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  • Mi., 30. September 2020, 14:59 Uhr
    PRISMA: Bundesweiter Aktionstag informierte über Gefahren des Glücksspiels / Jugend- und Suchtberatung der AWO in Lampertheim präsent

    „Wenn 500 Euro zum Spielgeld werden”

    Die Jugend- und Drogenberatung PRISMA machte am Mittwoch auf die Problematik der Spielsucht aufmerksam. Fachberaterin Ilona Sabisch stand für Gespräche zur Verfügung. Foto: Benjamin Kloos


    LAMPERTHEIM – „Wenn 500 Euro zum Spielgeld werden” – unter diesem Motto stand am heutigen Mittwoch ein bundesweiter Aktionstag zur Glücksspielsucht, an dem sich in Lampertheim die Jugend- und Suchtberatung PRISMA der AWO beteiligte. Passend zum Motto sollte an diesem Tag verdeutlicht werden, das Menschen, die übermäßig Glücksspiele spielen, irgendwann den Bezug zum Geld verlieren und schnell in eine Sucht- und Schudenfalle geraten können.

    „Normalerweise sind wir an diesem Aktionstag in der Innenstadt präsent, um den persönlichen Kontakt zu ermöglichen, in diesem Jahr ist dies aufgrund von Corona aber leider nicht möglich”, erläuterte PRISMA-Fachberaterin Ilona Sabisch im Gespräch mit dem TIP. „Daher haben wir die Aktion vor unsere Beratungsstelle in der Wormser Straße 19 verlegt – mit einem großen Würfel sowie zahlreichen unechten 500-Euro-Scheinen, die an einer Leine aus dem Fenster hängen, um ein sichtbares Zeichen zu setzen. Zudem stehen wir heute gerne für Fragen rund um die Spielsucht zur Verfügung.”

    Die Jugend- und Suchtberatung PRISMA ist Anlaufstelle für Beratungen zum Themenfeld Glücksspielsucht für den Kreis Bergstraße sowie den angrenzenden Odenwaldkreis. Ilona Sabisch ist seit Januar diesen Jahres als Fachberaterin in Lampertheim, Bensheim und Erbach tätig und steht Menschen, die Probleme mit Spielsucht haben, als Ansprechpartnerin zur Verfügung – aber auch allen Angehörigen, denn „diese leiden in der Regel genauso unter der Sucht wie die Betroffenen selbst”, so Ilona Sabisch. Daher können sowohl die Betroffenen selbst, aber auch die Angehörigen alleine einen Beratungstermin vereinbaren, selbstverständlich sind auch gemeinsame Gespräche möglich. „Durch Gespräche können wir sehr viel erreichen, darüber hinaus gibt es die Möglichkeit eines Reha-Aufenthaltes. Grundsätzlich ist es bei einer Beratung aber wichtig, dass die Spieler selbst ihr Problem erkennen, nur dann kann wirklich geholfen werden. Denn es ist ein langer Leidensweg, bis Menschen, die an Glücksspielsucht erkrankt sind, zur Beratung kommen, da sich diese Sucht lange gut verstecken lässt – es sind einfach keine äußeren Symptome vorhanden, sondern es ist eben häufig einfach ‚nur‘ kein Geld da. Die Gefahr einer Verschuldung ist daher sehr hoch. Hinzu kommt, dass Betroffene häufig unter Begleiterscheinungen wie Depressionen und Selbstvorwürfen leiden”, weiß Ilona Sabisch. Und auch bei einem möglichen Rückfall sei es wichtig, dass die Betroffenen offen damit umgehen. „Häufig erhalten die Betroffenen Unterstützung von zuhause, auch wenn die Angehörigen selbst unter den Auswirkungen der Sucht leiden”, so Ilona Sabisch weiter. Durch Corona fand die Beratung seitens der Jugend- und Suchtberatung lange Zeit per Telefon oder Videokonferenz statt, seit Ende Juni gibt es auch wieder Gespräche vor Ort. „Unsere offene Sprechstunde, die sich großer Resonanz erfreut, können wir aber leider noch nicht wieder anbieten, für Gespräche ist zudem eine telefonische Terminvereinbarung notwendig”, ergänzte Ilona Sabisch.

    Hohe Zahl an Betroffenen

    Automatenspiel, Roulette, Sportwetten oder Poker im Internet, der Glücksspielmarkt entwickelt sich weiter. Damit steigt aber auch die Zahl der Menschen, die ihr Spielverhalten wenig oder gar nicht mehr kontrollieren können. Die Zahlen im Bereich der Glücksspielsucht sind hoch: Bundesweit waren es im vergangenen Jahr 429.000 Personen, die eine Glücksspielproblematik aufwiesen, unter diesen 200.000 Personen, die eine Suchtberatung oder eine Reha nötig haben. In Hessen sind circa 31.500 Menschen von der Glücksspielproblematik betroffen – allerdings nehmen mit 1.294 nur relativ wenige Betroffene das Beratungsangebot in Anspruch. Gerade viele junge Menschen sind im Bereich von Online-Spielen betroffen. Generell ist der typische Spieler männlich, im Durchschnitt 38 Jahre alt, berufstätig und spielt an Automaten. In Hessen gibt es für diesen Bereich glücklicherweise die Möglichkeit, sich landesweit für Spielhallen sperren zu lassen. Diese Möglichkeit soll es künftig auch bundesweit und online geben.

    „Das Problem mit der Glücksspielsucht ist, dass diese bei vielen noch nicht als Krankheit oder Sucht im Gedächtnis und dementsprechend als solche akzeptiert oder ernst genommen wird, gerade im direkten Umfeld der Betroffenen”, schilderte Ilona Sabisch. „Bei einer Alkoholsucht ist dieses Bewusstsein vorhanden, aber hier heißt es immer noch häufig: Hör einfach auf. Aber das geht nicht, ein Glücksspieler kann genauso wenig einfach aufhören wie jemand, der alkoholkrank ist. Denn auch bei den Spielern selbst ist es häufig nicht im Bewusstsein verankert, dass es sich um eine Krankheit und Sucht handelt. Daher wäre es wichtig, die Glücksspielsucht endlich nicht nur als Krankheit, sondern eben auch offiziell als Sucht anzuerkennen.” Benjamin Kloos

    Info

    Für alle Betroffenen und Angehörigen steht das Team der Jugend- und Drogenberatung PRISMA gerne beratend zur Seite – aufgrund der aktuellen Lage wird zur Zeit eine persönliche Beratung nur nach telefonischer Kontaktaufnahme unter 06206/54800 angeboten. Weitere Informationen finden Sie unter www.drogenberatung-prisma.de

     

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