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  • Do., 05. August 2021, 12:54 Uhr
    Landfrauen unterwegs: Informationen über Rückbau des AKW Biblis gab es von RWE-Sprecher Alexander Scholl

    „Ziel ist, die Anlage im Jahr 2032 aus dem Atomgesetz entlassen zu haben“

    RWE-Sprecher Alexander Scholl (links) erklärte den interessierten Gästen aus Hofheim, dass Stahlteile, Rohre, Kabel, Kunststoffe und sonstige Materialien zerlegt und gereinigt werden, damit sich das Volumen des kontaminierten Abfalls deutlich reduziert. Das ganze Kraftwerk wird quasi in die Größe von Gitterboxen (wie hier auf dem Bild) zerlegt, damit die Teile in die Freimessanlage passen, wo nachgewiesen werden kann, dass das Material frei von Radioaktivität ist. Foto: Petra Gahabka


    HOFHEIM/BIBLIS – Die Hofheimer Landfrauen sind bekanntermaßen vielseitig interessiert. Nach dem Vortrag „Bienenfreundlicher Garten“ bei Anette Jansen und der Rikscha-Aktion besuchte nun eine zwanzigköpfige Gruppe das Informationszentrum des Kernkraftwerks (KKW) Biblis. Neben den Mitgliedern nutzten auch zahlreiche Gäste, die bei Veranstaltungen des Vereins stets willkommen sind, dieses Angebot.

    Im August 2011, wenige Monate nach der Katastrophe von Fukushima, erlosch die Betriebsgenehmigung für die Blöcke A und B, seit vier Jahren wird die Anlage zurückgebaut. „Ziel ist die Entlassung aus dem Atomgesetz im Jahr 2032“, erläuterte RWE-Sprecher Alexander Scholl. An der Silhouette des Kraftwerks werde sich bis dahin im Wesentlichen nichts ändern, „der Abbau findet von innen nach außen statt“. Sämtliche Anlagenteile müssten ausgebaut und in handhabbare Stücke zerlegt werden, um die Voraussetzung für das Reststoff- und Abfallmanagement zu schaffen. Mit dem 2017 in Kraft getretenen Gesetz zur Neuordnung der Verantwortung in der kerntechnischen Entsorgung wurden die Verantwortlichkeiten neu geregelt worden. Die Kraftwerksbetreiber sind demnach für Stilllegung und Abbau der Kernkraftwerke, einschließlich der Entsorgung sowie der fachgerechten Verpackung der radioaktiven Abfälle zuständig. Die Durchführung und Finanzierung der Zwischen- und Endlagerung liegt in der Verantwortung des Bundes.

    Mittlerweile wurden Generatoren, Schaltanlagen, Kühlturmeinrichtungen, Sicherheitssysteme, Rohrleitungen und vieles mehr demontiert, wie Scholl anhand von Bildern verdeutlichte. Gleichzeitig ist in den Räumen eine Rückbaufabrik entstanden, die die Abbaumaterialien säubert und zerkleinert. Insgesamt 63.000 Tonnen kontaminiertes beziehungsweise aktiviertes Material müsse abgebaut werden. Mit den neuen technischen Möglichkeiten könnten viele dieser Teile so gut gereinigt werden, „dass wir 55.000 Tonnen nach heutiger Schätzung ganz normal in den Wertstoffkreislauf freigeben können“. Alle Abbaumaßnahmen werden von unabhängigen Sachverständigen gemeinsam mit der Behörde begleitet und beaufsichtigt. Block A ist bereits seit 2016 brennstofffrei, Block B seit 2019. Damit wurden 99 Prozent der Radioaktivität aus der Betriebszeit entfernt. Zurzeit stehen 108 Castoren in Biblis, das Standort-Zwischenlager hat eine Betriebsgenehmigung bis 2043. Ziel ist es, diese Abfälle im Endlager Schacht Konrad zukünftig einzulagern. „Wir werden hier über eine längere Zeit eine kleine nukleare Insel haben“, so Scholl. Wenn Ende 2022 in Deutschland die letzten Atomkraftwerke vom Netz gehen, sollen sogenannte Netzstabilitätsanlagen eine zuverlässige Stromversorgung gewährleisten. Deshalb wird in Biblis außerhalb des Anlagengeländes auf dem Parkplatz gegenüber vom Informationszentrum ein Gaskraftwerk gebaut. Der Netzbetreiber Amprion hatte nach einer Ausschreibung der RWE Generation, eine Tochtergesellschaft des RWE-Konzerns, den Zuschlag erteilt. Insgesamt werden elf 30-Megawatt-Turbinen errichtet, deren Schornsteine jeweils 30 Meter hoch sind, ließ Scholl die interessierten Zuhörer wissen, die einiges an Fragen mitgebracht hatten. Das Gaskraftwerk steht nicht für den freien Strommarkt zur Verfügung, sondern dient ausschließlich der Sicherheit und Zuverlässigkeit des Übertragungsnetzes. In Notfällen kann die Anlage innerhalb von Minuten reagieren und so die Netzstabilität gewährleisten. Die Inbetriebnahme soll im Herbst 2022 erfolgen. Petra Gahabka

     

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