KULTURWURZELN: Dr. Michael Werner begeistert mit Texten und Liedern / Vorstellung seines Buches „Hiwwe wie Driwwe“
„Willkom! Wie bischt?“
Dr. Michael Werner unterhielt das Publikum mit Liedern in dem kurpfälzisch verwurzelten Dialekt, der in Pennsylvania, fernab hiesiger Gesellschaftsumbrüche, über 300 Jahre erhalten blieb. Foto: Nadine Schütz
LAMPERTHEIM – Auf eine Reise in die kurpfälzische Vergangenheit begaben sich am Freitagabend der vergangenen Woche 50 interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer in der Stadtbücherei, zusammen mit Dr. Michael Werner. Kein staubtrockenes Geschichtsstudium war hier angesagt, vielmehr wurde hier gelebte Kultur präsentiert. Nachdem im Jahre 2019 bereits die Weltpremiere der Kinodokumentation „Hiwwe wie driwwe“ überaus erfolgreich gefeiert wurde, erschien in diesem Jahr das gleichnamige Buch von Dr. Werner mit dem Untertitel „Der Pennsylvania ReiseVERführer“, in dem die Sitten und Bräuche der rund 400.000 „Pennsylvanisch-Deitschen“ beleuchtet werden, die deren Vorfahren zu Beginn des 18. Jahrhunderts als Auswanderer aus der Kurpfalz mit nach Amerika nahmen. Durchaus interessant, also, für alle, die sich hier, in der alten Heimat, auf die Suche nach vergessenen Bräuchen und Hintergründen verblasster Geschichten machen möchten.
Werner erzählte zum Beispiel auf sympathische und amüsante Weise davon, wie die „Grundsau“ Karriere machte: In Ermangelung der Dachse auf amerikanischem Boden, ernannte man kurzerhand das Murmeltier – die Grundsau – zum Wetterpropheten. „Sehnt sie ihrn Schadde, bleibt der Winder noch sex Woche. Sehnt sie ihrn Schadde net, kummt’s Friehyaahr ball.“ So lautet die Bauernregel, wenn das Murmeltier seinen Bau verlässt. Auch der Aberglaube im Alltag ist allgegenwärtig. Begegnet eine Braut auf dem Weg zur Kirche einer schwarzen Katze, könne sie sich ihren Weg sparen, da kein Segen auf der Verbindung liege. Zwischen seinen rednerischen Beiträgen griff Werner zur Gitarre und gab Lieder auf „pennsylvanisch-deitsch“ zum Besten – für Kenner des hiesigen Dialekts inhaltlich recht gut zu erfassen.
Die Initiative zu dieser kurzweiligen und aufschlussreichen Veranstaltung gab Herbert Friedrich Tiefel, der ebenso wie der Autor über die Kontakte ins „Pennsylvanisch-Deitsch Land“ verfügt. Einladen möchte er als Moderator des Abends schon jetzt zum „Grundsaudaag“, der für Anfang des kommenden Februars im Schwanensaal geplant ist. Nadine Schütz