Lampertheim zeigt am 22. September Flagge gegen die C-Trasse / BILA und Landwirte rufen zu gemeinsamer Protestaktion auf
„Wollen Spargelbalken statt Bahntrasse”
Gegen die Zerschneidung von Feld und Wald und für ein lebenswertes Lampertheim: Die BILA und die Landwirte rufen zu einer besonderes Protestaktion auf. Foto: Benjamin Kloos
LAMPERTHEIM – „Keiner weiß wann, aber der Tag rückt näher, an dem die Bahn ihre Vorzugsvariante für die Trassierung der Neubaustrecke von Frankfurt nach Mannheim bekannt geben wird. Viele befürchten, dass es die Variante C sein wird, die unseren Wald und die Feldgemarkung zerschneidet”, betonte Karl Hans Geil am Donnerstag im Rahmen eines Pressegesprächs, bei dem die BILA und die Landwirte eine besondere Aktion zugunsten von Lampertheim und gegen die mögliche C-Trasse vorstellten.
Am Sonntag, 22. September, wird von 10 bis 16 Uhr eine Protestaktion stattfinden, bei der ein Rundweg zwischen Neuschloß und dem Guckertshof ausgewiesen sein wird, der an den entsprechenden Stationen der Betroffenheit vorbeiführt – denn neben der Feldgemarkung sind auch der Heidebuckel, die Grube Feuerstein, der Angelweiher und das Bruch berührt. Die Strecke der geplanten C-Trasse wird mit großen, roten Luftballons markiert sein, um zu veranschaulichen, wo diese genau verlaufen wird, sollte sie denn kommen.
„Wir wollen zeigen, wo die Schneise, die entstehen würde, entlangführt, damit jeder mit eigenen Augen die Konsequenzen sehen kann und so sichtbar machen, was auf Lampertheim zukommt. Bitte kommen Sie am Aktionstag aufgrund der schwierigen Parksituation zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Heide und tragen Sie eine Warnweste, um ein deutliches Signal an die Bahn zu senden, dass wir diese C-Trasse nicht wollen.” Der Rundweg in einer Länge von fünf Kilometern informiert ausführlich über die Folgen der C-Trasse – in allen Bereichen. Wer die Strecke nicht zu Fuß bewältigen kann oder möchte, für den bieten die Landwirte die Möglichkeit, mit Traktor und Rolle von Station zu Station zu gelangen – ein besonderes Erlebnis gerade für Kinder. „Wir müssen und werden Flagge zeigen!” betonten die Organisatoren. „Es ist wichtig, dass alle herkommen, für Lampertheim und gegen die ICE-Trasse.”
An den einzelnen Stationen werden die Auswirkungen anhand von Plakaten und kurzen Erläuterungen aufgezeigt. Die Bürgerkammer Neuschloß verdeutlicht beispielsweise die Zerschneidung des Naherholungsgebietes mit Folgen für Mensch, Flora und Fauna sowie die Verbrämung des Wohngebietes. Die Lampertheimer Gewerbetreibende üben den Schulterschluss mit BILA und Landwirtschaft und informieren über die Schwächung der Infrastruktur und den möglichen Verlust von Arbeitsplätzen, während die Landwirte selbst am Spargelhäuschen über die direkten Folgen für die Landwirtschaft berichten. Die Verbrämung sowie das hohe Kollisionsrisiko beeinträchtigen die Vogelwelt und streng geschützte Fledermausarten – dies wird an der Grube Feuerstein deutlich gemacht. Die Existensgefährung für die Landwirtschaft ist am Guckertshof Thema, hier biete sich zudem die Möglichkeit zur Rast und zur Verpflegung. Die Stadt Lampertheim und der Jagdclub St. Hubertus zeigen die Zerstörung vernetzter Biotope und die Erhöhung der Zerschneidungsdichte mit der Folge genetischer Verarmung am Beispiel des Bruch auf und am Angerweiher des ACF Freundschaft wird die akute Gefährdung des Vereinsgewässers und des Fortbestandes des Vereins veranschaulicht.
„Lampertheim der große Verlierer”
Beim Bau der C-Trasse müsste die K3 in Richtung Lampertheim verlegt werden, was zu einer Verkehrs- und Lärmbelastung in der Spargelstadt führen wird. Durch den Bahndamm, der entsteht und der lediglich durch zwei Übergänge zu überwinden sein wird, werden die Feldflächen hinter dem Bahndamm für die Landwirtschaft verloren sein – und auch für die Naherholung ist dieses schöne Gebiet dann nicht mehr so uneingeschränkt nutzbar wie bisher.
„Bei der C-Trasse wird Lampertheim der große Verlierer sein”, ist sich Karl Hans Geil sicher. „Zumal das, was hier von Seiten der Bahn gebaut wird, ein reines Provisorium ist. Denn bis die Trasse verwirklicht ist, ist die Planung, die dann vor 50 Jahren begonnen hat, längst überholt.“
Wie bei der Lichter-Demo sollen auch am 22. September besonders Familien angesprochen und ebenfalls mit Warnwesten ein deutliches Signal Richtung Bahn gesendet werden. Archivfoto: Hannelore Nowacki
„Wir wollen Spargelbalken statt die Bahntrasse”, betonten Landwirte und BILA daher unisono. Ulrich Guldner betonte: „Es ist zwei Minuten vor 12, bis Ende des Jahres wird die Bahn ihre Vorzugstrasse vorstellen. Deshalb brauchen wir alle Lampertheimer, aber auch alle Menschen aus dem Ried, denn es sind alle betroffen. Besonders Familien wollen wir darauf aufmerksam machen, wie es in Zukunft in Lampertheim aussehen wird, wenn die C-Trasse kommt.“
Dabei werden die Landwirte gleich doppelt betroffen sein – denn sie verlieren nicht nur ihre eigenen wertvollen Ackerböden, die unwiederbringlich zerstört werden, sondern es werden auch Ausgleichsflächen geschaffen werden müssen, da für den Trassenbau auch Biotope weichen müssen. Durch den Flächenverlust und die Zerschneiden werden die Landwirte dabei in ihrer Existenz bedroht sein. Gleichzeitig werden die Flächen für den Anbau von regionalem Obst und Gemüse in Lampertheim sehr knapp – vor dem Hintergrund des Klimawandels und der Besinnung auf regionale Lebensmittel eine beängstigende Entwicklung. Daher unterstützen die Landwirte bewusst die von der BILA favorisierte Alternativtrasse.
Kommen Sie am 22. September zur Heide und machen Sie diese Protestaktion zu einem „Sonntag für die Lampertheimer Zukunft!” Benjamin Kloos