Kreisbeigeordneter Karten Krug überreicht der AWO-Schuldnerberatung Zuwendungsvertrag über 106.000 Euro
Wenn die Schulden drücken…
Der Kreisbeigeordneter Karten Krug überreichte der AWO-Schuldnerberatung einen Zuwendungsbetrag in Höhe von 106.000 Euro. Foto: Petra Gahabka
BÜRSTADT –Die kostenlose Schuldner- und Insolvenzberatung der AWO Bergstraße ist darauf ausgerichtet, Menschen in finanziell schwierigen Situationen Beratung und Unterstützung zur Selbsthilfe zu geben. Damit diese Arbeit weitergeführt werden kann, hat der Kreisbeigeordnete Karsten Krug in der Bürstädter Geschäftsstelle am Dienstag einen Zuwendungsvertrag überreicht, in dem der Kreis mitteilt, dass er dem Fachbereich für das kommende Jahr 106 000 Euro zuschießt.
„Jeder Euro, der hier investiert wird, ist gut investiertes Geld“, merkte der Sozialdezernent an. Es herrschten zwar gute Lebensverhältnisse, doch leider ginge es nicht jedem gut. Was die soziale Infrastruktur angehe, sei die Einrichtung „eines der vielleicht wichtigsten Beratungsangebote im Kreis Bergstraße“, welches es zu unterstützen gelte. Dass der Kreis die Landesförderung in Höhe von 45 000 Euro an die AWO weitergibt, war eine weitere gute Nachricht. „Wir können so die Beratungskapazitäten halten, der Kreis ist, was die Schuldnerberatung angeht, gut aufgestellt“, ließ deren Leiter Peter Kellermann wissen. Nur ungern erinnerte er sich an die Zeit von 2003 bis 2014, während der das Land keine Fördermittel für die Insolvenzberatung zur Verfügung gestellt habe. Die Arbeit des Fachbereichs refinanziere sich neben den Geldern von Land und Kreisdurch Neue Wege Kreis Bergstraße Eigenbetrieb (Jobcenter) sowie Zuwendungen der im Kreisgebiet tätigen Sparkassen. Diese spendeten seit über 25 Jahren jährlich rund 15 000 Euro, die hauptsächlich für die Prävention verwendet würden, wie die Stärkung und Förderung der Finanzkompetenz von Jugendlichen.
522 Menschen hat die AWO im vergangenen Jahr in der Nibelungenstraße 164 sowie den Jobcentern Bürstadt und Mörlenbach beraten. Schulden sind ein Tabuthema, weiß Kellermann, der seit 20 Jahren in der Geschäftsstelle arbeitet. Der Gang zur Schuldnerberatung dauere manchmal zehn Jahre. Arbeitslosigkeit, Trennung und Krankheit zählten zu den größten Verursachern, aber auch Altersarmut und steigende Mieten sorgten dafür, dass das Geld einfach nicht reiche. Häufig würden dann Forderungen schnell fällig oder Kredite gekündigt. Wer glaube, dass verschuldete Menschen nicht mit Geld umgehen könnten, irre. Nur jeder vierte Fall beruhe auf Konsumverschuldung. Leider sei festzustellen, dass 30 bis 35 Prozent der Klienten unter psychischen Erkrankungen leiden, das mache die Beratung oft schwieriger.
Die meisten Anfragen habe man aus Viernheim, Lampertheim und Bürstadt, so Kellermann. Für Neukunden betrage die maximale Wartezeit zirka drei Wochen, besteht kein Zugang zum Kontoguthaben oder droht eine Energiesperre, werde ein Kriseninterventionstermin vereinbart. Die vier qualifizierten Berater leisten wertvolle Unterstützung bei aktuellen Notlagen, helfen die Verschuldungssituation aufzuarbeiten, überprüfen offene Forderungen, verhandeln und unterstützen bei der Kommunikation mit Gläubigern, helfen beim Aufstellen eines Budgetplanes. Für viele sei dasInsolvenzverfahren die einzige Möglichkeit wieder bei Null anzufangen. Die Begleitung und Nachbetreuung während des Insolvenzverfahrens, das sich bis zu zehn Jahren hinziehen könne, gewährleistete eine Nachhaltigkeit des Entschuldungsprozesses.
Sebastian Parker, Geschäftsführer des AWO-Kreisverband Bergstraße und der dazugehörigen AWO Soziale Dienste des Kreisverbandes, stellte abschließend fest, dass sich in der seit vielen Jahren bestehenden Zusammenarbeit mit dem Kreis ein großes Vertrauensverhältnis entwickelt habe. „Wir sind froh, wenn auf Seiten der Refinanzierung der Blick dafür da ist, dass es für die Leistungen Personal braucht, dieses bezahlt werden muss und das Beratungsangebot in ausreichender Form der Bevölkerung zur Verfügung stehen soll“, dankte er Karten Krug für die gute Kooperation und dessen offenen Blick auf dieses Thema. Petra Gahabka
Infokasten
Die Schuldner- und Insolvenzberatung ist unter Telefon 06206-9877180 zu erreichen. Die Erstkontaktaufnahme erfolgt im Rahmen der Telefonberatung zu folgenden Sprechzeiten: Dienstag von 10 bis 12 Uhr und Donnerstag von 14 bis 16 Uhr. Infos auch unter www.awo-bergstrasse.de