VEREIN FÜR HEIMATGESCHICHTE: Rückblick auf die Kerb in Nordheim in früheren Zeiten
„Wem ist die Kerb?“ „Unser!“
Die Aufhängung des Kerbekranzes hat in Nordheim lange Tradition – in diesem Jahr ist coronabedingt jedoch vieles anders. Foto: oh
NORDHEIM – Die Corona-Pandemie und die damit verbundene Ansteckungsgefahr zwingt dazu, die Kerb in Nordheim stark zu reduzieren. Mit einem Rückblick auf die Kerb in früheren Zeiten soll an die alte Tradition dieses bedeutenden Festes im Jahresverlauf erinnert werden. Alfred Emig hat 1987 berichtet, im Jahr 1943 hat der Heimat- und Brauchtumsforscher Dr. Heinrich Winter die alteingesessenen Nordheimer Familien Valentin Frödtert, Peter Elsässer und Konrad Karl Glaser zur Kerb befragt. Dr. Winter hat seine Ergebnisse festgehalten, so der Verein für Heimatgeschichte: „In Nordheim wird die Kirchweih seit alters her Kerb genannt. Auf gar keinen Fall Kerwe. Das mehrtägige Fest war stark an die drei vorhandenen Wirtschaften mit Tanzsälen angelehnt. Alle drei Wirtschaften verfügten über ihre eigenen Kerweburschen. Das waren junge Männer zwischen 16 und 26 Jahren. Meist einheitlich gekleidet, hatten sie die gleichen Kappen. Oftmals trugen sie eine Schärpe, Bänder und Sträußchen. Einer unter ihnen war der eigentliche Kerwebursch. Er trug einen mit Bändern gekrönten, besonderen Hut. Der Kerwekranz wird von den Kerweburschen und nicht von den Kerwemädchen hergestellt aus Buchs, Gartenblumen, und ganz früher aus seidenen Bändern, wie sie die Burschen bei der Musterung benutzten. Während der Kerb hängt im Kerwekranz eine Weinflasche. Diese wird aber erst beim Aufhängen des Kranzes darin befestigt.
Die Kerweflasche, die Flasche, die in den Kerwekranz gehängt wurde, war schon einige Tage, manchmal schon längere Zeit vor der Kerb, heimlich vergraben worden. Die Kerweflasche wurde in der Nähe des Aushängeplatzes eines Kerwekranzes an einer der beiden anderen Wirtschaften vergraben. Man versuchte sogar manchmal, die Kerweflasch unmittelbar an dem Aushängeplatz zu vergraben. Die Burschen der betreffenden Wirtschaft aber versuchten, dies zu verhüten.
In der Woche vor der Kerb findet der gewöhnliche Hausputz, das Kuchenbacken – Quetschekuchen – und anderes mehr statt. Ganz früher bestreute man die Wohnräume noch mit weißem Sand, den man von Weisenheim am Sand bezog.
Das Ansaufen der Kerb findet am Abend des Samstags vor der Kerb statt. Die Burschen kommen in der Wirtschaft zusammen ohne Musik, ohne Mädchen und ohne Tanz. Das Abholen der Kerb geschah am Sonntagmittag. Vor der Kerwewirtschaft stellt sich der Zug auf, der bis 1939 folgende Anordnung hatte: Voraus ging der Hanswurst. Er war wie an Fastnacht gekleidet mit Zipfelmütze oder spitzer, bunter, hoher Kegelmütze. In der Hand hielt er einen Besen. Mit dem Besen machte er Kehrbewegungen, hielt dabei die Straße frei und trieb die Leute und Kinder zurück. Hinter dem Hanswurst folgte der Kranzträger, der den Kerwekranz, auf einer Stange befestigt, dem Zug voraus trägt. Der Kranzträger hat eine Schärpe um, trägt eine Bänderkappe und ein Sträußchen. Dahinter kommen die Musikanten. Es folgen dann die Kerweburschen zu Fuß. Unter ihnen befindet sich der eigentliche Kerwebursche mit der gekrönten Kappe. Er hat später von einer Leiter herab den Kerwespruch aufzusagen. Dieser Bursche hat hier in Nordheim keine Bezeichnung (die Namen Kerwevadder, Kerwepfarrer sind hier unbekannt). Der Kerwezug durchzieht die Straßen des Dorfes unter Musikbegleitung. Er gelangt schließlich an die Stelle, an der die Kerweflasch vergraben ist. Der Hanswurst gräbt nun die Flasche ohne großes Suchen aus. Hat er sie gefunden, juchzen die Burschen laut. Die Musik spielt einen Tusch. Es ertönt der Ruf: „Wem ist die Kerb ?“ „Unser !“. Dann durchzieht der Zug wieder die Dorfstraßen mit Musikbegleitung und man gelangt zu der eigenen Wirtschaft. Dort wird die Flasche in den Kranz gehängt, der aufgehängt wurde. Der Kerwebursche besorgt dies auf der Leiter. Unter der Leiter steht ein zweiter Bursche, der zum Einschenken eine Flasche und ein Glas in Händen hält. Nun beginnt der Kerwebursch mit dem Kerwespruch, der aus mehreren Versen besteht. Jeder Vers behandelt ein Dorfereignis in spaßiger Form. In den Pausen zwischen den Versen trinkt der Vortragende. Dann zieht alles mit Musikbegleitung in den Saal und der Tanz beginnt.
Kerbmontag: Morgens ziehen die Musikanten durchs Dorf, zusammen mit den Kerweburschen. Sie bringen den Stammgästen ihrer Wirtschaft ein Ständchen. Dabei spielen sie deren Lieblingsstücke. Die Kerweburschen sammeln hierbei in einem Korb Speck und Eier. Anschließend war Frühkonzert in den Wirtschaften. Nachmittags folgte wieder ein allgemeiner Tanz.Kerbdienstag: Ein Begraben der Kerb ist hier nicht üblich.” zg