Sa., 15.08.2026
Die Gratiszeitung für Lampertheim und das hessische Ried
  • Startseite
  • Sport
  • Termine
  • Stellenmarkt
  • Do., 23. April 2026, 14:30 Uhr
    VEREIN FÜR HEIMATGESCHICHTE BÜRSTADT: Zwei Vorträge im Rahmen der Spargelwanderung am 26. April um 13 und 15 Uhr in der Wendelinuskapelle

    Wissenswertes zum Boxheimerhof und zum Gebiet Sonneneck

    Der Boxheimerhof mit Wendelinuskapelle stehen bei der Spargelwanderung am Sonntag ebenfalls im Fokus.
    Foto: Steffen Heumann

    BÜRSTADT – Zur Spargelwanderung am 26. April veranstaltet der Verein für Heimatgeschichte zwei Vorträge mit Wissenswertem zum Gebiet Sonneneck und Boxheimerhof in der Wendelinuskapelle um 13 und um 15 Uhr. Klaus-Dieter Grinda vom Verein für Heimatgeschichte wird beispielsweise berichten, dass die zahlreichen Rheinschlingen in unserer Gemarkung, sogenannte Lachen, die zur Römerzeit vermutlich noch Wasser führten, die Siedlungsstellen Bürstadts beeinflussten. Der Boxheimerhof ist mit 92,4 Meter über dem Meer der höchste Punkt in der Bürstädter Gemarkung. Aus diesem Grund war er für unsere Vorfahren zum Siedeln bestens geeignet, trat doch der Rhein früher immer wieder über seine Ufer und überschwemmte die angrenzenden Gebiete. Selbst das „Jahrhunderthochwasser“ 1882, als der Rheindamm zwischen Lampertheim und Rosengarten brach und die Fluten bis zum Bürstädter Wald reichten, verschonte den Boxheimerhof. Andererseits waren die Altrheinarme damals sehr fischreich und boten den Menschen Nahrung. 

    Das Gebiet Sonneneck/Boxheimerhof war somit vermutlich eine der ältesten Siedlungsstellen Bürstadts. „Wir wissen beispielsweise von dem Ur-Bürstädter (ein 7.100 Jahre altes Skelett) und weitere Knochen eines Kindes sowie Alltagsgegenstände wie Nadeln, Beile oder Pfeilspitzen, die der bandkeramischen Kultur zugeordnet werden konnten, die im Bereich Sonneck IV im Jahre 2015 gefunden wurden. Dort stießen Archäologen auch auf eine Villa Rustica, einem römischen Landgut. Auch Funde aus der vorrömischen Bronzezeit sind verzeichnet. 1963 entdeckte man Brandgräber aus der Urnenfelderzeit (1200 bis 800 v. Chr.) bei der Gärtnersiedlung (Hof Haller) oder dem Hof Hesse. Das rechtsrheinische Gebiet zwischen Neckar und Main wurde 69-79 n. Chr. römisch. Vermutlich entstanden der spätere Königshof zu Bürstadt und der Boxheimerhof aus einem römischen Gutshof“, so Klaus-Dieter Grinda.

    Die erste urkundliche Erwähnung des Boxheimerhofs reicht vermutlich in die Gründungszeit des Klosters Lorsch zurück. Bockisheim wird 1275 n. Chr. im Lorscher Codex genannt. Die Familie Boxheimer wird 1542 „Erbbeständer“ des heutigen Boxheimerhofs („Heim des Bocco“). Der Boxheimerhof hat im Jahre 1815 72 Bewohner, die bis auf einen Protestanten alle katholisch waren. In der Silvesternacht 1814 trat Napoleon von Deutschen gejagt bei Lorch über den Rhein aufs linke Rheinufer. Am 2. Januar 1815 wurde von Johann Boxheimer, Heinrich Rosenberger und Bernhard Wiedemann die Bitte zum Bau eines Kirchleins vorgetragen. Es sollte zu Ehren des Hl. Wendelinus gebaut werden. Die Errichtung des Kirchleins sollte ein Denkmal zur Äußerung des Dankgefühls sein, dass man von den Kriegswirren (Rückzug der Franzosen und Napoleons) verschont geblieben war. Am 7. April des gleichen Jahres wurde die Genehmigung zum Bau der Kapelle unter bestimmten Auflagen erteilt. Die Wendelinuskapelle wurde im Jahre 1818 fertiggestellt.

    Ca. 1882 wurden das Forsthaus, das damals direkt am Waldrand lag, und der Schießstand des 118. Infanterieregiments aus Worms (ging vom Forsthaus bis zum Schießbuckel) errichtet. Im Jahre 1890 wurde der gesamte Komplex aus vier selbständigen Bauernhöfen als Staatsdomäne vom Großherzogtum Hessen übernommen und in der Folge bis 1927 an einen Landwirt namens Schudt verpachtet. Das Wasserwerk im Bürstädter Wald wurde 1905 gebaut. 1923/24 wurde die „Waldschänke“ (heute: Landgasthof Waldschänke) erbaut. Die „Boxheimer Dokumente“ wurden 1931 von führenden hessischen Nationalsozialisten konzipiert, mit denen Mitglieder der NSDAP versuchten, eine gewaltsame Machtübernahme im Deutschen Reich vorzubereiten. Die Veröffentlichung der Dokumente schlug in der angespannten innen- und landespolitischen Lage des Herbstes 1931 hohe Wellen. 1942 wurde die Glocke der Wendelinuskapelle zum Einschmelzen geholt. Am 17. August 1943 wurde ein amerikanischer B-17 Bomber der 100. Bomb Group auf dem Flug nach Regensburg und Schweinfurt (Operation Double Strike) abgeschossen und stürzte in den Wald nahe dem Boxheimerhof ab. Es konnten bei Nachforschungen Wrackteile geborgen werden. 5 Artilleriegeschütze sowie leichte FLAK wurden 1945 im Frühjahr im Gebiet Sonneneck/Boxheimerhof aufgestellt. Dies belegen Luftbildaufnahmen der Royal Air Force aus 1945. Es bestand darüber hinaus eine Flakscheinwerfer-Stellung. Am 20. März 1945 3.20 Uhr wurde die Wormser Rheinbrücke von Pionieren der Wehrmacht gesprengt. Amerikanische Truppen besetzten am 25. März 1945 die Kreisstadt Worms. Auf dem Boxheimerhof befand sich in diesen Tagen ein Gefechtsstand der Verteidiger Bürstadts. Bürstadt wurde in den frühen Morgenstunden des 26. März 1945 befreit. Um 22 Uhr besetzen die Amerikaner Riedrode. Mehr Wissenswertes gibt es bei den Vorträgen in der Wendelinuskapelle zu erfahren und erfragen. zg 

     

    Beitrag aus der Rubrik

    » Bürstadt und Stadtteile
    Anzeige Online StellenmarktAnzeige dkge 1x1Anzeige dkge 2x2
    Anzeige TicketshopAnzeige NK Worms und RheinhessenAnzeige 3 Anzeige - 2