenda stehen. Gemeindevertretung, den Bürgermeister und die Gemeindeverwaltung möchte er dafür sensibilisieren.

    Sogar ein flacher Kantstein wird zum Hindernis. Foto: Hannelore Nowacki


    Nicht akzeptieren könne er, wenn andere immer wieder auf ISEK (Integriertes Stadtentwicklungskonzept) verweisen und dadurch die Umsetzung verzögert werde. Manche Maßnahmen dauerten zu lange, bemängelt Gleich, bei jeder öffentlichen Baumaßnahme, auch in den Ortsteilen, müsse an Barrierefreiheit gedacht werden. In der Lindenstraße, Am Weichweg und in der Pfadgasse sei es besonders wichtig. Wer mit Kinderwagen und Kindern unterwegs ist brauche ebenso Barrierefreiheit. Bei Straßenbauarbeiten in Biblis sei die KMB zuständig. Ob es eine Abnahme nach Verlegung der Leitsteine gegeben hat? Man weiß es nicht. Meike Thomas berichtete von gefährlichen Stellen wie an der Ecke Lindenstraße/Freiherr-vom-Stein-Straße, wo sie mit dem Rollstuhl über den Kantstein kopfüber gestürzt und auf die Knie gefallen sei. Und der Gehweg zur Pfaffenau sei so schräg, dass sie auf der Straße fahren müsse. Manchmal stehen auch Laternenpfähle behindernd auf dem Gehweg. Beim Rundgang zeigte sie auf mehrere Übergänge, die sie nicht befahren kann und führte vor, was auch bei flachen Kantsteinen passiert – sie bleibt mit den kleinen Rädern hängen. Auch an der Mündung Korngasse in die Heinrichstraße gibt es diverse Leitsteine, die Rätsel aufgeben, weil sie quer- oder längsgerillt, mal kantenlos, mal mit Bordsteinkante auf die Straße führen. Kanten entstehen auch durch die Art der Verlegung der Leitsteine. Damit hören die Probleme nicht auf. Josef Pfeiffer führte am alten Friedhof vor, dass es fast unmöglich ist, mit dem Rollstuhl durch die Lücke neben der Schranke in die Parkanlage hineinzukommen. Ähnlich sei es mit den Schranken bei Spielplätzen, die er gerne mit seinem Enkel besuchen würde. Aus dem Kreis der Gemeindevertreter kam die Überlegung, die Schranken für Rollstuhlfahrer mit Schlössern zu versehen, die mit Spezialschlüssel zu öffnen sind. Auf manchen Gehwegen bleibe durch parkende Autos zu wenig Platz, auch dafür gab es ein Beispiel. Ob Blinde oder Sehbehinderte mit den Noppen-Leitsteinen und Querungen gut bedient sind, ließ sich wegen fehlender Praxiserfahrungen nicht feststellen. Eine lebenswichtige Empfehlung hat Ewald Gleich: Rollstühle, Rollatoren und sonstige elektrische Seniorenfahrzeuge mit leuchtenden Reflektoren ausstatten und die Kleidung mit hellen Signalfarben sichtbar machen.  Hannelore Nowacki

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