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  • Fr., 19. September 2025, 10:20 Uhr
    STADTENTWICKLUNG IN BÜRSTADT: Im Bauausschuss stand die zukünftige Nutzung des Raiffeisenareals auf der Agenda / Bürgerversammlung am 22. Oktober geplant

    Wohnen zwischen Industriestraße und Bahngleisen?

    Links die Industriestraße, in der Mitte das Brachgelände zum Wohnen oder für Parkplätze, rechts der Bahnsteig und Bahngleise mit Blick auf das KamÜ mit Turm.
    Foto: Hannelore Nowacki

    BÜRSTADT – Wohnraum ist knapp, vor allem mangelt es an bezahlbaren Wohnungen und auch bebaubare Flächen sind gesucht. Hier kommt das Raiffeisenareal in den Blick und zwar schon 2020 – heute eine Unkrautwüste mit schiefem Bauzaun und verwitternden Plastikplanen. Das Planungsbüro „Schweiger + Scholz Ingenieurpartnerschaft mbB – Beratende Ingenieure“ wurde bereits Mitte des Jahres 2020 auf Grundlage eines entsprechenden Honorarangebotes vom Magistrat beauftragt, wie dem TiP auf Nachfrage von der Stadt Bürstadt mitgeteilt wurde. Die Leistungen wurden im Jahr 2020 um weitere Leistungen, wie einer Ausarbeitung des architektonischen Konzeptes und Verkehrszählungen erweitert. Die Stadtverwaltung habe die grobe Richtung kommuniziert und in Bezug auf ökologische und energetische Themen wie auch Mobilität einen zu diskutierenden zeitgemäßen mit dem Planungsbüro erarbeitet. Der nun vorgestellte Zwischenstand soll als Vorschlag die Diskussionsgrundlage zur weiteren Behandlung in den städtischen Gremien dienen. Die noch ausstehende Aufstellung eines Bebauungsplans als baurechtliche Grundlage soll interessierten Investoren Sicherheit bieten. Ausschussvorsitzender Michael Heidrich (CDU) kündigte an, dass der Bebauungsplan in der nächsten Sitzung vorliegen soll.
     
    Ein Zwischenbericht mit schmalen Maßen

    Städteplaner Michael Schweiger betonte, dass Interesse für die Wohnbebauung gebe. Wie gebaut werden soll auf dem schmalen Streifen zwischen vielbefahrener Industriestraße und dem Bahnsteig mit Zuggleisen am Bahnhof steht für ihn fest: auf dem nicht ganz zehn Meter breiten Streifen sollen Gebäude von maximal 30 Metern Länge mit jeweils einer Lücke mit 20 bis 40 Wohneinheiten in aufgelockerter Bauweise entstehen. Platz für einen Gehweg werde eingeplant und die Bahn sei mittlerweile einverstanden mit einem Abstand von 1 Meter zum Bahnsteig, früher verlangte sie drei Meter. Um mehr Wohnraum zu gewinnen, soll das Obergeschoss „auskragen“ und darüber ein Staffelgeschoss liegen, also zwei Vollgeschosse und ein Obergeschoss. Die Höhe von 13 Metern orientiere sich am Turm des Kulturzentrums KamÜ. Auf 50 Prozent der Dachflächen könnten PV-Anlagen installiert werden. Und wer könnte dort wohnen? Schweiger empfiehlt als Zielgruppen Studenten, die Mobilität an der Bahn schätzen und Rentner, die kein Auto mehr haben. Auch für die Bewohner der Sozialwohnungen seien die reduzierten Anforderungen an PKW-Stellplätze angemessen. Immerhin gebe es im Umfeld über 100 Stellplätze. Da es „urbanes Gebiet“ sei könne es eine Mischung von Wohnen und Gewerbe geben.  

    Blickrichtung vom KamÜ bis zum Gebäude des Blumengeschäfts an der Kreuzung zur Mainstraße.
    Foto: Hannelore Nowacki

     

    Wohnen oder Parkplätze? Zuschüsse für Abriss zurückzahlen? 

    Die sechs alten Raiffeisenhallen und der hohe Siloturm zwischen Industriestraße und Bahnsteig sind schon über den Sommer 2022 hinweg abgerissen worden, finanziert aus dem Städtebauförderprogramm „Aktive Kernbereiche“. Allerdings ist diese Förderung mit Auflagen verbunden: Das Areal muss einer neuen Nutzung zugeführt werden, doch sind damit nicht Parkplätze gemeint. Sollte die Stadt Bürstadt als Grundstückseigentümerin für Parkplätze oder Grünfläche entscheiden, müssten die Fördermittel zurückgezahlt werden, wie auch bei der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Bau- und Stadtentwicklung deutlich wurde. Das Thema Raiffeisenareal hatte in den vergangenen Jahren immer wieder die Gremien beschäftigt. Ein Investor, der dort Wohnungen bauen wollte, war schon vor drei Jahren wegen hoher Kosten abgesprungen. Doch sind die Pläne für eine Wohnbebauung sind nicht vom Tisch. Die Ausschussmitglieder nahmen den Sachstandsbericht von Michael Schweiger wie in der Tagesordnung vorgesehen zur Kenntnis, ein Beschluss war nicht geplant. Allerdings kamen Einwände zur Sprache: Jürgen Heiser (FDP) äußerte Zweifel, dass der vorgestellte Stellplatzschlüssel von 0,7 Plätzen anstatt eines Stellplatzes pro Wohnung nicht realistisch sei, da zum Beispiel auch Rentner über Fahrzeuge verfügten. Verärgert reagierte der SPD-Fraktionsvorsitzende Lothar Ohl auf das Vorgehen, da die Politik erst in kommenden Sitzungen einbezogen werde. Im Sinne der Anwohner spricht er sich für Parkplätze auf dem Gelände aus. Stadtverordnetenvorsteher Alexander Bauer (CDU) wies auf die Bürgerbeteiligung hin: Am 22. Oktober sei eine Bürgerversammlung vorgesehen. 

    Hannelore Nowacki

     

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