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  • Di., 29. März 2022, 09:30 Uhr
    BÜRGERBETEILIGUNG: Rundgang durchs Biotop – 150.000 Euro für Aufwertung

    Wo die Vögel singen und nachts die Wildschweine wühlen

    Im weitläufigen Biotop Flur 21/22 verweilten die Teilnehmer des Rundgangs an verschiedenen Stellen, um sich über Verbesserungen auszutauschen. Foto: Hannelore Nowacki


    BÜRSTADT – Weite sattgrüne Wiesenlandschaften wechseln sich mit dichtem Baumbestand ab, Baumschönheiten noch ohne Blattschmuck ziehen als Solitäre die Blicke an, trockenes Schilf leuchtet golden in der Frühlingssonne. Hier und da strahlen weiß blühende Bäume die Besucher an. Auf verschlungenen, unbefestigten Wegen, teilweise auf Trampelpfaden geht es über sanfte Anhöhen wieder in eine Senke hinein. Kohlmeisen singen ihr Frühlingslied, leises Zwitschern ist aus dem Gebüsch zu vernehmen, eine Amsel beeilt sich im Tiefflug. Für dieses Naturerlebnis muss man nicht weit fahren, dieses weitläufige Juwel der Natur liegt inmitten eines Wohngebiets und wird einfach Biotop genannt. Ideen und Anregungen von Bürgern vor Ort zu sammeln, ein Dialog, das war das Anliegen des Agenda-Tischs „Naturschutz“ und des Quartiersbüros beim Rundgang durch das Biotop, dem sich rund 30 Teilnehmer anschlossen. Die Bürger sind gefragt, beim Quartiersbüro sind auch schon zahlreiche Stellungnahmen eingegangen. Denn tatsächlich ist dieses Juwel wie ein ungeschliffener Diamant, daran muss noch gearbeitet werden. Darin sind sich die Stadt Bürstadt, Anwohner und naturbegeisterte Bürger mit dem Agenda-Tisch „Naturschutz“ einig, der sich mit dem Biotop intensiv befasst und ein Konzept erarbeitet hat. Ziel ist mehr Artenvielfalt und bessere Aufenthaltsqualität ohne einen Vergnügungspark zu schaffen. Treffpunkt für den Rundgang am Samstagnachmittag war der unbeschrankte Haupteingang an der Straße „Im Röschen“. Hier begrüßte Bürgermeisterin Barbara Schader die interessierten Bürger am aufgestellten großformatigen Planentwurf des Agenda-Tischs und Michael Held, Mitglied des Agenda-Tischs „Naturschutz“ und NABU-Vorsitzender, sowie Henry Riechmann, Umweltbeauftragter der Stadt Bürstadt und ebenfalls im Agenda-Tisch aktiv, erläuterten einige Details. Noch in diesem Jahr soll das Biotop durch verschiedene Maßnahmen aufgewertet werden, dafür sind im Haushalt der Stadt Bürstadt 150.000 Euro vorgesehen, einschließlich eines Pflegeplans. Zur Orientierung beim Rundgang hatte das Quartiersbüro den Plan im Kleinformat zum Mitnehmen ausgelegt. Schon bei den Gesprächen am Treffpunkt wurde schnell klar, was den Anwohnern am Herzen liegt: Sie wollen das Biotop zur Naherholung erhalten, aber mit einigen Verbesserungen: Die wildwuchernden  Brombeerhecken sollen eingedämmt werden, dürften aber an ausgewählten Stellen bleiben. Brennnesseln, deren frische Spitzen gerade austreiben, haben weite Teile des Biotops erobert, das soll sich ändern, indem der Grünschnitt nicht mehr liegenbleibt und so das Wachstum fördert. Schweres Gerät soll bei der Pflege nicht mehr eingesetzt werden, kündigte Riechmann an. Die Wege sollen besser begehbar sein, mehr und neue Bänke sind gewünscht. Nur zwei in die Jahre gekommene Ruhebänke fielen auf. Teiche anzulegen, diese Idee des Agenda-Tischs stieß auf wenig Gegenliebe. „Das werden Brutstellen für Schnaken“, meinten Anwohner. Eine Erzieherin dachte an die Kinder, die dort ertrinken könnten, wenn zum Beispiel die nahe gelegene Krippe Entdeckernest einen Ausflug unternimmt. Anwohner wussten aus jahrzehntelanger Beobachtung, dass im Biotop noch nie ein offenes Gewässer war, nur eine feuchte Senke mit Schilfbewuchs. Blühwiesen an einigen Stellen sind angedacht, eine schöne Idee, wie auch die Bürger fanden, aber in dem Biotop sind vermehrungsfreudige Wildschweine zuhause, tagsüber versteckt im Schilf, nachts wühlen sie sich durch die Wiesen. Riechmann will nun auf Anregung Kontakt zum Forstamt Lampertheim aufnehmen, um mit einem Sachverständigen zu klären, ob und wie man die Wildschweine loswird. Sie hier zu bejagen sei verboten. Eidechsen könnten ein Habitat bekommen, meinte eine Anwohnerin. Für Ärger bei Anwohnern und Spaziergängern sorgen immer wieder Hundebesitzer, die ihr Tier nicht anleinen und die Hinterlassenschaften liegen lassen, die sich deutlich von denen der Wildschweine unterscheiden. Anleinpflicht und Tütenspender wurden zur Abhilfe vorgeschlagen. Auch die Tierwelt leide unter frei laufenden Hunden, bedauerte eine Anwohnerin, Fasane habe sie schon länger nicht gesehen. Eine kleine Obstbaumwiese sollte angelegt werden, gepflanzt und betreut von Schülern der Erich-Kästner-Schule, die zum Quartier gehört, war eine Idee des Agenda-Tischs, die Anklang fand. Welche Stauden oder Bäume könnten das Biotop zusätzlich bereichern? Auch hierzu wünscht sich Michael Held Ideen von den Bürgern. Hannelore Nowacki

    Information

    In den Planungen heißt das Biotop Flur 21/22 und ist Bestandteil des Integrierten Stadtentwicklungsprogramms (ISEK), in dem es auch um die Aufwertung von Grünflächen geht. Als großer Plan hängt das Konzept seit einiger Zeit im Quartiersbüro am Beethovenplatz aus und noch bis zum 15. April können dort Ideen, Anregungen, Fragen und Anmerkungen zur Aufwertung des Biotops Flur 21/22 abgegeben werden – per E-Mail (info@quartiersbuero-buerstadt.de), Einwurf in den Briefkasten (Bürgermeister-Siegler-Straße 29) oder man kommt persönlich zu den Öffnungszeiten ins Quartiersbüro (dienstags von 10 bis 17 Uhr). Ein Beteiligungsbogen liegt dort aus, auf dem viel Platz für Impulse ist. Für die Planungen werde alles dokumentiert, erklärten Oliver Haberer, Leiter des Quartiersbüros, und Teammitglied Stefanie Reis.  

    Vor dem Rundgang erläuterte Michael Held das Konzept des Agenda-Tischs „Naturschutz“, das für die interessierten Bürger im Kleinformat zur Orientierung auslag. Foto: Hannelore Nowacki

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