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  • Fr., 25. November 2016, 13:37 Uhr
    Bürstadt, Biblis und Lampertheim setzen sich gegen Gewalt an Frauen ein / Selbstverteidigungskurs im Januar in Lampertheim

    „Wir benötigen Schutzräume für alle gewaltbetroffenen Frauen!“

    Lampertheim zeigt deutlich Flagge gegen Gewalt an Frauen. Foto: Benjamin Kloos


    LAMPERTHEIM – Der 25. November ist der internationale Tag gegen Gewalt an Frauen – seit Freitag weht daher in Lampertheim vor dem Stadthaus sowie in Bürstadt und in Biblis vor den Rathäusern die Fahne mit der Forderung „NEIN zu Gewalt an Frauen und Mädchen“.

    Die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Lampertheim, Sonja Niederhöfer, war „glücklich, dass so viel Menschen gekommen sind, um auf dieses wichtige Thema aufmerksam zu machen.“ Dabei geht der seit 1999 alljährlich am 25. November begangene internationale Tag gegen Gewalt an Frauen bis ins Jahr 1960 zurück. „Damals wurden drei Schwestern nach tagelanger Folter in der Dominikanischen Republik getötet, weil sie politischen Widerstand gegen die Diktatur geleistet haben“, erinnerte Sonja Niederhöfer. 2001 wurde die Fahnenaktion ins Leben gerufen, an der sich Lampertheim seit zwölf Jahren beteiligt.

    In diesem Jahr, in dem eine Brötchentütenaktion zusätzlich für Aufmerksamkeit sorgte, lautet das Schwerpunktthema „Tür auf! Schutzräume für alle gewaltbetroffenen Frauen!“, verbunden mit der Forderung nach ausreichenden und kostenfreien Frauenhausplätzen für alle Frauen, die vor Gewalt Schutz suchen. Denn „in Europa hat jede dritte Frau bereits physische oder sexualisierte Gewalt erlebt – auch in Deutschland. Diese Gewalt findet im eigenen Zuhause statt, wo frau sich eigentlich sicher und geborgen fühlen sollte. Die Täter sind der eigene Partner, Vater oder Stiefvater, ein Onkel oder ein guter Bekannter“, mahnte Sonja Niederhöfer in einer emotionalen Rede an und verwies auf die viel zu geringen Plätze in Frauenhäusern. „Das Frauenhaus Bergstraße, das zum Überleben auf Spenden angewiesen ist, konnte im Jahr 2015 nur 33 Prozent der anfragenden Frauen und Kinder aufnehmen. Das bedeutet, dass 67 Prozent der Schutz vor Gewalt suchenden Familien und Frauen ohne Kinder abgewiesen werden mussten! In Zahlen heißt dass, das 91 Frauen und 96 Kinder abgewiesen wurden. In Notsituationen wird jedoch immer ein Platz bzw. ein Bett in einem Gemeinschaftsraum zur Verfügung gestellt, zum Beispiel wenn die Polizei nach einem Einsatz bei häuslicher Gewalt eine Frau und Kinder zu ihrer Sicherheit im Frauenhaus unterbringt.“ 

    Auch in Biblis wurde am Aktionstag die Fahne gegen Gewalt gehisst. Foto: oh


    Gewalt in einer Beziehung ist kein einmaliges Erlebnis, dies belegen Statistiken. In Lampertheim liegt die Zahl der Opfer von häuslicher Gewalt für 2016 bereits bei 25. „Jedes einzelne Opfer ist eines zu viel“, betonte Sonja Niederhöfer. „Wobei die Dunkelziffer hier mit Sicherheit wesentlich höher ist.“

    Doch nicht nur in den eigenen vier Wänden, auch auf der Straße, auf Parkplätzen oder dem Weg nach Hause gibt es Übergriffe – wichtig ist es daher zu wissen, wie man sich in einem solchen Fall verhält. „In diesem Jahr können wir zusammen mit dem Taekwondo-Verein Black Tigers ein Schnuppertraining für Frauen anbieten. Dieses findet freitags am 20. und 27. Januar 2017 jeweils von 18.30 bis 20 Uhr in der Altrheinhalle statt und vermittelt einen Einblick in die Selbstverteidigung. Dieses Schnuppertraining ist kostenlos, aber für die Planung ist eine Anmeldung unter 06206/935301 oder per E-Mail unter s.niederhoefer@lampertheim.de nötig.

    Neben Sonja Niederhöfer zeigte sich auch Bürgermeister Gottfried Störmer angesichts der großen Resonanz begeistert – gerade auch mit Blick auf die anwesenden Männer. „Dieses Thema geht nicht nur Frauen, sondern auch gerade die Männer an, da diese in der Mehrheit der Fälle Täter sind. Es ist schlimm, dass wir Frauenhäuser brauchen, aber gut, dass wir sie haben! Möglicherweise können wir auch in Lampertheim bald eine Beratungsstelle anbieten. Ich habe die große Hoffnung, dass dies dazu beiträgt, dass es weniger Taten gibt.“ Neben Lampertheim wurde die Flagge auch in Bürstadt, Biblis sowie allen anderen Gemeinden des Kreis Bergstraße gehisst, um ein sichtbares Zeichen zu setzen. Benjamin Kloos

     

     
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