Die Gratiszeitung für Lampertheim und das hessische Ried
Sie sind hier: Startseite » Nachrichten » Wohnraum für Geflüchtete als besondere Herausforderung
Do., 24. März 2022, 14:25 Uhr
HILFE FÜR MENSCHEN AUS DER UKRAINE: Erste Turnhalle im Kreis wird zu temporärer Flüchtlingsunterkunft
Wohnraum für Geflüchtete als besondere Herausforderung
Solidarität innerhalb Europas und mit den Geflüchteten aus der Ukraine ist wichtig – auch wenn es durch knappen Wohnraum zu Engpässen kommen kann. Foto: www.pixabay.com
KREIS BERGSTRASSE – Die Zahl der Menschen, die aus der Ukraine auf ihrer Flucht vor dem Krieg in den Kreis Bergstraße kommen, steigt weiter an. Landrat Christian Engelhardt und der hauptamtliche Kreisbeigeordnete Karsten Krug informierten am Donnerstag im Rahmen einer Videopressekonferenz über die Maßnahmen, die der Kreis aktuell zur Aufnahme und Integration der aus der Ukraine geflüchteten Menschen koordiniert und umsetzt.
Landrat Christian Engelhardt betonte, dass sich die Zahl der Geflüchteten, ausgehend von den Prognosen des Landes Hessen, als weniger dynamisch erwiesen haben als angekündigt, dennoch aber insgesamt mehr Geflüchtete als zuvor angenommen erwartet werden. Ziel sei es daher, Ressourcen zu schaffen und diese zu erweitern – gerade auch mit Blick auf Wohnraum. „Aber wir müssen darauf achten, nicht zu viele Ressourcen vorzuhalten, die wir dann vielleicht nicht brauchen”, sprach er von einem schmalen Grat. In Bezug auf die Aufnahme von Menschen aus der Ukraine stehe man in engem Austausch mit den Bürgermeistern des Kreises, den Flüchtlingshelfern, den Schulen und der Politik. Es wurde zudem bereits einmehrsprachiges Informationsangebot im Internet, per App und per Hotline geschaffen. Schwierig sei, dass es weiterhin Abweichungen bezüglich der Zahlen der Geflüchteten, die sich im Kreis aufhalten, derer die sich bei den Kommunen gemeldet und denen die sich beim Ausländeramt des Kreises gemeldet hätten gäbe. „Wichtig ist, das sich alle melden, im Ausländeramt wie auch in den Rathäusern”, betonte der Landrat nochmals.
Bezüglich der Situation, geeigneten Wohnraum für die Menschen aus der Ukraine zu finden, stehe man vor großen Herausforderungen. Denn diese müssen individuell passen, sowohl für Familien als auch für Menschen mit Behinderungen. Gleichzeitig ist die wöchentliche Zuweisung eine Herausforderung, wie auch Karsten Krug bestätigte. „Wir hatten 150 erste Zuweisungen vor einer Woche, heute kommen erneut 50 Personen zu uns, in der kommenden Woche erneut 150 – und mindestens ebenso viele in den kommenden Wochen”, so der Kreisbeigeordnete. Die 50 Flüchtlinge dieser Woche werden auf private Wohnungsgeber und in ein Gemeinschaftshaus in Affolterbach verteilt.
Für die nächste Woche muss jedoch eine andere Lösung gefunden werden – und diese greift direkt in das öffentliche Leben ein. „Wir müssen die erste große Einrichtung betreiben: Ab Montag wird die Halle der Werner-von-Siemens-Schule in Lorsch die erste Sporthalle im Kreis, die temporär zur Unterbringung von Flüchtlingen genutzt wird. Zunächst wird sie entsprechend vorbereitet, bevor dann am Donnerstag die Geflüchteten hier einziehen”, so Karsten Krug und Landrat Engelhardt, der sich bei der Schulleitung für die Kooperation bedankt: „Ein großes Lob an das Schulleitungsteam, welches vor großen Herausforderungen steht, da der Sportunterricht nicht stattfinden kann oder umgeplant werden muss. Für die Schulleitung war es wichtig, Solidarität zu zeigen – dies ist eine tolle Geste.” Weitere Hallen könnten folgen. Und: „Wir planen die Nutzung des Festplatzes in Bensheim als Aufnahmestelle von Flüchtlingen, hier kann ein Zelt errichtet werden. Allerdings heißt die Planung nicht, dass wir dies auch letztendlich so umsetzen werden”, stellte Landrat Engelhardt klar. Hoffnung verspricht das Luisenkrankenhaus in Lindenfels – dieses soll in drei Wochen bereit stehen, um auch die Schulhalle in Lorsch zu entlasten. Grundsätzlich bleiben die Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine auch in den kommenden Wochen und Monaten eine Herausforderung – wichtig ist, den Menschen, die vor diesem fliehen, Schutz zu bieten – dieser Herausforderung sollten sich alle stellen. Benjamin Kloos