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Di., 11. Mai 2021, 09:13 Uhr
NATURPARK: Geopark-Tafel am Rhein eingeweiht
Wo einst die Kriegsbrücke den Rhein überspannte
Einweihung der Geopark-Tafel im Regen bei bester Stimmung (von links): Günter Mössinger, Gisela Gibtner, Heide Adam und Bürgermeister Volker Scheib. Foto: Hannelore Nowacki
NORDHEIM – Dieser romantische Platz am Rhein ist bei gutem Wochenendwetter ein beliebtes Ziel, viele Spaziergänger und Fahrradfahrer kommen hier vorbei und legen eine Pause ein. Viele Ausflügler kommen mit dem Auto, dann wird es mit dem Parken schwieriger. Auf der vorgelagerten Kiesbank neigt sich frisches Grün in Windrichtung und bietet Enten, Gänsen und vielen anderen Vögeln einen geschützten Brutplatz. Auch der seltene Flussregenpfeifer wurde hier schon gesichtet. In der Brutzeit ist das Betreten der Insel verboten, doch zurzeit ist sie von den Fluten des Rheins umspült und kann nicht zu Fuß erreicht werden. Wo ist dieser Ort? Früher legte in der Nähe die Rheinfähre an, dann wurde an diesem uralten Rheinübergang zu Beginn des Zweiten Weltkriegs die Kriegsbrücke zur militärischen Nachschubversorgung gebaut. Jetzt sind nur noch Betonfundamente an Land zu finden, von denen einige im Rahmen des Geschichtsunterrichts von der Klasse 9e des Lampertheimer Lessings-Gymnasiums unter Anleitung von Geschichtslehrer Sören Kielmann und des Vereins für Heimatgeschichte Nordheim und freigelegt wurden. Bei niedrigem Wasserstand gibt der Rhein noch Holzverankerungen frei, die aus dem Kiesbett ragen. Wie das Forschungsprojekt ergab, ruhte die Brücke auf der Landseite auf mindestens 18 nachgewiesenen Betonfundamenten mit Holzpfeilerbündeln. Auch die Straßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes hatte an dem Forschungsprojekt Interesse bekundet. Um den Amerikanern den Vormarsch gegen Kriegsende zu erschweren, wurde diese hölzerne Kriegsbrücke auf Befehl von deutschen Truppen gesprengt. Wie die Brücke über dem Fluss aussah ist durch Fotos überliefert, über die Vorlandkonstruktionen ist kein Bildmaterial bekannt. Dieses und mehr berichtete Günter Mössinger, der Erste Vorsitzender des Vereins für Heimatgeschichte Nordheim, eindrucksvoll aus der Fülle der mittlerweile vorliegenden Erkenntnisse, bevor am Montagnachmittag die neue Geo-Naturpark-Tafel im Beisein von Heidi Adam, der Ersten Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft der Geschichts- und Heimatvereine im Kreis Bergstraße, enthüllt wurde. Diese Aufgabe hatten Bürgermeister Volker Scheib und Gisela Gibtner übernommen. Gibtnerwar in ihrer Funktion als Vorstandsmitglied des Vereins für Heimatgeschichte und als Erste Vorsitzende der Bürgerstiftung Biblis gekommen, denn die beiden Bänke nahe der Geopark-Tafel sind aus Spenden an die Bürgerstiftung finanziert. Jedoch wollen nicht alle Spender namentlich genannt werden. Aufgestellt wurden die Bänke kürzlich von Bauhofmitarbeitern.Die Betonfläche vor den Bänken liegt als ein Stück Geschichte von der Kriegsbrücke zu Füßen. Wer sich hier gemütlich niederlässthat Rheindürkheim im Blick, die Nachbarn auf der rheinland-pfälzischen Rheinseite, und sieht die Schiffe mit Kohle, Containern und anderen Gütern auf dem Rhein stromabwärts und mühsamer bergauf fahren. Eine Tafel vom Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald bekommt man nicht so einfach, außerdem hat Biblis nur ein bestimmtes Kontingent zur Verfügung, erklärte Bürgermeister Scheib. Aber dank des großen Interesses in Biblis, Nordheim und Wattenheim gebe es mehr Geopark-Tafeln als in anderen Gemeinden, die auch ein reiches historisches Erbe hätten. Eine weitere Geopark-Tafel am Steiner Jägerhaus ist ebenfalls neu aufgestellt. Mössinger dankte Bürgermeister Scheib für die Unterstützung durch die Gemeindeverwaltung bei der Vorbereitung und Aufstellung der Tafeln und bescheinigte dem Bürgermeister „Mut und Herz“ mit Blick auf die andernorts übliche „Absperrmode“ an den Rheinzugängen.Hannelore Nowacki