Sa., 22.08.2026
Die Gratiszeitung für Lampertheim und das hessische Ried
  • Startseite
  • Sport
  • Termine
  • Stellenmarkt
  • Fr., 24. Januar 2020, 09:25 Uhr
    Gedenkausstellung „Das Leben des Alfred Delp“ zeigt persönliche Dokumente und Erinnerungsstücke des Jesuitenpaters

    „Wir sind seine Heimatgemeinde“

    farrer Christian Rauch, Björn Burwitz vom Pfarrgemeinderat und Stadtarchivar Hubert Simon stellten das Programm der Gedenkwoche vor. Foto: Petra Gahabka


    LAMPERTHEIM - „Der Ordensgeistliche Alfred Delp ist wegen Hoch- und Landesverrats vom Volksgerichtshof des Grossdeutschen Reiches zum Tode verurteilt worden. Das Urteil ist am 2. Februar 1945 vollstreckt worden. Die Veröffentlichung einer Todesanzeige ist unzulässig“, heißt es in dem Schreiben, das der Oberreichsanwalt an Maria Delp, die Mutter des Jesuiten, schickte. 

    Dieser Brief und viele andere interessante, teils sehr bewegende, Exponate sind vom 2. bis 9. Februar in einer Gedenkausstellung zu sehen, die in der Pater-Alfred- Delp-Kapelle neben der Kirche St. Andreas gezeigt wird. „Es gibt für uns keinen geeigneteren Ort, die Kapelle gibt einen Rahmen, der den Charakter des Mahnens hat“, sagt Pfarrer Christian Rauch beim Pressegespräch inmitten der werdenden Schau, die eine Veranstaltung des Stadtarchives und der Stadtverwaltung in Kooperation mit der Pfarrgemeinde St. Andreas ist. Am 2. Februar jährt sich der Todestag von Alfred Delp zum 75. Mal, und Lampertheim gedenkt seinem Ehrenbürger mit Gottesdiensten, Vorträgen, Lesungen und einem Dokumentarspiel. Delp, 1907 in Mannheim geboren, starb im Alter von 37 Jahren am Galgen der Hinrichtungsstätte Berlin-Plötzensee. Sein Engagement in der Widerstandsgruppe Kreisauer Kreis, sein Wirken als Jesuitenpater und seine christlich-soziale Weltanschauung genügten, um den Intellektuellen zum Opfer der NS-Justiz zu machen. Während der Haftzeit machte ihm die Gestapo das Angebot der „Freilassung gegen Ordensaustritt“, was von ihm aber ausgeschlagen wurde.

    Die Gedenkausstellung erinnert an sein Leben und Wirken. Fotos zeigen die Familie, seine Kindheit und Jugend in Lampertheim und Hüttenfeld, die Stationen bis zur Priesterweihe, seine Inhaftierung. „Wir sind seine Heimatgemeinde, hier ist er in seinen Glauben hineingewachsen“, so Pfarrer Rauch. In der Spargelstadt besuchte der Bub die evangelische Volksschule und ab 1922 das Gymnasium in Dieburg, nur fünf Wochen nach dem Abitur, trat der begabte junge Mann in den Jesuitenorden ein. Auf das Noviziat folgte das Studium der Philosophie am Berchmannskolleg bei München, im Anschluss wirkte er als Erzieher in den jesuitischen Internaten Feldkirch und St. Blasien. „Er war ein Vordenker, ein Revoluzzer, der auf die Jugendlichen einging“, deutet Rauch auf ein Bild, das Delp beim Sportunterricht zeigt, „er hatte andere Ansichten als der Orden“. 1934 nahm er in den Niederlande das Theologiestudium auf und wurde am 24. Juni 1937 in München zum Priester geweiht. Seine erste Heilige Messe feierte er zehn Tage später in seiner Heimatgemeinde St. Andreas. 

    Noch hängen das „Zeugnis der Reife“ und die eingangs erwähnte Mitteilung der Vollstreckung als Kopie an den Stellwänden, doch bald schon werden sie gegen wertvolle Originale getauscht. Die persönlichen Dokumente und Erinnerungsstücke konnte Pfarrer Rauch vom Provinzarchiv der Jesuiten in München ausleihen, darunter Delps Rosenkranz, den er bis zu seiner Hinrichtung mit sich führte, das kleine Altardeckchen, auf dem er im Gefängnis täglich heimlich die Messe zelebrierte, das Gnadengesuch der Mutter an den Volksgerichtshof, der von seiner Heimatgemeinde gestiftete Primizkelch, der bis heute bei den Gottesdiensten der Münchner Pfarrei St. Michael im Einsatz ist. Exponate, die diese Veranstaltung zu etwas ganz Besonderem machen. „Wir wollen sein Andenken aufleben lassen und hoffen, dass viele Besucher kommen und sich berühren lassen“, so der Geistliche, die Gedenkwoche habe er sich freigehalten.    

    Dank der Delp-Ausstellungen in der hiesigen Stadtbücherei 1995 und 2005 sowie in Mainz 2006, anlässlich des 70. Geburtstags von Bischof Kardinal Lehmann, musste Stadtarchivar Hubert Simon, der gut in die Vita Delps eingearbeitet ist, nicht bei null anfangen. Zu dem bestehenden Grundgerüst sei viel Neues hinzugekommen, lässt er wissen, die gesammelten Eindrücke könnten zudem über eine mediale Präsentation vertieft werden. Auf den aktuellen Stand gebracht hat sie Björn Burwitz, der als Mitglied des Pfarrgemeinderats gleich noch auf das Dokumentarspiel „Der Prozess des Alfred Delp“ am Abend des 1. Februar im Schwanen-Saal hinweist. Das von Pater Peter Leutenstorfer geschriebene Stück thematisiertden Gerichtsprozess und die letzten Tage des Widerstandskämpfers. Mitte der 60er Jahre unter der Regie von Heiner Weppelmann in Lampertheim uraufgeführt, bringen es nun Gemeindemitglieder erneut auf die Bühne. Petra Gahabka

    Die Gedenkwoche im Überblick

    Die Ausstellung in der Pater-Alfred-Delp-Kapelle ist vom 2. bis 9. Februar täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

    1. Februar: Dokumentarspiel „Der Prozess des Alfred Delp“, Schwanensaal.

    2. Februar: Ökumenischer Gedenkgottesdienst in der Kirche St. Andreas, 10 Uhr. 

    Im Anschluss findet eine Feierstunde im Sitzungssaal des Stadthauses statt. 

    Um 12.15 Uhr Kranzniederlegung am Elternhaus Alfred Delps. 

    Danach findet eine Feier der Bürgerstiftung auf dem Alfred-Delp-Platz statt. 

    Gegen 13 Uhr läuten alle Kirchenglocken von Lampertheim zu einem 15-minütigen Friedensgeläute.

    5. Februar: Lesung aus den „Kassibern“ von Alfred Delp, Andreaskirche, 19.30 Uhr.

    6. Februar: vhs-Vortrag „Zum Gedenken an den Lampertheimer Pater Alfred Delp“, Altes Rathaus, 19.30 Uhr.

    9. Februar: Pontifikalamt mit dem Bischof von Mainz, Dr. Peter Kohlgraf, 10 Uhr.

     

    Beitrag aus der Rubrik

    » Lampertheim und Stadtteile
    » Lokal
    Anzeige Online StellenmarktAnzeige dkge 1x1Anzeige dkge 2x2
    Anzeige NK Worms und RheinhessenAnzeige TicketshopAnzeige 3 Anzeige - 1