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  • Fr., 23. Februar 2018, 08:08 Uhr
    Großes Interesse am Informationsabend „Digitalisierung in der Landwirtschaft“ 

    Wenn der Bauer Drohnen und Robotik steuert

    Fototermin vor den Vorträgen zum Thema „Digitalisierung der Landwirtschaft“ mit Raiba-Vorstand Claus Diehlmann (von links), Bürgermeisterin Barbara Schader, Landrat Christian Engelhardt, die Referenten Dr. Martin Kunisch und Hans Back, Dr. Mattias Zürker, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Bergstraße und Raiba-Vorstand Frank Ohl. Foto: Hannelore Nowacki


    BÜRSTADT – Science Fiction oder schon Wirklichkeit? Risiken oder Chancen? Die Digitalisierung in der Landwirtschaft macht Fortschritte und kann schon in den nächsten fünf bis zehn Jahren aus dem Bauern einen Büromenschen machen, der mit Hilfe vernetzter  digitaler Technologien seine Ertragskraft und Wettbewerbsfähigkeit steigern kann. Der Fuhrpark mit GPS-gesteuerten Traktoren harmoniert im besten Falle mit allen anderen Maschinen und Drohnen kümmern sich aus der Luft um die Entdeckung von Unkrautnestern.

    Digitale Steuerung im Stall und auf dem Acker überwacht das Wachsen und Gedeihen, auch ohne dass der Bauer einen Fuß vor die Tür setzen müsste. Auch das Säen und Ernten, die punktgenaue Versorgung einzelner Pflanzen mit Dünger und Pflanzenschutzmitteln, das  Wohlergehen der Tiere ist in dieser vernetzten Landwirtschaft nur noch eine Frage der Investition in moderne digitale Technik mit umfassender Vernetzung in alle öffentlich zugänglichen und sonstigen Datensysteme. Bodenfeuchte und Bodenbeschaffenheit werden durch Satelliten erkannt, die Messdaten nutzt die digitale Technik vor Ort für passende Maßnahmen. Der Bauer wird zum Farmmanager, der sich das digitale Wissen aneignet und die Digitalisierung wirtschaftlich zu nutzen weiß, um seinen Betrieb zu erhalten und voranzubringen. Dabei gehören automatisierte Abläufe und digital gesteuerte Maschinen schon längst zum bäuerlichen Alltag, allerdings hinken Vernetzung und Breitbandausbau hinterher. Transparenz durch digitale Dokumentation aller Abläufe kann zu mehr Akzeptanz in der Bevölkerung führen. Zu den positiven Auswirkungen zählen die Experten auch Umweltschonung und Nachhaltigkeit durch gezielte und punktgenaue Anwendungen.  Schwärme von kleineren Robotern könnten in etwa fünf Jahren zum Säen über die Äcker fahren, unabhängig von Wetter und Tageszeit. Um den Schutz der persönlichen und betrieblichen Daten, um die Datenhoheit geht es. Erforderlich sei daher die Anpassung der rechtlichen Rahmenbedingungen. Zu den Risiken könnte auch ein Machtzuwachs von Großkonzernen und Zulieferern gehören, wie er heute schon im Begriff GAFA (Google, Apple, Facebook, Amazon) anklingt, auch ein weiterer Strukturwandel in der Landwirtschaft hin zu größeren Betrieben könnte angestoßen werden. Mehr Stress und Überlastung, mehr Kosten können die Folge der Digitalisierung sein. Diese Informationen und viele weitere Einblicke in die erwartete Entwicklung der Landwirtschaft und den aktuellen Stand erhielten die Besucher des Informationsabends zum Thema „Digitalisierung in der Landwirtschaft“ dank der beiden Fachreferenten, die das Thema aus wissenschaftlicher und praktischer Sicht plastisch und spannend darstellten. Viele Chancen auf der einen Seite, einige Risiken auf der anderen, diese wurden von den beiden Referenten mit Handlungsanforderungen benannt. Im Mittelpunkt der Veranstaltung der Wirtschaftsförderung Bergstraße in Kooperation mit der Raiffeisenbank Ried standen die Fachvorträge der beiden landwirtschaftlicher Experten. Dr. Martin Kunisch, Hauptgeschäftsführer des Kuratoriums für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL) in Darmstadt, nahm die Chancen und Risiken der Landwirtschaft 4.0 unter die Lupe. KTBL stellte er als unabhängigen, auf wissenschaftlich neutraler Basis beratenden Verein mit 80 Kollegen und 250 ehrenamtlichen Experten vor, finanziert vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Seinen Vortrag beendete er mit dem Bekenntnis: „Die Digitalisierung ist eine große Chance, man muss intelligent und sensibel mit ihr umgehen“. Kräftiger Applaus folgte, wenngleich Kunisch während seiner Ausführungen auch Kopfschütteln im Publikum erkannte. Landwirt Hans Back aus Lampertheim-Hofheim, der an der Universität Hohenheim in Stuttgart studiert hat und dort unterrichtet, sprach über einen „Ackerbaubetrieb im digitalen Wandel - Erreichtes und Aussichten“. Beispielhaft berechnete er die erstaunlich niedrigen Kosten von elf bis vierzig Euro pro Hektar und Jahr für eine digitale Nachrüstung von Traktoren als Basis effizienterer Feldarbeit. „Smart Farming“ finde im Naturprozess mit Lebewesen und Umwelt statt, lange Produktionszyklen und besondere gesellschaftliche Anforderungen kennzeichnen die Landwirtschaft. Es gebe zwar noch viel zu tun, aber es lohne sich, motivierte er die Zuhörer. In die Zukunft blickt er mit der Gewissheit: „Daten sind das neue Gold“. Unter den über siebzig Besuchern im voll besetzten Vortragsraum der Raiffeisenbank waren Landwirte aus der Region sehr zahlreich vertreten,  auch viele Interessierte aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung waren der Einladung gefolgt. Claus Diehlmann, Vorstand der Raiffeisenbank, stellte erfreut fest, dass der Informationsabend „ausverkauft“ sei. Bürgermeisterin Barbara Schader und Landrat Christian Engelhardt stellten der Landwirtschaft im Kreis Bergstraße in ihren Grußworten ein gutes Zeugnis mit Blick auf den Nachwuchs und die Lebensqualität im Kreis aus. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit sei die Digitalisierung, teilte der Landrat mit. In seinem Schlusswort knüpfte Dr. Matthias Zürker, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Bergstraße, an das Hauptthema des Abends an und meinte: „Am schlimmsten ist, wenn Sie nichts machen“. Lebhafte Gespräche und Netzwerken folgten im Anschluss, angereichert mit einem Büffet aus regionalen Produkten. Hannelore Nowacki

     

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