Do., 10. Dezember 2015, 10:44 Uhr
Biblis auf dem Weg zum Jugendrat – fünf Jugendliche begeistert von der Idee eines Jugendparlaments
„Wir sind die Partei der Jugend“

Aufmerksam verfolgten die fünf interessierten Jugendlichen die Diskussion in der großen Runde, aus der sie als Jugendarbeitsgruppe hervorgingen: Serena Kipfstuhl, Leonie Kipfstuhl, Melanie Nitsch, Pierre-Olivier Denise und Sebastian Snaschel (vorne). Foto: Hannelore Nowacki
BIBLIS – Alles ging schließlich ganz schnell, nachdem das Thema Gründung eines Jugendrats ausführlich erörtert war. Überrascht waren alle Beteiligten von dieser positiven Entwicklung, besonders aber die fünf Jugendlichen selbst, die sofort bereit waren, der Ernennung zur Jugendarbeitsgruppe zuzustimmen: Serena Kipfstuhl, Leonie Kipfstuhl, Melanie Nitsch, Pierre-Olivier Denise und Sebastian Snaschel. Und schon nach dem Vorgespräch im großen Rahmen trafen sie sich zu einer ersten Sitzung. Eigentlich war das Treffen am Montag als Vorgespräch gedacht, um sich einen Überblick zu verschaffen, was bei der Bildung eines Jugendrates zu bedenken ist. Bürgermeister Felix Kusicka hatte zu diesem Vorgespräch neben den Gemeindevertretern aus allen Fraktionen und Vertretern von Vereinen auch den Bürstädter Stadtjugendpfleger Jan Ott als Sachverständigen in den großen Rathaussaal eingeladen. Vereinsvertreter waren von der TG Biblis, BiNoWa, Jugendcafé, Schulkindbetreuung und vom Schulförderverein gekommen. Erfahrung mit dem Jugendbeirat in Bürstadt gibt es schon seit 1999. Auch in Lampertheim sind Jugendliche im Jugendbeirat engagiert. Der Unterschied, von dem Ott berichtete, liegt im Zustandekommen – in Bürstadt gehen Jugendliche zur Wahl, in Lampertheim hatte die Stadtverordnetenversammlung den Jugendbeirat als politische Vertretung der Jugend im Juli 2014 ernannt – zwei Wege, die Erfolg versprechen. Beispielhaft nannte Ott die Mitwirkungsmöglichkeiten des überparteilichen Jugendbeirats in Bürstadt bei der Gestaltung der Freizeitanlage mit Prioritätenliste und Kostenvoranschlag, den sie dem Ausschuss vorlegten. Auch den „Dirtpark“ für sportliche Aktivitäten hatten sie mitgeplant. Hauptamtsleiter Manfred Wohlgemuth erinnerte an frühere Versuche in Bibis, einen Jugendrat ins Leben zu rufen, die bei den Jugendlichen jedoch kaum Resonanz zeigten. Allerdings ist nun Begeisterung mit der Idee verbunden, denn das Vorgespräch im Rathaus hat eine interessante Vorgeschichte. Zum ersten Mal hatten sechs Bibliser Jugendliche im August am Welt-Jugendcamp „Village d’Enfants Copains du Monde“ in der Partnergemeinde Gravelines teilgenommen – und dort die Wahl zu einem Jugendparlament miterlebt. Ihre Begeisterung war die Initialzündung zur Idee, auch in Biblis ein solches Forum der Jugend zu gründen. Bei Bürgermeister Felix Kusicka fanden sie ein offenes Ohr, wie sich schon bei einem Gespräch kaum zwei Wochen nach ihrer Rückkehr aus Frankreich im Rathaus zeigte. In der Diskussion am Montag wurde deutlich, dass es in Biblis auch durch den Wegfall der Hauptschule schwierig werden könnte, genügend Jugendliche für eine Wahl zum Jugendrat anzusprechen. Auch aus diesem Grund fiel die Entscheidung, zunächst eine Jugendarbeitsgruppe zu ernennen, die Bibliser Jugendliche im Alter zwischen 12 und 19 Jahren gezielt in Schulen der Region ansprechen kann und auch legitimiert wäre, an der Jugendkonferenz in Heppenheim im Herbst 2016 teilzunehmen. Weitere Erfahrungen können sie durch die Teilnahme an Gremien der Gemeinde Biblis sammeln und wären zu den Kommunalwahlen im nächsten März schon etabliert, wie Gemeindevertretervorsitzende Rita Schramm meinte. Bürgermeister Kusicka stellte in der Diskussion klar, dass nach der Hessischen Gemeindeordnung (HGO) Vorschrift sei, die Jugendlichen zu den sie betreffenden Themen zu hören und sie in den gesellschaftlichen Prozess einzubinden. Serena Kipfstuhl gab für die Arbeitsgruppe eine erste Stellungnahme ab, die für die Bibliser Jugend wegweisend ist: „Wir sind die Partei der Jugend“. Denn parteipolitische Bindungen sollen nach dem Willen der Jugendarbeitsgruppe bei ihrer Arbeit keine Rolle spielen. Ein gemütliches informatives Treffen der neuen Bibliser Jugendarbeitsgruppe mit dem Bürstädter Jugendbeirat soll im Januar oder Februar stattfinden, kündigte Bürgermeister Kusicka an. Hannelore Nowacki