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  • Mo., 28. September 2020, 08:11 Uhr
    IG „Wir stehen unter Strom für Lampertheim“ hatte zum Vor-Ort-Termin eingeladen / Zwei FDP-Bundestagsabgeordnete zu Besuch

    „Wissen und Aktivitäten bündeln”

    Beim Rundgang wurde deutlich, wie nahe und monströs die bestehenden Strommasten in unmittelbarer Nähe der Wohnbebauung in Rosenstock III aufragen. Bei einem Ersatzneubau auf dieser Trasse wären die Masten noch höher und spannungsreicher. Foto: Nowacki


    LAMPERTHEIM – Auf großes Interesse stieß der Besuch der beiden FDP-Bundestagsabgeordneten Till Mansmann aus Heppenheim und Alexander Müller aus Niedernhausen bei den Anwohnern in Rosenstock III, die sich in großer Runde in der Anne-Frank-Straße am Donnerstagabend unter freiem Himmel versammelt hatten. Auch Stadtverordnete waren gekommen, vor allem die FDP-Fraktion war stark vertreten.  Eingeladen hatte die Interessengemeinschaft „Wir stehen unter Strom für Lampertheim“ (IG), um auch auf Bundesebene für die angestrebte Verschwenkung der Höchstspannungsleitung Ultranet weg von der Wohnbebauung mit Nachdruck zu werben und Erfahrungen auszutauschen. Mansmann betrat bei dem Vor-Ort-Termin in Rosenstock III bekanntes Terrain, bereits im Juli 2019 war er in Rosenstock III zu Besuch und machte sich gemeinsam mit den Bergsträßer Bundestagsabgeordneten Christine Lambrecht (SPD) und Michael Meister (CDU) in einem Schreiben an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier für das Anliegen der Lampertheimer IG stark. Am Vortag, so berichtete Mansmann, sei er mit dem Bürgermeister vor Ort gewesen, wobei dieser für die Verschwenkung geworben habe. Bundestagsabgeordneter Alexander Müller brachte unmittelbare Erfahrungen mit dem geplanten Ultranet aus seinem Wohnort Niedernhausen mit, wo die Höchstspannungstrasse mitten durch die Wohnbebauung verlaufen soll und die dortige  Bürgerinitiative bereits seit längerem von einer bekannten Rechtsanwaltskanzlei vertreten wird, die nun auch von der Stadt Lampertheim zu Rate gezogen wird. IG-Mitglied Diana Taggeselle fasste für die Abgeordneten und interessierten Bürger die bisherige Entwicklung seit 2019 zusammen und erläuterte die Problemlage. In Europa und weltweit gebe es Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) wie sie in Lampertheim geplant ist, jedoch nur in  unbesiedelten Gebieten. Daher gebe es über die gesundheitlichen Auswirkungen keine Erfahrungswerte, der IG gehe es um die Vorsorge. Es geht aber auch um die Realisierung geplanter Neubaugebiete im Gleisdreieck, Am Sportfeld und in Hofheim. In einem gemeinsamen Antrag hatten sich am 19. April 2019 alle Fraktionen des Stadtparlaments für eine kleinflächige Verschwenkung ausgesprochen – mit 200 Metern Abstand zur geschlossenen Wohnbebauung und 175 Metern außerhalb. Netzbetreiber Amprion hat zwischenzeitlich die betroffenen Grundstückseigentümer wegen Zustimmung angeschrieben. Der Stadtverwaltung, „in persona der Bürgermeister“, attestierte Taggeselle, dass dieser sich seit dem Gespräch der Stadt Lampertheim mit dem Hessischen Wirtschaftsministerium am 21. August nach dem Empfinden der IG auch „proaktiv um eine Verschwenkung“ bemühe. Das Wirtschaftsministerium hatte deutlich gemacht, dass man dem von Bürgermeister Gottfried Störmer angestrebten Zielabweichungsverfahren für das Neubaugebiet Gleisdreieck mit einer Entfernung der Stromtrasse von unter 400 Metern  nicht zustimmen könne. Bei einem weiteren Gespräch am 8. September in Lampertheim mit Vertretern der Bundesnetzagentur, Amprion und Vertretern des Hessischen Wirtschaftsministeriums wurde der Stadt Lampertheim Unterstützung bei der gemeinsamen Verschwenkung der beiden Trassen zugesagt. Mittlerweile ist eine zweite Variante der Verschwenkung im Gespräch – auch die bestehende 380 kV-Wechselstromtrasse soll mit der zukünftigen Ultranet-Trasse mitverschwenkt werden. Auch solle die Erdverkabelung neu geprüft werden, fordert die IG, eine neue, wirtschaftliche Technik stehe zur Verfügung, die von Amprion selbst mitentwickelt worden sei. Die IG sieht einen Gewinn für alle – die Bewohner, die Stadt Lampertheim und die Landwirte, die durch den Wegfall einer Trasse und die reduzierte Mastenzahl Flächen gewinnen würden. Aus Niedernhausen berichtete Müller, dass die Ultranet-Trasse nur 30 Meter Luftlinie vom Wohnzimmer entfernt vorbeiführen würde, mit Belastungen wie Lärm und elektromagnetischer Strahlung sei zu rechnen. Helmut Hummel (FDP) merkte auf, als Müller sogar von 700 kV Gleichstrom sprach, eine Entwicklung, die nicht nur ihn beunruhigt. Taggeselle erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass das neue Energiebeschleunigungsgesetz die weitere Aufrüstung ohne erneutes Genehmigungsverfahren ermögliche. Aus seinen Erfahrungen empfahl Müller der IG Gespräche mit dem Wirtschaftsministerium anzufordern, so wie es die Bürgerinitiative in Niedernhausen getan habe und mit einem Referenten sprechen konnte. Am besten unter Beteiligung von MdB Till Mansmann, die Abgeordneten sollten ins Boot geholt werden. „Wir müssen gemeinsam den Druck aufrecht erhalten“, meinte Müller. Auch die Gemeindevertretung habe mit dem Beschluss zu klagen eine Drohkulisse aufgebaut. Hannelore Nowacki

     

     

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