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  • Di., 15. November 2022, 09:22 Uhr
    BLACKOUT: Sorge über flächendeckenden Stromausfall wächst innerhalb der Bevölkerung / Wahrscheinlichkeit gering

    Wie gut ist das Ried im Notfall vorbereitet?

    Die Sorge vor unkontrollierten Blackouts ist groß, wird jedoch als gering wahrscheinlich eingestuft. Foto: pixabay


    RIED – Ein Thema, das die Bevölkerung aktuell bewegt, ist die Sorge vor einem großflächigen mehrstündigen oder gar Tage andauernden Stromausfall – einem sogenannten Blackout. Ursächlich hierfür ist unter anderem der russische Angriffskrieg in der Ukraine. Seit dem Sommer liefert Russland kein Gas mehr durch die Ostseepipelines, welches hier sowohl zum Heizen als auch zur Stromerzeugung genutzt wird.
    Die rasant gestiegenen Gaspreise haben einige Bürger dazu bewegt, sich mit Heizlüftern und anderen strombetriebenen Heizungen auszustatten.
    Das EWR erklärt hierzu, dass die Wahrscheinlichkeit von langanhaltenden Netzausfällen zwar gering sei, dennoch können Stromausfälle unter der Berücksichtigung von Extremsituationen, aufgrund von Gasmangel, Ausfällen von Kraftwerken und gleichzeitigem Einsatz vieler Heizlüfter nicht vollständig ausgeschlossen werden.
    Sollten demnach viele Haushalte auf elektrische Heizgeräte zurückgreifen, ergibt sich eine hohe potentielle Zusatzbelastung für die Niederspannungsnetze mit der Konsequenz von lokal beschränkten Überlastungen.

    „Falls es zu einem Stromausfall kommen sollte, müssen vor allem Verbraucher wie Heizlüfter vom Netz genommen werden, damit der Netzbetreiber nach Austausch der Sicherungen die Versorgung zügig wiederherstellen kann“, erläutert EWR-Netzvorstand Dirk Stüdemann. Dauerhaftes Heizen mit Heizlüftern lohne sich jedoch selbst bei den aktuell sehr hohen Gaspreisen nicht, um Energiekosten nachhaltig zu senken.

    Da die Pumpen der Wasserwerke nach einer gewissen Zeit ohne Strom ausfallen, ist eine weitere Frage der Bürger, ob die Trinkwasserversorgung gewährleistet bleibt oder sogenannte Notbrunnen vorhanden sind, wenn die Trinkwasserversorgung wider Erwarten doch zusammenbricht?

    Für alle Szenarien gewappnet sein

    Zuständig für den Katastrophenschutz in Friedenszeiten sind die Bundesländer, die die Verantwortung an die Gemeinden und kreisfreien Städte übertragen haben. Inwieweit die einzelnen Kommunen ihre Bevölkerung vor Katastrophen schützen, entscheiden demnach häufig die Bürgermeister.
    Der TIP wollte daher wissen: Wie gut ist das Ried im Notfall aufgestellt? Gibt es in den Verwaltungen einen Einsatzplan „Stromausfall“, auf den gegebenenfalls alle Beteiligten zugreifen könnten? Verfügen die Riedgemeinden über Katastrophen-Leuchttürme, die Bürgern als Anlaufstellen dienen können?

    Im Stadthaus Lampertheim nimmt man die Bedenken seitens der Bevölkerung ernst. „Wir bereiten uns auf alle möglichen Szenarien vor“, erklärt Bürgermeister Gottfried Störmer. „Diese Vorbereitung beinhaltet beispielsweise einen Plan, wie die Bürgerhäuser im Falle eines großflächigen Stromausfalls besetzt werden, um Anlaufpunkte für die Lampertheimer Bevölkerung zu schaffen.“ Die Verwaltung frage aktuell ansässige Unternehmen und kritische Infrastrukturen nach deren Notfallversorgung ab, um sich einen Überblick zu verschaffen.

    Und auch wenn der Verwaltungschef weit davon entfernt ist, Panik oder Ängste zu schüren, bittet er die Lampertheimerinnen und Lampertheimer um Mithilfe. „Wir bereiten uns vor, tun Sie es bitte auch“, so Störmer. „Es fängt beim Energiesparen an. Wenn jeder darauf achtet, weniger zu verbrauchen, kommen wir hoffentlich unbeschadet durch den Winter.“ Bewohner der Spargelstadt sollten bei Nahrungsmitteln, Trinkwasser und Empfangsgeräten vorsorgen. „Eine gewisse Anzahl an Konserven, Wasserkanistern oder auch das altbekannte Kurbelradio oder Batterieradio sowie Taschenlampen, Batterien, Kerzen, Streichhölzer und Decken zuhause zu haben, schadet sicher nicht“, so das Stadtoberhaupt. Allerdings bittet Störmer darum, nicht zu hamstern: „Das Hamstern hat sich schon während der Coronakrise als extrem unsolidarisch erwiesen.“ Alle Informationen zum Thema Stromausfall gibt es auch auf der Internetseite der Stadt Lampertheim unter dem Suchwort „Blackout“ zum Nachlesen.

    Notstromaggregate für die Feuerwehr

    Die Sorge vor einem großflächigen mehrstündigen oder mehrere Tage andauerndem Stromausfall, dem sogenannten Blackout, hatte zuletzt auch das Bürstädter Rathaus im Griff. So kann das Wasserwerk Bürstädter Wald der EWR im Falle eines Stromausfalls zumindest für fünf Tage betrieben werden. Hierfür sorgt ein stationäres Notstromaggregat und ein sichergestellter Kraftstoffvorrat. Von der für die fünf Tage gewährleisteten Trinkwasserversorgung sind auch die beiden Stadtteile Bürstadts hinsichtlich des Drucks und der Menge einbezogen.

    Im Rathaus läuft derweil die Planungsphase für die Erstellung der Infrastruktur der Einspeisungspunkte für Notstromaggregate für das Rathaus und die Feuerwehren in Bobstadt und Riedrode. Die Feuerwehr in Bürstadt verfügt bereits über einen Einspeisungspunkt für ein Notstromaggregat.

    Ansonsten gibt es bei der Stadt Bürstadt aktuell noch keine abschließenden Planungen bezüglich eines Einsatzplanes „Stromausfall“ oder etwaige Anlaufstellen. Allerdings erfolgte die Bestätigung aus dem Rathaus, daran zu arbeiten. red 

     

    Empfehlungen des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK)

    Im Falle eines Blackouts empfiehlt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe folgendes:

    Essen & Trinken

    • Versuchen Sie, 10 Tage mit Ihren Vorräten abzudecken.

    • 2 Liter Flüssigkeit pro Person und Tag

    • Vorräte in den alltäglichen Lebensmittelverbrauch integrieren


    Medikamente

    • Persönliche, vom Arzt verschriebene Medikamente

    • Schmerz- und fiebersenkende Mittel

    • Mittel gegen Erkältungskrankheiten

    • Mittel gegen Durchfall, Übelkeit, Erbrechen

    • Elektrolyte zum Ausgleich bei Durchfallerkrankungen

    • Fieberthermometer

    • Splitterpinzette

    • Hautdesinfektion

    • Wunddesinfektion

    • Einweghandschuhe

    • Atemschutzmaske

    • Verbandsmaterial (Autoverbandskasten)


    Wenn die Heizung ausfällt

    • Möglichst nur einen Raum zum Aufenthalt wählen, Türen geschlossen halten, damit Wärme nicht entweichen kann. Eine regelmäßige Lüftung/Erneuerung des Sauerstoffgehalts ist dennoch wichtig.

    • Prüfen, ob besonders Schutzbedürftige in der Familie (z. B. ältere Menschen) in einem gemeinsamen Haushalt unterkommen können; Zusammenlegen von Ressourcen und Kapazitäten prüfen.

    • warme Kleidung und Decken vorrätig

    • Sorgsamer und umsichtiger Gebrauch von Elektro-Heizgeräten, um eine Überlastung des Stromnetzes zu vermeiden.


    Wenn das Licht ausfällt

    • Taschenlampe vorrätig: batteriebetrieben (mit Ersatzbatterien), solarbetrieben, Kurbeltaschenlampe oder LED-Leuchten - "Ersatzbirnen" nicht vergessen oder mehrere Geräte als Ersatz für Defekte vorhalten

    • Kerzen und Streichhölzer oder Feuerzeuge vorrätig

    • Camping- oder Outdoor-Lampen: batteriebetrieben (mit Ersatzbatterien), LED-Leuchten oder Petroleumlaternen (passenden Brennstoff vorhalten)


    Im Notfall informiert bleiben

    Bei einem flächendeckenden Stromausfall funktionieren weder Fernseher noch das Internet als Informationsquellen. Auch Handys oder Laptops können nicht mehr geladen werden, wenn die Akkus leer sind. Daher empfiehlt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe ein batteriebetriebenes Radio und Reservebatterien im Haus zu haben. Auch ein Solarradio oder das Autoradio können benutzt werden.
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