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  • Do., 30. April 2026, 10:11 Uhr
    TIP SÜDHESSEN IM GESPRÄCH: Kurt Oberfeld über Möglichkeiten zur Belebung der Lampertheimer Innenstadt und seinen Blick über den Tellerrand hinaus

    „Wer sich engagiert, wird eher benachteiligt“

    Im Wandel der Zeit. Eis Oberfeld anno 1954.
    Foto: privat

    LAMPERTHEIM – In Kooperation mit dem lokalen Einzelhandel, Vereinen und Wochenmarkt-Beschickern ist es erklärter Wille der Verwaltung, die Innenstadt stärker zu beleben. Ein Markt-Frühstück und ein „Abendmarkt – Genuss am Dom“, sind zwei Aktionen im Gesamtpaket. Kurt Oberfeld, Inhaber von Eis Oberfeld nebst Schokoladenhaus, zählt seit Jahrzehnten zu den Akteuren in der Geschäftswelt und begrüßt die Maßnahmen. Die Entwicklung der Stadt liegt dem Träger der bronzenen und silbernen Stadtplakette sehr am Herzen. Im Gespräch mit dem TIP Südhessen erklärt der Unternehmer, wo er Handlungsbedarf sieht und auf zeitnahe Lösungen hofft. 

    Manchmal fehlt Kurt Oberfeld das Verständnis für Entscheidungen im Rathaus. Seit Jahren bewirtschaftet Eis Oberfeld den kleinen Schillerplatz, sorgt dort mit Stühlen, Tischen und Pflanzen für ein schönes Ambiente. Seine Kunden schätzen das Kleinod, das an heißen Sommertagen Schatten spendet. Normalerweise wäre die Stadt für das Sauberhalten der Fläche verantwortlich. Das übernimmt seit jeher Eis Oberfeld. Die Nutzung des öffentlichen Raums für die Außenbestuhlung in Lampertheim ist genehmigungs- und gebührenpflichtig. Abgerechnet wird nach Quadratmetern. Die Gebühren wurde unlängst auf Vorschlag der Politik angepasst. Konkret sogar um 75 Prozent erhöht. „Wer sich engagiert, wird eher benachteiligt“, ärgert sich Kurt Oberfeld über das mangelnde Fingerspitzengefühl der Entscheider. Trotz prekärer Haushaltslage der Stadt sei es kontraproduktiv eine Belebung der Innenstadt anzustreben und parallel an der Gebührenschraube zu drehen. Die Folge: Einige Gastronomen verzichten bereits auf ihre Außenbestuhlung. Kurz spielte auch Eis Oberfeld mit dem Gedanken, den Außenbereich zu schließen. Eine Gebührenerhöhung sei ein falsches Signal. Sein Unternehmen müsse ebenfalls mit gestiegenen Kosten in vielen Bereich kalkulieren, wolle aber nicht am falschen Ende sparen. Bewusst seien daher in dieser Saison die Eispreise konstant geblieben und manche Becher hätten zudem mehr Inhalt, ergänzt Oberfeld.

    Weitere Anregungen, mehr Parkraum zu schaffen, fänden bei der Politik seit Jahren kein Gehör. Der Einzelhandel, aber auch die Innenstadt könnten gleichermaßen profitieren, so Kurt Oberfeld. Den Abriss des sanierungsbedürftigen Parkhauses bewertet der Geschäftsmann inzwischen als „Schildbürgerstreich“. Investitionen in eine attraktive Parkraumbewirtschaftung hätten sich lohnen können. Das Gebäude seinem Schicksal zu überlassen, sei der falsche Weg, meint Oberfeld. Bis der Ringtausch mit der Schillerschule, Parkhaus und Sedanhalle zwischen Stadt und dem Kreis Bergstraße endlich abgeschlossen sei, habe man Jahre ungenutzt ins Land fließen lassen. Mutige Entscheidungen, wie die Kaiserstraße für eine Testphase als Einbahnstraße für Pkws zu öffnen, seien nie weiter gedacht worden. Man dürfe das Auto in der Innenstadt künftig nicht verteufeln, verteidigt Kurt Oberfeld die Interessen des ortsansässigen Handels. Sein Fokus richtet sich dabei auf E-Autos, die keine Abgase verursachen. 

    Im Wandel der Zeit. Eis Oberfeld im April 2026.
    Foto: Steffen Heumann

    Insbesondere für das benachbarte Schillercafé wünscht sich Kurt Oberfeld eine Dauerlösung als Anlaufpunkt. „Gerne ein Imbiss, aber mal eine Currywurst mit Pommes“, regt Oberfeld an. Interessenten gäbe es, weiß er. Impulse würden leider bei den Verantwortlichen versanden, bedauert er. In anderen Fällen stelle sich die Bürokratie mit ihren Vorschriften quer, statt lösungsorientiert zu denken. Konkret nennt Kurt Oberfeld das Vorhaben eines Lampertheimers ein „Flippermuseum“ in der Stadt zu etablieren. Auch das könne eine Bereicherung sein, fügt Oberfeld an. Er erinnert sich gerne an Zeiten, in denen Tischkicker oder eben Flipperautomaten in Spielhallen dominierten und keine Geldgewinnmöglichkeiten im Vordergrund standen. 

    Beinahe täglich kreisen seine Gedanken beim morgendlichen Kaffeegenuss auch um die Frage, was man besser machen könne, um die Innenstadt attraktiver und lebendiger zu gestalten? „Das geht nur als Gemeinschaft“, appelliert Kurt Oberfeld an alle Akteure in der Innenstadt, sich aktiv einzubringen. Unterstützung fordert er dabei von der Politik ein. „Natürlich ruhen die Hoffnungen auch auf unserem neuen Bürgermeister“, betont Kurt Oberfeld. „Alexander Scholl hatte bislang immer ein offenes Ohr für unsere Belange“, unterstreicht Oberfeld abschließend. Eine gute Nachricht gibt's zum Abschluss des Gesprächs. Das große Kinderfest, das im Jubiläumsjahr ausfallen musste, soll in diesem Jahr stattfinden! Das lässt Kinderaugen jetzt schon glänzen …

    Das Gespräch mit Kurt Oberfeld führte Steffen Heumann 

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