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    150 JAHRE ST.-BARTHOLOMÄUS-KIRCHE: Bürgerstiftung Biblis hatte die Bürger zur fachkundigen Führung mit Manfred Gölz eingeladen

    Wenn die Stunde schlägt

    „Oben ist die Orgel, ein Blickfang zwar, aber seit Einbau 1992 verdeckt sie großenteils das prächtige Rundfenster“, erläuterte Manfred Gölz.
    Foto: Hannelore Nowacki

    BIBLIS – Die weithin sichtbaren Türme der neugotischen katholischen St.-Bartholomäus-Kirche aus rötlichem Sandstein prägen die Landschaft im Ried. Das große Kirchengebäude in einer kleinen Gemeinde wie Biblis mit 9.000 Einwohnern ist etwas Besonderes, meint auch Gottesdienstbeauftragter Manfred Gölz, der am Samstagnachmittag eine rund zwanzigköpfige Besuchergruppe durch „unseren Dom“ führte und in seinem Vortrag viel Wissenswertes zur Geschichte und zum kirchlichen Leben berichtete. Andächtig hörten die Besucher zu und erhielten anschließend auf ihre Fragen weitere fundierte Antworten. Eingeladen hatte die Bürgerstiftung Biblis aus dem Gedanken heraus, dass im November das 150-jährige Jubiläum der St.-Bartholomäus-Kirche gefeiert wird. Die Gruppe vor dem Hauptportal wuchs auf etwa dreißig Besucher an, die sich um Roland Woll vom Vorstand der Bürgerstiftung scharten. Die anfänglichen Bedenken, dass das Interesse bei dem schönen Frühlingswetter nicht so groß sein würde, waren bald verflogen. Eine Anmeldung war nicht erforderlich, man kam spontan. Nach dem Stundenschlag um 14 Uhr konnte die Führung beginnen, zum Vortrag nahmen die Besucher in den Kirchenbänken Platz, während Gölz am Rednerpult referierte, das in einer katholischen Kirche auf Lateinisch „Ambo“ heißt. Dies und vieles mehr erfuhren die Zuhörer zu den Besonderheiten der gebräuchlichen lateinischen Begriffe. 

    Die Bürgerstiftung Biblis hatte den Gottesdienstbeauftragten Manfred Gölz als fachkundigen Referenten für die Führung gewinnen können.
    Foto: Hannelore Nowacki

     

    Kirche als Kommunikationszentrum

    „Eine Kirche ist Ausdruck der Zugehörigkeit und Kommunikationszentrum“, erklärte Gölz. Das war zumindest früher stärker der Fall, als die Pfarrkirche St. Bartholomäus den Gläubigen 700 Plätze bot und die Kinder ganz vorne in der Nähe des Pfarrers ihre Bänke hatten. Nach Umbauten sind diese Kinderbänke verschwunden, auch die Empore gibt es nicht mehr – den Platz hat die prächtige neue Orgel seit 1992 eingenommen. Eine Position mit großem Nachteil, denn die Orgel verdeckt große Rundfenster, dessen buntes Glas bei Sonnenschein früher in das Kirchenschiff strahlte. Gölz und Besucher bedauerten diesen Umstand. Doch habe man damals in Mainz so entschieden. In den 1960er Jahren habe es einen großen Aufschwung beim  Gottesdienstbesuch gegeben, üblicherweise seien sonntags bei drei Gottesdiensten 500 Gläubige gekommen. Jetzt seien es sonntags 150 Leute, teilte Gölz mit, „darauf sind wir stolz“. Schlichter sei die Kirche geworden, besonders nach der Sanierung 1954, als man kein Geld hatte zur Erneuerung von Malereien und der Restaurierung der Heiligenfiguren, die nun im Keller lagern. Den überraschenden Weg aus dem Keller hatte dagegen das vergessene barocke Kreuz aus dem 18. Jahrhundert gefunden, das seit Ostern 2000 vergoldet über dem Altar hängend zu schweben scheint - ein kunsthistorisches Werk mit wechselhafter Geschichte und Veränderungen. 

    Bürger wollten große Kirche

    Bereits seit über tausend Jahren habe es an dieser Stelle Kirchengebäude gegeben. Mit St.-Bartholomäus sich hatten die Bürger sich finanziell mit 155.000 Gulden ins Zeug gelegt. Nach vierjähriger Bauzeit wurde die Kirche am 9. November 1876 geweiht, nachdem bereits seit 1848 die ersten Verhandlungen geführt wurden. Als „Wegkirche“ sei sie tagsüber geöffnet, nach Vandalismus vor zwei Jahren eine Probezeit. Man habe jedoch Vorkehrungen getroffen. Die fünf Glocken seien wesentlich für die Kirche, erläuterte Gölz. Die Glocken wurden 1982 ausgetauscht, vier von den Bürgern gestiftet. Durch Schwingungen waren erste Risse im Mauerwerk entstanden. Die schwere Bartholomäusglocke aus Bronze im Westturm wiegt 2.321 kg, von den vier Glocken im Ostturm ist die Marienglocke mit 1.666 kg die schwerste, die Sebastianusglocke mit 472 kg die leichteste. Eindrucksvoll auch der  historische Hochaltar in Form eines gotischen Flügelaltars mit einer Vielzahl Bildtafeln auf allen Flächen. Änderungen in der Liturgie nach dem 2. Vatikanischen Konzil erklärte Gölz ebenso wie die Verehrung der Mutter Gottes oder was es mit den Zahlen 7 und 40 in der Bibel auf sich hat und vieles mehr. Wer die enge Wendeltreppe zur Orgel und zum Turm hinaufklettern wollte, hatte Gelegenheit dazu, wobei sich auch ein Blick auf das Gewölbe von oben und die Glocke im Holzgestühl ergab. Am Ende erhielt Gölz vielfach Dankesworte für seine interessanten Ausführungen und Einblicke in das kirchliche Leben. 

    Hannelore Nowacki

     

     

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