
LAMPERTHEIM – Wie in alten Zeiten zeigte das Carneval-Gremium (CGT)im Turnverein 1883 Lampertheim, was eine unterhaltsame Sitzung ausmacht. Passenderweise war das Motto „Good old Times“ gewählt, um auf die eigene Vergangenheit und einige Jahrzehnte Karnevalmusik zurückzuschauen. Das besorgte der Elferrat in kleinen Szenen selbst, um das Publikum in der interaktiven Raterunde erfolgreich zu animieren, die dargestellten „blödesten Fastnachtshits von früher“ zu erkennen. Sechs Hits waren zu erraten, darunter die „Polonaise Blankenese“, mit der Werner Böhm als Gottlieb Wendehals seit den 1980 Jahren die Fastnacht aufmischte. Auch an diesem Abend führte an einer Polonaise durch den Saal kein Weg vorbei. Zum ersten Mal nach vier Jahren Pause wurde die Fastnacht nicht nur mit einer Fastnachtsparty gefeiert.
Foto: Hannelore Nowacki
„Wir sind wieder hier in unserem Revier“, ließen die Bänkelsänger zur Eröffnung wissen. Eine „kleine“ Sitzung war angekündigt, doch es wurde eine große und großartige Fastnachtssitzung mit sehnsuchtsvoll erwarteten Bütten, Funkentanz, Protokoll, mitreißendem Gesang der Bänkelsänger Jockel Röhrig, Reiner Ihrig und Roland Ihrig, Schunkel- und Stimmungsliedern mit Helmut Wehe, der auch stilsicher als Elvis Presley beeindruckte und Sängerin Kristina Ohl, die als Nena glänzte. Verstärkung erhielt Wehe von Peter Medert und Peter Hensel bei der Klage, dass es auf Hawaii kein Bier gebe. CGT-Präsidentin und Sitzungspräsidentin Ann-Katrin Hornischer und Elferrats-Minister Christian Schmitt moderierten den kurzweiligen fast vierstündigen Abend in lockerer Art, anders als früher saß der Elferrat nicht geschlossen auf dem Podium – auch eine Neuerung. Chef des närrischen Protokolls Steffen Götz, mittlerweile bei der Volksbühne als Teufel bekannt, kam beim Blick auf die Parteienlandschaft mit Volt unter Strom und meinte zum Thema Altrhein: „Alles bleibt wie immer oder es wird schlimmer“. Eine Premiere beim CGT: Was „ein Mann in Kur“ erlebt, beschrieb Noah Siegler in der Bütte mundartlich im Bademantel, lebensnahe und sehr witzig. Wie in alten Zeiten kam Philipp Seelinger in die Bütte. Als glückliches Kind ohne Handy damals in den „Good old Times“ empfindet er sich, auch sprachlich habe sich viel geändert – es wird gegendert. Zum Beispiel Lehrerzimmer:innen. „Geht’s noch?“ fragt Seelinger. Als Rapper 50 Penny mit Panzergoldkette rief er die Zuschauer mundartlich auf „macht euch mal logger“. Seit 30 Jahren ist er im CGT und in der Bütte aktiv, verriet die Sitzungspräsidentin. Andreas Kirsch, Comedystar mit Fernsehauftritten, Preisträger und Elferratsmitglied, entdeckte im Publikum den Ersten Stadtrat Marius Schmidt in der Verkleidung als Chefkoch, was ihn zu allerlei Späßchen animierte. Bevor zum Abschluss die Bänkelsänger zum Finale jahrzehntelang erprobte Fastnachtshits vorsangen, zeigte die „Wilde Garde“ wie man stilgerecht rasanten Rock’n Roll tanzt – weit schwingende Röcke gehörten einst dazu.
Hannelore Nowacki































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