Di., 18.08.2026
Die Gratiszeitung für Lampertheim und das hessische Ried
  • Startseite
  • Sport
  • Termine
  • Stellenmarkt
  • So., 28. Februar 2016, 20:27 Uhr
    Erfahrungsaustausch und offene Diskussion bei Themenabend der SPD Bürstadt

    Weitere Integrationsmaßnahmen im Visier

    Die Bürstädter Sozialdemokraten trafen sich mit zahlreichen Integrationsakteuren zum Erfahrungsaustausch und gemeinsamer Diskussion der Möglichkeiten, die Integration der Flüchtlinge weiter voranzutreiben. Foto: Sigrid Samson


    BÜRSTADT – Im Austausch mit zahlreichen Integrationsakteuren gab es eine Gesprächs- und Diskussionsrunde der Bürstädter Sozialdemokraten zur Thematik, wie in Bürstadt ein offenes und tolerantes Miteinander geschaffen und die Integration von Zugewanderten gefördert werden kann. Ziel der Veranstaltung im Saal der Garten- und Naturfreunde Bürstadt war es, konkrete Handlungsmöglichkeiten festzuhalten und an die Bürstädter SPD und alle weiteren Parteien weiterzugeben.

    Eine zentrale Entwicklung der Bevölkerung in Deutschland ist, dass sie immer bunter und kulturell vielfältiger wird – das ist in Bürstadt nicht anders. Mit dieser Entwicklung sind Herausforderungen verbunden, die eine Kommune frühzeitig entdecken und in Chancen umwandeln sollte. Die Integration von Zuwanderern stellt dabei die zentrale kommunale Zukunftsaufgabe dar, die nur gelingen kann, wenn Zuwanderern Chancen eingeräumt werden und ihnen dabei geholfen wird, sich in der Gesellschaft einzufinden. Gleichzeitig setzt dies eine gewisse Bereitschaft seitens der Bevölkerung voraus, sich gegenüber fremden Kulturen zu öffnen und dadurch eine echte Willkommens- und Anerkennungskultur zu ermöglichen. Um dies in Bürstadt zu realisieren, trafen sich zum Themenabend der SPD neben Parteimitgliedern und Interessenten vielfältige Integrationsakteure, darunter Fatma Aya vom Ausländerbeirat in Bürstadt, Michael Held und Uwe Metzner vom Bürstädter Netzwerk Asyl, Iftikhtar Shaikh von der Ahmadiyya-Gemeinde Lampertheim, Tuna Firat (stellvertretender Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Ausländerbeiräte Hessen sowie stellvertretender Bundesvorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Migration und Vielfalt in der SPD) sowie Marion Persson vom Jugendmigrationsdienst des Diakonischen Werkes mit Sitz in Lampertheim. Von Seiten der SPD Bürstadt waren der Vorsitzende Boris Benz, Fraktionsvorsitzender Franz Siegl und Stellvertreterin Edith Appel-Thomas, sowie SPD-Mitglieder Lothar Ohl, Luciana Catalanie-Wilhelm, Giuseppe Batticane und Hans-Georg Gött anwesend.

    Philipp Ofenloch, stellvertretender Vorsitzender der Jusos Bergstraße, moderierte die Veranstaltung und hob die Bedeutung hervor, die Zuwanderung als Herausforderung anzunehmen und gleichzeitig als Chance umzuwandeln. Es gab eine überparteiliche Diskussion, in der Uwe Metzner, seit 1,5 Jahren im Netzwerk Asyl engagiert, als Mitglied der Grünen seine bisherigen Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit den Zuwanderern darstellte – gemeinsam mit seinem Mitstreiter Michael Held, der als Gemeindereferent in der Pfarrgruppe Bürstadt tätig ist. Es sind bereits tolle Entwicklungen zu verzeichnen, da die Flüchtlinge nach der Phase des Deutsch-Lernens auch bereits Hilfsarbeiten in ortsansässigen Unternehmen übernehmen konnten – dankbar zeigte sich Metzner hier, dass es Arbeitgeber gibt, die dies unterstützen, da diese Menschen langfristig in unserem Land leben und somit auch arbeiten wollen. Es konnten beispielsweise Einsätze in Bäckereien gefunden werden. „Hier sollte sich weiterhin etwas bewegen“ möchte Metzner einen Appell an die Handwerkskammer richten, um hier weiter voranzukommen. Michael Held und Edith Appel-Thomas stellten fest, dass sich inzwischen auch bei den Ämtern etwas bewegt, was sich bei der Papierflut, die auch von den Flüchtlingen zu bewältigen ist, nicht einfach gestaltet.

    Tuna Firat betonte die Notwendigkeit von Kontakten über Schulen und Vereine, um Begegnungen zu schaffen. Integration von Zuwanderern war bereits vor mehr als 30 Jahren ein Thema – diese sei bis zum heutigen Tag leider nicht abschließend erfolgt. Fehler aus der Vergangenheit sind bis heute nicht behoben und immer noch zu tragen. Gerade ältere Zuwanderer leben zum Teil immer noch in ihrer eigenen Welt, obwohl sie in Deutschland leben – die vollständige Integration ist hier auf der Strecke geblieben. Es gelte aktuell, Barrieren zu überwinden und Vorurteile abzubauen. Durch den Ausbau der Kontakte zu den Vereinen könne laut Held auch Schwellenängste abgebaut werden durch konkrete Begegnungen, um die Integrationsphase besser zu gestalten. Shaikh ging in diesem Zusammenhang auf das traditions- und kulturbedingte Problem ein, speziell Frauen in unsere Gesellschaft zu integrieren – ein Austausch findet in bereits gegründeten Frauengruppenorganisationen statt. Man müsse über weitere Maßnahmen nachdenken. Insbesondere Frauen sollten hier aktiv werden und Kontakte knüpfen, so Shaik – „dieses Umdenken geschieht nicht von heute auf morgen“ ergänzte er. Firat stellte heraus, dass Integration eine Bereicherung für jeden sein kann, und gab den Anstoß zu regelmäßigen Treffen zum gemeinsamen Erfahrungsaustausch, um weitere Schritte in die Wege zu leiten. Held stellte ein monatliches Treffen mit den Unterkunftsbeauftragten zur Diskussion. Ein neues Integrationskonzept auf Bundesebene sei laut Firat wünschenswert – diese brauche Kontakte und Multiplikatoren. Während die weltweiten Krisenherde künftig weiter zunehmen, warf er auch in den Raum, dass Klimaflüchtlinge das nächste Thema sein können. Er ging auch darauf ein, dass die momentane Situation von den Kommunen gut aufgefangen wird, „die Voraussetzungen sind hier besser als in der Umgebung“ stellte er fest. „Es muss ein Impuls in der Politik ankommen, um entsprechend entgegenwirken zu können“ konstatierte Firat, der es als wichtig erachtet, realistisch mit dem Thema umzugehen und den Verlust des Vertrauen in unseren Rechtsstaat entgegenzuwirken – die Verwaltungen seien derzeit noch „überflutet“ mit dem Abarbeiten der Aktenflut.

    Auch der Ausbau der Angebote für Volkshochschulangebote, auch speziell für Frauen, wurde angeregt.

    Marion Persson erläuterte kurz, welche Veränderungen es im letzten Jahr gab. Nach der ersten existenziellen Absicherung der Betroffenen erfolgten Sprach-Intensivkurse. Persson kümmert sich um die Belange junger Flüchtlinge im Alter von 12 bis 27 Jahren – für diejenigen, die ohne Eltern anreisen, sind die Kinder- und Jugendheime zuständig. Held betonte, dass es einen deutlichen Mangel an qualifizierten und anerkannten Lehrern gibt, die Deutsch als Fremdsprache unterrichten können und dürfen.

    Eine Teilnahme am Programm des Landes „Sport und Flüchtlinge“ durch den Einsatz von sogenannten Sportcoaches hält Ofenloch für erstrebenswert – in Anlehnung an das Vorbild der Nachbarstadt Lampertheim. Hier könne sich in Bürstadt auch noch etwas bewegen. In der darauffolgenden Diskussion erwähnte Ohl, dass derzeit Flüchtlinge als Vereinsmitglieder keine Vereinsbeiträge zahlen müssen und trotzdem laut Regelung des Landessportbundes mitversichert sind. Er brachte gleichzeitig den Vorschlag ein, entsprechende Angebote für Flüchtlinge auch tagsüber zu streuen. Marius Schmidt, Vorsitzender der Jusos Bergstraße, erklärte kurz anhand des Lampertheimer Modells die Funktionsweise des Landesprogramms und der Sportcoaches: Das Land stellt Gelder für Sportvereine im laufenden Sport- und Spielbetrieb gemäß der aktuellen Flüchtlingsanzahl zur Verfügung – unter der Voraussetzung, dass es einen Sportcoach gibt. Schmidt selbst ist bereits als solcher in Lampertheim eingesetzt. Die Bereitstellung der Gelder erfolge völlig unbürokratisch - die Sportvereine können sich die erforderlichen Mittel aus diesem Topf holen.

    Dorothee Ennemoser-Bohrer, Pastoralreferentin an einer Berufsschule in Frankenthal berichtete über ihre Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Flüchtlingen und wies auf Problematiken aus ihrem alltäglichen Umgang hin. Ihre Idee der Ausweitung des Netzwerks Asyl zu einem Netzwerk Integration wurde diskutiert.

    Ohl betonte die Bedeutung des Wohnens der Flüchtlinge im Stadtgebiet und unmittelbar unter Deutschen und die Notwendigkeit, den Zuwanderern Perspektiven zu geben.

    Als weiteres Vorhaben für Bürstadt wurde auch ein gemeinsames Frühstück für Frauen angeregt sowie die Ausrichtung eines Sportturniers zur Förderung der Toleranz. Zum zukunftsorienterten Handeln gehöre auch, die Vereine näher zusammenzubringen. Sigrid Samson

     

     

    Beitrag aus der Rubrik

    » Bürstadt und Stadtteile
    » Lokal
    Anzeige Online StellenmarktAnzeige dkge 1x1Anzeige dkge 2x2
    Anzeige NK Worms und RheinhessenAnzeige TicketshopAnzeige 3 Anzeige - 1