
LAMPERTHEIM – Denkverbote gibt es nicht, sagt Bürgermeister Alexander Scholl (CDU) denn es geht beim Haushaltskonsolidierungskonzept nicht allein um den Haushalt 2026 mit einem Defizit von etwa 6 Millionen Euro, auch der Haushalt 2027 und die Zukunft der Stadt Lampertheim sind betroffen. Bei einem Pressegespräch kurz vor der letzten Stadtverordnetenversammlung in dieser Wahlperiode sprach Scholl über das Vorgehen und die Ziele: Der Haushaltskonsolidierungsprozess, bei dem es um das Erarbeiten von Einsparpotenzialen und Einnahmensteigerungen geht, habe in der Stadtverwaltung bereits Anfang Februar begonnen. Ziel ist ein ausgeglichener, genehmigungsfähiger Haushaltsplan 2026, der den Stadtverordneten nach der Sommerpause zur Abstimmung vorliegen soll und zugleich für die Arbeit am Haushaltsplan 2027 hilfreich sein soll. „Vereinfacht dargestellt geht es bei diesem Prozess darum, die finanzielle Handlungsfähigkeit der Stadt für die Zukunft sicherzustellen und uns von den derzeitigen finanziellen Zwängen zu lösen“, erklärte Scholl und machte deutlich, dass jeder Bereich dabei seinen Beitrag leisten müsse. Es gehe aber nicht darum, die Arbeit oder die Aufgaben der Mitarbeiter in Frage zu stellen, sondern insgesamt in der Stadtverwaltung im Sinne effizienterer Abläufe Einsparpotenziale zu erzielen. In der Haushaltskonsolidierung sieht Scholl eine große Chance für „unsere Stadt“ – nichts zu tun sei keine Option. Aktuell müssen die Stadtverordneten in der vorläufigen Haushaltsführung die Ausgaben für jede Pflichtaufgabe einzeln genehmigen. Brandneu ist die Entwicklung nicht, denn schon im Sommer letzten Jahres stellte der damalige Bürgermeister Gottfried Störmer für den Haushalt 2025 fest: „Der Haushalt ist ausgereizt und enthält keinen Spielraum mehr“.
Archivfoto: Hannelore Nowacki
Mit Strategischer Zielplanung in die Zukunft
Seit Anfang Februar wird in der Stadtverwaltung an den Zielen gearbeitet, nachdem die Stadtverordnetenversammlung im Oktober letzten Jahres die Erarbeitung eines Haushaltskonsolidierungskonzeptes beschlossen hatte. Basis ist die strategische Zielplanung, die von einem Experten der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement (KGSt) im vorigen Jahr erarbeitet und vorgestellt wurde. Durch Magistratsbeschluss im Januar wurde die KGSt ins Boot geholt, teilte Scholl mit. Ein Kick-off-Workshop habe bereits stattgefunden. In den nächsten Wochen werden in den Fachbereichen Inhalte zusammengetragen, bewertet und auf Machbarkeit geprüft. Die Mitarbeiter seien mit hoher Motivation und Ideen dabei, versichert Scholl, Vorschläge können auch anonym eingereicht werden. Nach der Sommerpause soll die Politik den Maßnahmenkatalog auf den Tisch bekommen und bei der Haushaltsplanung 2026 berücksichtigen. Christian Pfeiffer, bislang bekannt als Pressesprecher der Stadt Lampertheim, ist als Projektmanager für die Organisation beauftragt. Der Personalrat sei wegen möglicher Ängste um den Arbeitsplatz eingebunden, teilt Pfeiffer mit. Eine Klausurtagung mit Mitarbeitern habe schon stattgefunden. Insgesamt gebe es 420 Mitarbeiter, einschließlich Erzieherinnen und Bauhof. Letztlich entscheide die Politik über die Maßnahmen. Zusätzlich zum Arbeitskreis Haushalt werde ein Arbeitskreis gebildet, dem je zwei Fraktionsmitglieder angehören. Als Angebot für interessierte Bürger in Sachen Haushaltsplan 2026 nannte Scholl das Format „LA im Dialog“ auf der Homepage. Und wie steht es um freiwillige Leistungen, die Sparmaßnahmen zum Opfer fallen könnten? Die Spargelwanderung zum Beispiel sieht Scholl wegen der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedeutung für Lampertheim als Teil der Pflichtaufgaben. Zudem gebe es bei freiwilligen Leistungen finanzielle Partner und Unterstützer.
Hannelore Nowacki
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