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  • Fr., 05. Oktober 2018, 09:08 Uhr
    Gut besuchter Vortrag bei der DEFI-Selbsthilfegruppe über Rabattverträge und mehr

    „Wirken die grünen Pillen so wie die roten?“ 

    Die beiden Gruppensprecherinnen Monika Arras (von links) und Constanze Rozek bedankten sich bei Karin Heinrichs für den interessanten Vortrag. Foto: Hannelore Nowacki


    HEPPENHEIM – Ein spannender Vortrag von Karin Heinrichs über Rabattverträge der gesetzlichen Krankenkassen mit den Pharma-Herstellern, fundierte Hinweise zum wirksamen Einnehmen von Arzneimitteln im Sinne der Bioverfügbarkeit und viele weitere Informationen waren am Dienstagabend bei der DEFI-Selbsthilfegruppe „Die mit Herz“ den Besuchern und Gruppenmitgliedern im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung geboten. Wie die Teilnehmerresonanz zeigte, ging es um Themen von großer Aktualität. „Heute sind wir sehr viele“, begrüßte Gruppensprecherin Monika Arras hocherfreut die Tischrunde im voll besetzten Schulungsraum, unter den Zuhörern auch Vertreter der Selbsthilfegruppen Atemwegserkrankungen und Schlafapnoe aus dem Kreis Bergstraße sowie interessierte Bürger von der Bergstraße und aus dem Ried. Beim Thema „Wirken die grünen Pillen so wie die roten?“ ging die Referentin der Frage nach, ob Patienten mit Generika, den preislich günstigeren Nachahmer-Arzneimitteln nach Ablauf der Patenfrist der Originale, gedient ist. Dieses Themengebiet rund um die Pillen und Tabletten kennt aus eigener Erfahrung, wer chronisch krank ist oder auch an mehreren Krankheiten gleichzeitig leidet, das wurde bei den Fragen und Diskussionsbeiträgen des interessierten Publikums deutlich. Der Arzt verschreibt das gewohnte Arzneimittel, aber in der Apotheke gibt es eine unliebsame Überraschung. Der Festbetrag ist überschritten und man bezahlt deshalb zusätzlich zur üblichen Rezeptgebühr einen Zusatzbetrag oder auf dem Tresen liegen Tabletten mit dem gleichen Wirkstoff, aber von einem anderen Hersteller. Dabei ist die Apotheke an der Sache ganz unschuldig, die Apotheker müssen ausführen, was der Gesetzgeber seit der Gesundheitsreform 2007 verlangt, erklärte die Referentin, die nach eigenen Angaben als pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA) langjährige Berufserfahrung in öffentlichen Apotheken hat. Obwohl schon über zehn Jahre her, hätten sich die Patienten und Kunden keineswegs an diese Herstellerwechsel gewöhnt, die Verunsicherung sei nach wie vor aktuell, berichtete Heinrichs. Das Ganze erscheint reichlich kompliziert, eine Problematik, die auch die DEFI-Selbsthilfegruppe Heppenheim „Die mit Herz“ beschäftigt und daher zu dieser Veranstaltung eingeladen hatte. Die Referentin informierte über das System mit 112 gesetzlichen Krankenkassen im Jahr 2017, die jährlich insgesamt etwa 217 Milliarden Euro ausgeben, 37,7 Milliarden Euro oder 17,3 Prozent entfallen auf Arzneimittel. An einem Rechenbeispiel zeigte sie, wie sich der Arzneimittelverkaufspreis errechnet, eine Preisbildung mit Beteiligung von Herstellern, Pharma-Großhandel, Apotheken plus 19 Prozent Mehrwertsteuer. Letzten Endes müsse die Apotheke dem Kunden ein rabattiertes Arzneimittel geben – von den 16.500 rabattierten Arzenimitteln seien 99 Prozent Nachahmerpräparate. Jede Krankenkasse schreibe für die Rabattverträge ihren Arzneimittelbedarf aus - der günstigste Anbieter erhalte den Zuschlag für zwei Jahre. Heinrichs erläuterte die Bedeutung der Hilfsstoffe in Arzneimitteln, die beeinflussen, wie schnell der Wirkstoff freigesetzt wird, in welcher Konzentration und Verteilung im Körper. Diese Bioverfügbarkeit sei das wichtigste Vergleichskriterium. Bei dieser Bioäquivalenz seien jedoch Toleranzgrenzen zugelassen, mit Abweichungen von 20 Prozent nach unten und 25 Prozent nach oben. Andererseits gebe es 15 Wirkstoffe, mit „enger therapeutischer Breite“, die nicht austauschbar seien, darunter seit 2014 Digitalis-Herzmittel,  seit 2016 unter anderem der Blutverdünner Phenprocoumon in Marcumar und  Schilddrüsenhormone. „Die Bioverfügbarkeit, das ist die Krux“, zog Heinrichs Bilanz. Praktische Hinweise gab sie zum Einnehmen verschiedener Medikamente – Wechselwirkungen mit Nahrungsmitteln, der Zeitpunkt und die zeitlichen Abstände seien zu beachten. „Für Sie mit Herz“ sei wichtig zu wissen, dass Lakritz und Hustenarzneitees mit Süßholzwurzel gemieden werden sollten. „Immer den Beipackzettel lesen“, lautet ihre Empfehlung. Die DEFI-Selbsthilfegruppe „Die mit Herz“ trifft sich regelmäßig jeden 1. Dienstag im Monat um 18 Uhr im Schulungsraum Nr. 4 im Kreiskrankenhaus Heppenheim (Nähe Haupteingang). Im Gespräch mit dem TIP erzählte Gruppensprecherin Monika Arras, dass es die Selbsthilfegruppe für Menschen mit einem implantierten Defibrillator seit einem Jahr gibt, auch dank der Unterstützung durch Edmond Heinrichs vom Landesverband Hessen. Hannelore Nowacki

     

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