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  • So., 23. Dezember 2018, 09:10 Uhr

    Wort zum Sonntag von Pfarrer Rainer K. Heymach

    Liebe Leserinnen und Leser, haben Sie noch Freude an Weihnachten? Oder ist es Ihnen eigentlich zu viel. Zu viel Gerenne, Hektik und Stress. Zu viel an Ausgaben. Zu viel an … sagen wir mal Scheinheiligkeit. Zu viel an Abzocke, denn wahre Weihnachtsschnäppchen gibt es ja gar nicht. Oder gar zu viel an Liebe? 

    Nicht erst in der Adventszeit, schon im Herbst geht es los mit Angeboten für die Weihnachtszeit: Da erscheinen plötzlich Lebkuchen, Adventskalender, Schokoladennikoläuse und dezent werden wir auch schon darauf hingewiesen, welche Weihnachtsgeschenke sich unsere Lieben wünschen könnten: das neue Parfüm, den Schmuck, das neue Handy, das neueste Tablet, die Spielekonsole, die Ritterburg oder Rennbahn. Die ersten Lichterketten erscheinen im Angebot, neue Weihnachtskugeln in den zur Zeit angesagten Farben, der Plastikweihnachtsbaum, der doch so eine sinnvolle Anschaffung wäre. Am Anfang lachen wir vielleicht noch, weil wir noch kurzärmlige T-Shirts tragen, doch irgendwann, spätestens in der Adventszeit, hat es uns alle gepackt – das Weihnachtsfieber. 

    Ja, dieses Jahr soll es besonders schön werden. Dieses Jahr werden wir an alles denken. Dieses Jahr werden wir besser planen, sodass wir am Fest selbst entspannt genießen können. Und dann fällt uns plötzlich auf, dass wir die Wohnung schon mal schmücken könnten. Dass der große Weihnachtsstern doch fantastisch ins Wohnzimmer passen würde oder die herrliche Amaryllis. Dass wir mal nach dem Weihnachtsschmuck schauen könnten und unserer Wohnung ein weihnachtliches Flair verleihen.

    Die ersten Plätzchen werden gebacken und auch schon gegessen, Kerzen werden angezündet und wir genießen, wie gemütlich es jetzt drinnen ist, während es draußen kalt und unfreundlich ist. 

    Merken Sie etwas? Mit diesen Gedanken hat sich meine Frau in meine Gedanken eingeschlichen:

    Ja, und was ist daran eigentlich so schlimm?! Natürlich kann man über den Konsum schimpfen, natürlich kann man sagen, dass man besser Geld spenden sollte, statt den eigenen Kindern, deren Kinderzimmer womöglich schon überquillt, die jedenfalls keinen Mangel leiden, schon wieder etwas Neues zu kaufen. Natürlich muss man auch nicht die Wohnung schmücken mit Engelchen, Sternen und Rentieren. Aber es ist schön. Es macht uns glücklich. Es bringt Erinnerungen mit sich an die Zeit, in der wir selbst Kinder waren. Wir geraten in Freude. Unser Leben bekommt einen kleinen Kick. Wir haben kurzfristig ein Ziel, auf das wir hinarbeiten und blenden vieles Negative aus, das uns sonst beschäftigt.

    Und das ist gut so. Denn in unserem Alltag überwiegen doch die Unglücksmeldungen, die Katastrophen, die Ärgernisse, die Probleme. Zumindest scheint es uns oft so und wir sehnen uns nach etwas Ruhe und Gemütlichkeit, auf ein Stück heile Welt, auf Freude, auf Zeit füreinander und miteinander. Und weil das durchaus nicht nebensächlich ist, sondern die eigenen Energiereserven wieder auffüllt, deshalb plädiere ich für diese Vorfreude, für diese Konzentration auf Weihnachten, für diese heilige Zeit, in der die Engel zu uns sagen „Fürchte dich nicht!“

    Das ist es, was wir heute ganz wichtig brauchen: Hoffnung, Freude, Verheißung des Heilwerdens. 

    Und dabei müssen wir niemanden vergessen und nichts für unwichtig halten. Wir dürfen aber zur Ruhe kommen, auftanken und Kraft aus dem Wort Gottes schöpfen. 

    Und das wünsche wir beide schließlich Ihnen allen zu Weihnachten! Die Freude daran, dass Gott Mensch wurde. Dass Sie Mensch sein dürfen mit Freude am Leben. Gesegnetes Fest

    Rainer und Birgit Heymach

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