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  • Di., 25. September 2018, 07:57 Uhr
    500 Menschen beim Protest gegen die AfD und für den Weltfrieden 

    Weltfriedenstag – Frieden beginnt im Kleinen

    Menschen jeden Alters setzten am Sonntag Zeichen für Toleranz und Vielfalt im friedlichen Miteinander. Foto: Hannelore Nowacki


    BÜRSTADT – Bürstadt ist bunt, kreativ und friedlich. Das zeigte sich am Sonntag in der alla hopp!-Anlage bei der Kundgebung zum Weltfriedenstag, zu der das Interkulturelle Büro der Stadt Bürstadt und der Ausländerbeirat aufgerufen hatten. „Bürstadt lebt Vielfalt und Toleranz“. Das war auf einem Plakat zu lesen, das Bürgermeisterin Barbara Schader und Erster Stadtrat Walter Wiedemann zeigten. Und auch die fast zeitgleiche  Gegendemonstration im Bürgerhauspark entlang der Absperrgitter am Hauptweg zum Bürgerhaus, die sich als „Initiative gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit im Kreis Bergstraße“ aus fünf Gruppen formiert hatte, hielt sich an demokratische Gepflogenheiten, lautstarkes Pfeifen inbegriffen. Auf vielen kreativen selbst gemachten Plakaten und Bannern hatten die Demonstranten und Kundgebungsteilnehmer ihre Meinung aufgeschrieben, ganz individuell, bunt und verschieden: Für Herz statt Hetze, gegen Gewalt und Rassismus, für Gleichberechtigung, Toleranz und Vielfalt. Vom DGB Kreis Bergstraße, den Jusos, der Grünen Jugend und der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft wehten Fahnen im Wind. Anlass für den Protest war die Wahlkampfveranstaltung der AfD im Bürgerhaus mit dem Bundessprecher Alexander Gauland und den beiden AfD-Direktkandidaten im Kreis Bergstraße. Während die auswärtige AfD-Prominenz den Hintereingang zum Bürgerhaus nutzte, waren örtlichen AfD-Vertreter und Veranstaltungsbesucher auch auf dem Hauptweg zu sehen. Vom Pfeifkonzert, das zuweilen heftig anschwoll, und von der Geste „Daumen nach unten“ schienen sie nicht sonderlich beeindruckt. Kurze Wortwechsel am Absperrgitter waren hier und da zu beobachten, endeten jedoch recht schnell, überreichte Papiere der AfD waren bei den Gegendemonstranten nicht gefragt und landeten gleich demonstrativ auf dem Boden. Eine eher kleine Riege von Polizisten stand den Demonstranten von Angesicht zu Angesicht gegenüber, die Schutzhelme nicht aufgesetzt. Fast unauffällig waren Gruppen von Polizisten im Gelände unterwegs. Zu beiden Seiten des Hauptweges hatte die Stadtverwaltung schon Tage zuvor Absperrgitter aufgestellt, die für einen reibungslosen Ablauf sorgen sollten. Ordner in grünen Leuchtwesten hatten den Auftrag, auf die Einhaltung der Regeln zu achten, eine Aufgabe, die auch Uwe Metzner, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Stadtparlament wahrnahm. Zu tun gab es offenbar wenig, man schaute sich um, in Bürstadt blieb der Protest friedlich wie von den Veranstaltern gewünscht. Dennoch hatte die Polizei ein größeres Aufgebot aufgefahren als bei der Demonstration in Bensheim-Auerbach. Der Leiter der Polizeistation Lampertheim-Viernheim Matthias Seltenreich teilte auf Nachfrage des TIP mit, dass in Auerbach deutlich mehr Teilnehmer gekommen waren als vom Veranstalter eingereicht, aus dieser Erfahrung heraus sei die Zahl der Einsatzkräfte in Bürstadt erhöht worden. „Ein Lob an das Bürstädter Publikum“ spricht er wegen der friedlichen Veranstaltung aus. Allerdings fand er Rufe wie „Nazis raus“ nicht in Ordnung, das ruhige und sachliche Gespräch, wie er es nach dem Ende der AfD-Wahlveranstaltung aus nächster Nähe habe beobachten können, sei der bessere Weg. Zu bedenken gab er, dass die AfD als  zugelassene Partei in vielen Parlamenten vertreten sei. Gegen einen Versammlungsteilnehmer, der auf dem Weg zur AfD-Veranstaltung war und den Hitlergruß gezeigt hatte, sei ein Strafverfahren eingeleitet worden. Weitere Störungen habe es nicht gegeben. Von 250 Besuchern der AfD-Wahlkampfveranstaltung gehe die Polizei aus, die AfD habe 270 angegeben. 300 Stühle seien im Bürgerhaussaal gestellt gewesen. Auf der Gegenseite draußen seien insgesamt etwa 500 Teilnehmer gezählt worden.

    In Bürstadt liebt man mehrheitlich die bunte Vielfalt, wie auch die Luftballons zeigten. Foto: Hannelore Nowacki


    Manfred Forell, Veranstaltungsleiter der Gegendemonstration, sprach sich in seiner Rede gegen die soziale Spaltung und für Solidarität aus. „Wir sind nicht nur viele, wir sind mehr“ rief der dem Publikum zu. Seine Meinung: „Die AfD ist eine Bedrohung für alle Menschen, die nicht in deren Weltbild passen“. Eine Meinung, die andere Redner teilten wie der DGB-Kreisvorsitzende Sven Wingerter und der Juso-Vorsitzende des Kreises Bergstraße Philipp Ofenloch: „Ich bin hier, weil ich die AfD für eine gefährliche Partei  halte“. Rassismus sei keine Alternative, die AfD sei keine Alternative betonte Ofenloch. Die AfD stelle sich mit ihrer Ablehnung des Islam gegen das Grundgesetz. Marktradikal sei die AfD, die die Interessen einer kleinen Minderheit vertrete. DGB-Gewerkschaftssekretär Horst Raupp sprach für das Bündnis „Landtag ohne AfD“. „Wir sind heute hier, uns der Hetze der AfD entgegenzustellen, nur gemeinsam können wir für ein soziales Leben kämpfen“. Es sei Aufgabe aller Demokraten, der neofaschistischen Partei energisch entgegenzutreten, im Blick den Satz: „Die Würde aller Menschen ist unantastbar“.

    Weltfriedenstag mit Glockengeläut

    Um 11.30 Uhr läuteten acht Minuten lang alle Kirchenglocken gemeinsam in der Stadt, diese Zeit wurde zur stillen Andacht genutzt. Nach der Vorsitzenden des Ausländerbeirats der Stadt Bürstadt Fatma Aya, die Friedlichkeit anmahnte, sprach Bürgermeisterin Schader von der friedlichen Teilhabe aller Nationen in diesem Park. „Der Frieden beginnt im Kleinen“, meinte Schader, „die Würde des Menschen zu schützen ist unser aller Aufgabe“. Der katholische Pfarrer Peter Kern rief auf, Farbe zu bekennen für Vielfalt und Solidarität. Die katholische und evangelische Kirche im Landkreis wolle gemeinsam mit zivilgesellschaftlichen Organisationen ein Zeichen setzen für Weltoffenheit und Respekt. „Suche Frieden und jage ihm nach“, diesen Psalm 34, der 2019 die Jahreslosung in der Evangelischen Kirche wird, zitierte die evangelische Pfarrerin Johanna Gotzmann und nannte das biblische Gebot „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, um ein Zeichen des Friedens zu setzen. Am Ende der Veranstaltung überließen die Teilnehmer ihre bunten Luftballons den stürmischen Winden über Bürstadt. Hannelore Nowacki

     

     

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