FRONLEICHNAM: Hunderte Gläubige feierten Festgottesdienst in der St.-Andreas-Kirche mit Prozession zum Wegkreuz – keine Straßensperrung
„Wir feiern heute, dass du mit uns unterwegs bist“
Nach dem Festgottesdienst in der St.-Andreas-Kirche führte die Prozession um den Brunnen auf dem Europaplatz zum Wegkreuz an der Römerstraße. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – In der St.-Andreas-Kirche wurde es am Donnerstagmorgen zum Festgottesdienst voll, kein Platz mehr in den Bänken, auch die Stehplätze waren gefragt. Eigentlich hätte der Fronleichnamsgottesdienst auf der Domwiese gefeiert werden sollen. Doch die Wetterfrösche hatten sich nicht rechtzeitig entscheiden können, ob regenfrei oder nicht, auch das Wetterradar, das Pfarrer Christian Rauch am Vorabend im Blick hatte, gab kein eindeutiges Signal. Das schöne warme Wetter mit Sonnenschein kam immerhin der Prozession zugute, die nach dem Gottesdienst zum Europaplatz um den Brunnen herum zum großen Wegkreuz an der Römerstraße führte. Hier war der Blütenteppich früh von fleißigen Helfern gelegt worden. Den Altar hatte Küster Berthold Eisenbraun geschmückt. Dem langen Prozessionszug voran gingen die Ministranten mit den Fahnen, die Katholische Kirchenmusik mit Dirigent Markus Niebler. An der Seite von Pfarrer Rauch hielt Gemeindereferentin Birgit Bongiorno die golden funkelnde Monstranz mit der großen Hostie hoch. Mit dem Segen und dem Lied „Großer Gott, wir loben dich“ endete der liturgische Teil des Hochfestes am Wegkreuz. Anschließend waren alle eingeladen zum Bazar im Pfarrgarten, um bei diesem Familienfest mit Speis und Trank zu verweilen, begleitet vom Platzkonzert der Katholischen Kirchenmusik.
Ruhe, Ausrichtung und Orientierung
Gemeinsam mit Gemeindereferentin Bongiorno hatte Pfarrer Rauch den Festgottesdienst zelebriert. Eine überraschende Szenerie empfing die Gottesdienstbesucher, ein spannender Beginn folgte. Der Altar war zum Schreibtisch umfunktioniert, der Pfarrer hinter Stapeln von Ordnern mit Arbeit ohne Ende eingedeckt, Excel-Tabellen und Formulare waren zu bewältigen – eine symbolträchtige, lebensnahe Darstellung für den täglichen Wahnsinn mit Humor vorgetragen. Auch im Gespräch des Pfarrers mit willigen Gottesdienstbesuchern kam heraus, dass es den Menschen häufig an Ruhe fehlt. Diese Ruhe schenke Gott, ebenso Ausrichtung und Orientierung, ließ Rauch wissen. „Wir feiern heute, dass du mit uns unterwegs bist“. Schnell ging es dann ans Feiern von Fronleichnam, das Büro verschwand, der Altar erhielt seinen Schmuck mit weißer Decke, Kerzen und Blumen davor. Die Kirchenmusik auf der Empore begleitete den Gottesdienst. Für ihre Fürbitten wurden die Kommunionskinder mit Applaus belohnt. Um den Raum für die Gemeinschaft, auch um den Pastoralraum ging es nach der Predigt zum biblischen Thema Exodus.
„Dieser Tag heute ist etwas Besonderes“, betonte Gemeindereferentin Bongiorno. Raum braucht auch eine Prozession. Pfarrer Rauch erklärte der Gemeinde, dass für die Prozession und Andacht vor dem Wegkreuz keine Straßensperrung da sein werde, weil das Ordnungsamt an diesem Tag nicht arbeite. Zu dieser Haltung der Stadt Lampertheim meinte er, es werde nicht daran gedacht, dass dieser Feiertag da sei um zusammenzukommen. Bei der Andacht am Wegkreuz drängten sich die Gläubigen auf dem Gehweg, während der Autoverkehr dicht an ihnen vorbeirollte.