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  • Mi., 04. November 2020, 08:48 Uhr
    Protest gegen Castor-Transport mit Mahnwache und Demo durch Biblis

    „Wir stehen hier, weil wir uns Sorgen machen“

    Die Demonstranten zogen vom Rübgarten über die Brücke in die Kirchstraße zur Kundgebung und zurück zur Mahnwache. Foto: Hannelore Nowacki


    BIBLIS – Castor-Stoppen, ein Bündnis der Anti-Atom-Initiativen in Deutschland, hat zum Protest gegen die Castorentransporte in das Zwischenlager im Atomkraftwerk Biblis aufgerufen. Am Montag hatten die Aktivisten begonnen, Am Rübgarten mit Blick auf den Bahnhof Zeltpavillons und Bänke für die Mahnwache aufzustellen und mit Zeichen ihres Protestes ausgestattet. Plakate und Banner, Fahnen gegen Atomkraft und gelbe Tonnen dem Gefahrzeichen für Radioaktivität markierten das Areal. Durchhalten wollten die Teilnehmer bis Mittwoch, wenn die sechs Castoren mit der Bahn durch Biblis rollen, um im Zwischenlager auf dem Gelände des stillgelegten Atomkraftwerks bis 2040 untergebracht zu werden. Die Demonstration am Dienstagnachmittag durch Biblis mit Kundgebung nahe der St.-Bartholomäus-Kirche sei sehr kurzfristig zustande gekommen, nachdem der Zeitpunkt für den Castor-Transport aus Nordenham erst am Dienstag bekannt wurde, erklärte der Pressesprecher des Castor-Stoppen-Bündnisses Herbert Würth im Gespräch mit dem TIP. Mit Bündnismitgliedern in Nordenham bestehe ständig Kontakt, so dass man in Biblis über den Transportverlauf  informiert sei. Aus nah und fern seien Teilnehmer zur Mahnwache und Demo angereist. Würth ging jedoch aus zwei Gründen von weniger Teilnehmern aus als in früheren Zeiten – wegen Corona seien wohl viele zuhause geblieben und viele Leute arbeiten am Nachmittag noch. Der Demonstrationszug formierte sich hinter einem Polizeiauto, flankiert von reichlich Polizei, die Bühne fuhr auf dem LKW mit. Weiße Overalls sollten für Aufmerksamkeit sorgen. Überall in Biblis und im Bahnhofsumfeld waren Polizeikräfte in großer Zahl zu sehen. Den schätzungsweise etwa hundert Demoteilnehmern war die Polizei augenscheinlich weit überlegen. Im Feierabendverkehr kam es zu kleineren Verkehrsstaus. Flugblattverteiler  versorgten Zuschauer am Wegrand mit schriftlicher Information. Zu hören waren Parolen, beispielsweise „Solidarität und Widerstand – stoppt den Castor in jedem Land“ oder „die nächste Generation bezahlt – denn der Castor strahlt und strahlt“. Die Parolenzettel wurden zu Beginn ausgeteilt. Würth freute sich, dass Bibliser Bürger die Mahnwache mit Feuerholz und Wasserkanistern versorgt hatten, aus Erfahrung wisse er jedoch, dass die Unterstützung in Orten mit Atomkraftwerk nicht so groß sei, weil viele sich mit der Arbeit verbunden fühlten. In den Castoren sieht Würth eine strahlende Gefahr mit hohem Gesundheitsrisiko. In den zurzeit mit der Bahn anrollenden Castoren befänden sich keine verbrauchten Brennstäbe, sondern ebenfalls hoch strahlende Glaskokinellen. Das radioaktive Material werde dafür in Glas verschmolzen. Durch die Hitzeentwicklung könne es zur Korrision der Castorbehalter kommen. Die Redner sind sicher, dass aus dem Zwischenlager in Biblis, genehmigt bis 2040, eine Dauerlagerstätte für Castoren bis 2080 oder sogar 2100 werde. Als unnötiges Verschieben von A nach B kritisierte Würth diese Transporte, der Atommüll solle in Sellafield und La Hague bleiben. Es sei eine politische Entscheidung gewesen, die strahlenden Abfälle nach Deutschland zu holen, keine Notwendigkeit. In seiner Rede bei der Kundgebung kritisierte er das fehlende Konzept der Politik für eine Endlagerung. Eine echte Energiewende sei nötig, die „Ausbremsgesetze“ müssten weg. Erster Redner war Franz Wagner, der vom erfolgreichen Widerstand der Bevölkerung gegen ein Zwischenlager in Brunsbüttel berichtete. Michael Wilk, der sich den Kundgebungsteilnehmern als Notarzt und Notfallmediziner vorstellte und viel Applaus erhielt, sagte: „Wir stehen hier, weil wir uns Sorgen machen, was uns und unseren Mitmenschen passieren könnte“. Denn der Atommüll strahle über tausende von Jahren, viel länger als die zurückliegende Kulturzeit der Menschheit. Die Atompolitik der Grünen, insbesondere des früheren Umweltministers Trittin, kritisierte er als Verquickung von politischem Machtstreben, dagegen sei man gut beraten parteiunabhängig sich selbst zu vertrauen. Auch die Forderung nach dem Kohleausstieg bis 2030 belohnten die Zuschauer mit großem Applaus. Hannelore Nowacki

    Info

    Um 8.00 Uhr hat der Atommülltransport am Mittwoch den Bahnhof im hessischen Biblis erreicht. Auf dem Stichgleis zum Atomkraftwerk befinden sich noch Aktivist*innen und halten es besetzt. Eine Protestdemo hatte sich dorthin auf den Weg gemacht, wurde aber von der Polizei gestoppt.

     

     

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