Mo., 12. Oktober 2015, 16:41 Uhr
Kinderkirchenmorgen in Bürstadt feierte generationenübergreifend
Wie war es denn damals?
BÜRSTADT – Am Samstag wurde in der evangelischen Kirchengemeinde Bürstadt der monatliche Kinderkirchenmorgen (KiKiMo) gefeiert. Doch dieser KiKiMo war anders als sonst, denn die Kinder waren nicht unter sich, sondern es waren auch erwachsene Gäste eingeladen:
Fünf Frauen aus dem Frauen- und Seniorenkreis hatten sich bereit erklärt, den über dreißig Kindern von der „alten Zeit“ zu erzählen. Auch einige Elternteile hatten die Einladung angekommen, bei diesem KiKiMo selbst einmal dabei zu sein.
Begrüßt wurden die Kinder in der Kirche mit alten Kinderliedern und -versen. Der gemeinsame Vormittag begann mit einer Morgenandacht, gehalten von Pfarrer Rainer Heymach. Thema des Gottesdienstes war „Ein Buch ohne Worte“. Hierbei handelte es sich um ein Ringbuch mit Einlageblättern in verschiedenen Farben, jedoch ohne Schrift oder Bilder. Die Kinder durften die leeren Seiten in Gedanken mit Inhalten füllen. Was steht für euch für die Farben gelb, orange, grün, schwarz, weiß usw.? Welche Verbindung gibt es von den Farben zu Gott oder auch zu Gefühlen und Erlebtem? Nach dem Segen ging es über zum Thementeil „Wie war es denn damals?“
Um alles anschaulich zu gestalten, hatten die Seniorinnen und das KiKiMo-Team einige Bilder und Gegenstände des täglichen Lebens zusammengetragen. Da wurden ein Dreschflegel, ein Waschbrett mit Zubehör, eine Milchkanne, eine Küchenwaage, ein Regulator, Kaffeemühlen, alte Familienbilder, verschiedene alte Bügeleiesen (zum Befüllen mit Kohle, für die Herdplatte oder für ein Stromkabel), ein marmornes Schreibtischset, ein Teekessel, eine Saftpresse, eine „flotte Lotte“, ein Pommesschneider und ein emaillierter Kinderteller gezeigt. Die Kinder erfuhren, zu welchem Zweck und wie man die Dinge früher benutzt hat. Und sie durften die Dinge zum Teil auch ausprobieren.
Auf alten Fotos, die eine Seniorin im Gepäck hatte, konnten die Kinder sehen, wie die Kirche in ihrer Anfangszeit ausgesehen hat. Außerdem gab es Fotos vom feierlichen Festumzug zu betrachten, in dem seinerzeit die in Heidelberg gegossenen Glocken durch die Stadt zur Kirche transportiert und im Glockenturm aufgehängt wurden. Die Kinder erfuhren, dass die Kirche der noch kleinen Diasporagemeinde früher etwas anders aussah als heute, es auch noch keine Nebengebäude wie Büros, Gemeindesaal oder Küche gab.
Kindergottesdienst und Konfirmandenunterricht gab es auch damals schon, allerdings anders als heute. Kindergottesdienst war immer sonntags und man hörte hauptsächlich biblische Geschichten; Kinderkirchenmorgen mit Rahmenprogramm wie heute gab es nicht. Im zweijährigen Konfirmandenunterricht wurde viel auswendig gelernt, am Ende gab es eine Prüfung vor der Gemeinde und schließlich die Konfirmation, zu der man ganz schwarz angezogen ging.
Auch von der Schule wurde erzählt, von alten Schulbüchern, vom Schreiben mit dem Griffel auf einer Tafel, vom Religionsunterricht. Die Kinder und Erwachsenen konnten versuchen, die Seite einer Schulfibel in Sütterlinschrift zu lesen, die heutzutage nicht mehr viele Menschen schreiben, aber doch noch einige lesen können. Manche Kinder kannten es, viele auch nicht: Das gute alte Grammophon, den Vorvorvorläufer des heutigen MP3-Players.
Zwischendurch wurde mit Murmeln gespielt und ein Spiel, das Kinder vor vielen Jahren gespielt haben, aber auch heute noch: „Fischer, Fischer, wie tief ist das Wasser“ schallte es aus vielen Kehlen durch den Innenhof der Kirche.
Zur Stärkung gab es zwischendurch immer wieder leckere Dinge zu essen, wie man sie früher kannte und zum Teil auch heute noch isst: Zuerst ließen sich Kinder und Erwachsene Brote mit hausgemachter Latwerge, Zuckerrübensirup, Griebenschmalz und Butter mit Zucker schmecken. In der zweiten Essenspause wurden Zuckerkuchen und Kartoffelkuchen gereicht. Zum Abschluss gab es als kleines Mittagessen Karotten-Kartoffel-Stampes mit Haschee und eine süße Brotsuppe, als Dessert selbstgekochtes Apfelmus und Pudding mit Kirschgrütze.
So war es ein generationenübergreifender Vormittag für alle Sinne mit viel Spaß und Vorfreude auf weitere gemeinsame Aktivitäten.
Der nächste Kinderkirchenmorgen findet am Samstag, 14. November, von 9.30 bis 12 Uhr statt. zg