Fr., 06. November 2015, 11:35 Uhr
Märchen und Musik 2015: Traumhafte 9. Folge mit großer Resonanz / Die Mut vermittelnde Botschaft von Märchen
„Wenn’s Gottes Wille also ist …“

Erzählerin Regina Haas-Sauer und Harfenistin Mariella Pieters gestalteten einen zauberhaften Märchenabend. Für Spenden zugunsten der Flüchtlingshilfe hatte Regina Haas-Sauer ein Schatzkästchen mitgebracht. Foto: Hannelore Nowacki
BÜRSTADT – Märchenhaft schön war der große Saal im Katholischen Pfarrzentrum dekoriert, sanfte Beleuchtung stimmte auf die kommenden Stunden ein. Der Einladung zur neunten Folge „Märchen und Musik“ waren fast hundert Interessierte gefolgt, ein nahezu abendfüllendes Vergnügen, das für nur fünf Euro Eintritt zu haben war. Annerose Bechtloff und Edelgard Ofenloch aus dem Kreis der Katholischen Frauen Deutschlands hatten diese Veranstaltung organisiert, die in der Pause ausgiebig Gelegenheit zum Gedankenaustausch bot, für Durstlöscher und Kleinigkeiten zu essen war ebenfalls gesorgt. Zum gewählten Motto „Wenn’s Gottes Wille also ist, so wird’s zu meinem Besten ausschlagen, ich will mich schon dreinschicken“ hatte Erzählerin Regina Haas-Sauer einige Märchen ausgesucht, die dieses Zitat aus einem Märchen der Brüder Grimm eindrucksvoll illustrierten. Mit den Klängen der Harfe, die Mariella Pieters spielte, entstand eine ganz besondere Atmosphäre der entspannten Aufmerksamkeit, das Gefühl, am wunderbaren Geschehen der Märchen unmittelbar teilzuhaben. Ein Thema prägte die Erzählungen – Regina Haas-Sauer ging es um Aufbrüche im Leben, um ungebrochene Zuversicht „und was wir von Märchenkindern für jedes Lebensalter lernen können“, wie sie in ihren einführenden Worten erklärte. Eine überraschende Wendung nahm das Geschehen im Märchen vom „Hund mit den kleinen Zähnen“, der tatsächlich ein schöner junger Mann war. Bis es soweit war, hatte das Mädchen aufregende Ritte auf dem Hunderücken zu bewältigen. In diese zunächst missliche Lage war das Mädchen gekommen, weil der Hund ihren Vater vor Räubern gerettet hatte. Immer wieder stellte der Hund die Frage „was denkst du von mir“. Die ehrliche Antwort des Mädchens: „Du bist der große hässliche Hund mit den kleinen Zähnen“. Verständlich, dass der Hund nicht begeistert war und jedes Mal den Weg zum Ziel abbrach. Bis sie endlich spontan und von Herzen sagte: „Du bist sogar süßer als Honig“. Dann haben sie geheiratet und lange miteinander glücklich gelebt. Auch die „Reise zur Sonne“ endete schließlich glücklich. Dieses christlich-philosophische Märchen aus Böhmen folgt dem Aschenputtel-Motiv, wie die Erzählerin erklärte. Doch nicht ein weibliches Wesen spielt darin die Hauptrolle, sondern ein junger Mann, der am königlichen Hof Küchenjunge ist und seit Kindestagen mit der Königstochter ein Herz und eine Seele ist. Als später die Liebe wächst und sie ihn allen Bewerbern königlichen Geblüts vorziehen wollte, schickte ihn der König auf eine lange Reise, wie er hoffte, ohne baldige Wiederkehr. Mutig, umsichtig und beharrlich machte sich der Küchenjunge auf den Weg und erreichte am Schluss, was ihn und die Königstochter glücklich machte – sie wurden ein Paar. „So ist es mit dem Leben“ hatte er von der Sonne gelernt, die jeden Morgen jung aufgeht und abends alt niedersinkt. Im nächsten Märchen ging es um einen „Geist im Glas“ und einen jungen Mann, der sich trotz schlechter Erfahrung mit diesem bösartigen Wesen auf einen Handel einließ, ein Märchen zum Schmunzeln, wie Erzählerin Haas-Sauer ankündigte. Mutig, aber durchaus überlegt, nahm er den Pfropfen der Flasche ein zweites Mal ab – und wurde belohnt. Im Dialog mit dem Publikum ging es um die Frage: Wie hätte man wohl selbst entschieden und gehört die Welt wirklich den Mutigen? Eine lebhafte Pause folgte, danach flogen „Die sieben Raben“ der Brüder Grimm ein und im Märchen aus Afghanistan „Morgen ist Morgen“ ging es auch um Gottvertrauen: „Gott sei gesegnet Tag um Tag“. Hannelore Nowacki