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  • Di., 31. August 2021, 09:55 Uhr
    WAHLKAMPF: Grünen-Bundestagskandidat Moritz Müller am Infostand, bei Feuerwehr und THW

    Wie ist der Katastrophenschutz aufgestellt?

    Der Grünen-Bundestagskandidat Moritz Müller sprach am Infostand mit Bürgern, flankiert von Iris Henkelmann und Helmut Rinkel. Foto: Hannelore Nowacki


    LAMPERTHEIM – In Wahlkampfzeiten suchen die Parteien und ihre Kandidaten die Nähe zu den Wählern. So machten es auch die Grünen am Samstagvormittag mit ihrem Infostand in der Kaiserstraße, nur ein paar Schritte vom lebhaften Wochenmarkt auf dem Schillerplatz entfernt. Moritz Müller, der Direktkandidat von Bündnis 90/DieGrünen für die Bundestagswahl am 26. September, lebt in Bensheim, also gar nicht so weit weg von Lampertheim. In Bensheim ist er seit 2011 Stadtverordneter und inzwischen Fraktionsvorsitzender. Immer mal wieder blieben gesprächsfreudige Leute stehen. Das Thema Mobilität sprach ein älterer Herr im elektrischen Rollstuhl an, ein intensives, freundliches Gespräch entwickelte sich zwischen ihm und dem Bundestagskandidaten, das zum Thema Kreuzfahrtschiffe führte. Mit seiner Meinung, dass es auch in der Nähe schöne Ecken gebe, die Leute hätten das schon gemerkt, kam er gut an. Auch hinsichtlich Kleingarten und dass es schön sei eigenes Gemüse anzubauen, lagen die beiden auf einer Wellenlänge. Die Grünen fördern Kleingärten, betonte Moritz Müller. Währenddessen hielt sich Iris Henkelmann, Stadtverordnete und stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende, mit Mitgliedern am Infostand bereit für weitere Gespräche. Eine Auflage des Ordnungsamtes, in roter Schrift besonders hervorgehoben, machte es den Grünen nicht leicht mit Passanten ins Gespräch zu kommen – sie durften nichts von Hand überreichen, die Interessenten mussten selbst danach greifen. In Bensheim sei das trotz Corona anders geregelt, dort dürfen die netten Give-aways überreicht werden, wunderte sich Helmut Rinkel, Stadtverordneter und Vorstandssprecher der Lampertheimer Grünen. Die Auslagen stellten gewissermaßen das Wahlprogramm in gegenständlicher Form dar. Kräutertöpfchen zum Auspflanzen konnten mitgenommen werden, zwei Paletten waren schon nach einer Stunde weg. Süßkraut, Rosmarin und Petersilie verlockten noch zum Zugreifen. Die Flyer und sonstigen Informationen waren auf umweltfreundlichem Papier in der Region gedruckt und ein kleines, praktisches Vielzweck-Metallwerkzeug versprach ein Alleskönner zu sein. Sonnenhüte aus dem Naturstoff Stroh mit dezentem Hutband warteten auf Abnehmer. Doch Sprühregen statt Sonne kam über Lampertheim. Nach zwei Stunden wurde der Infostand plangemäß abgebaut, da war auf dem Wochenmarkt auch nicht mehr so viel los wie am frühen Vormittag. Um allgemeine Informationen und um den Katastrophenschutz ging es beim jeweils einstündigen Besuch der Freiwilligen Feuerwehr und des Technischen Hilfswerks (THW) in der Florianstraße eine Stunde später. 

    Bei der Freiwilligen Feuerwehr Lampertheim Mitte sprach Moritz Müller mit der Wehrführung. Im Bild mit Wehrführer Thorsten Gutschalk. Foto: Hannelore Nowacki


    Feuerwehr gut aufgestellt

    Katastrophen, Klima und Krisen beherrschen aktuell die Schlagzeilen und betreffen mit Starkregen, Sturm und Bränden auch die Lampertheimer Feuerwehr wie Moritz Müller aus erster Hand hörte. Wehrführer Thorsten Gutschalk informierte die Besucher über die Leistungen der Freiwilligen Feuerwehr. Dazu gehörten 2019 mehrere Flächen- und Waldbrände und Starkregeneinsätze. 2019 wurde die Feuerwehr Mitte zu 331 Einsätzen alarmiert, 2020 waren es 243 Einsätze. Brände waren vor zwei Jahren Jahr nur 78 Mal zu löschen, vor einem Jahr nur 39 Mal. Bei diesen Einsätzen konnten 5.852 Personen gerettet werden, für 9 Personen kam jede Hilfe zu spät. Allerdings seien 20 bis 30 Prozent aller Einsätze Fehlalarme. In diesem Jahr  rückte die Feuerwehr Mitte schon zu 218 Einsätzen aus. Das alles werde ehrenamtlich geleistet, nachts und tagsüber, jeden Tag, in der Qualität auf dem Niveau von  Berufsfeuerwehren, machte Stadtbrandinspektor Klaus Reiber deutlich. Die Besucher erfuhren auch, dass die Lampertheimer Feuerwehr technisch und personell mit 100 Aktiven gut aufgestellt sei. Mit 15 Frauen sei der Frauenanteil sei doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt. Aber die baulichen Rahmenbedingungen in der Florianstraße seien nach über 30 Jahren stark sanierungsbedürftig und zu klein geworden. Beim anschließenden Rundgang zeigte sich das Problem auch bei den zu kleinen Umkleiden. Als Dienstherr der Feuerwehren nahm Bürgermeister Gottfried Störmer zur teuren finanziellen Seite und den städtischen Haushalt Stellung, wenn beispielsweise das jetzt 23 Jahre alte Drehleiterfahrzeug nicht nach 25 Jahren, sondern erst nach 26 Jahren ausgetauscht werden könne. Das Starkregenthema werde zurzeit aufgearbeitet, teilte Bürgermeister Gottfried Störmer mit. Sirenenwarnung sei nicht zum Nulltarif zu haben, gegenwärtig prüfe die Verwaltung die Fördermöglichkeiten durch den Bund. Wie kann man vorbeugen? Das wollte Moritz Müller genauer wissen. Wehrführer Gutschalk erklärte, dass Lautsprecherdurchsagen zur Warnung der Bevölkerung mit Feuerwehrfahrzeugen auf der 72 Quadratkilometer großen Lampertheimer Gemarkung schon aus personellen Gründen kaum durchführbar seien. Für Wasser- und Chemienotfälle habe die Feuerwehr passende Löschmittel und Sonderfahrzeuge, bei Hochwasser könnten mit der Füllmaschine tausende Sandsäcke befüllt werden. Beim Weschnitzhochwasser 2013 seien 88.000 Stück im Hof befüllt worden. Über drei Tage seien bis zu 1.400 Kräfte aus Hessen hier gewesen. Der stellvertretende Wehrführer Sebastian Herweh erläuterte dem Bundestagskandidaten den Hallenneubau mit Gesamtkosten von 700.000 Euro, davon zahlte die Stadt 550.000 Euro, ein Drittel kam vom Land Hessen.  

    Grünen-Bundestagskandidat Moritz Müller und Grünen-Stadtverordnete informierten sich beim THW-Ortsbeauftragten Norbert Koenig und Stellvertreter Carsten Toppel vom THW-Ortsverband über die Arbeit im Katastrophenschutz. Foto: Hannelore Nowacki


    THW gut ausgestattet

    Beim THW wurden die Grünen und Bürgermeister Störmer schon vom Ortsbeauftragten Norbert Koenig und seinem Stellvertreter  Dr. Carsten Toppel erwartet. Beim THW hat der Bund das Sagen, es ist dem Innenministerium unterstellt, alles werde zentral organisiert, erfuhren die Besucher. Die Mitglieder des Ortsverbandes Lampertheim kommen aus Lampertheim, Bürstadt, Biblis und Groß-Rohrheim. „Wir sind der Bauhof des Bundes“, erklärte Koenig. Unzählige Werkzeuge und Utensilien waren allein auf einer Seite des großen blauen THW-Fahrzeugs untergebracht, das Koenig den Besuchern in der Halle zeigte. Mit der eigenen Ausrüstung sei die Gruppe Wasserschaden/Pumpen in der Lage bei Einsätzen mehrere Tage selbständig zu arbeiten wie kürzlich beim Einsatz an der Ahr, wo zuerst die Lampertheimer Gruppe mit den Pumpen gebraucht wurde, später die Gruppe Brückenbauer. Fast alle THW-Aktiven seien Ehrenamtliche, betonte Koenig, was eher Verpflichtung als Freizeit bedeute, wie auch bei den Einsätzen an der Ahr. Keine Frage, es mache Spaß. Arbeitgeber müssten die Ehrenamtlichen freistellen, was bei Großbetrieben kein Problem sei. Beim Einsatz an der Ahr habe sich gezeigt, wie abhängig die Helfer von der Kommunikationstechnik seien. Toppel berichtete von Tälern, wo die Telefone und der Digitalfunk nicht funktionierten, das THW habe sich die Wege suchen und sich durchschlagen müssen, kein Supermarkt mehr vorhanden, wo man hätte einkaufen können. Letztlich sei die Gruppe in einem Fitness-Studio gut untergebracht gewesen, mit Steckdosen und Duschen versorgt. Die Fachgruppen hätten ihre Einsatzaufträge abgearbeitet. Nicht ganz glücklich waren die THW-Leute mit den Scharen von privaten Helfern, die überall mit ihren Autos unterwegs gewesen seien. Wie kann man vorbeugen und sich gegen Extremwetter wappnen, wollte Bundestagskandidat Moritz Müller wissen. Soll man in alten Flussbetten bauen wie hier im Ried? Der Katastrophenschutz versuche zu lernen, erklärte Koenig. Die Deiche hier im Ried seien gut, die Technik müsse jedoch gewartet werden. Im engen Ahrtal mit naher Bebauung am Fluss sei das Wasser von allen Seiten gekommen, auch wegen der Bodenverdichtung durch die Forstwirtschaft und des dichten Vulkangesteins, meinte Koenig. Das THW Lampertheim sei beispiellos gut ausgestattet, hörten die Besucher. Die Bürokratie sei früher jedoch einfacher gewesen. Auch beim THW klemmt es räumlich. Den über zehn aktiven Damen stehen nur 9 Quadratmeter für WC und Umkleide zur Verfügung. Abschließend meinte der Grünen-Bundestagskandidat Müller: „Der Katastrophenschutz muss in die Mitte der Debatte gerückt werden“.   Hannelore Nowacki

     

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