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  • Do., 11. Mai 2023, 22:45 Uhr
    FLÄCHENVERBRAUCH: Landwirte suchten das Gespräch mit den Fraktionen wegen Nordostumgehung

    Ziel: Politik frühzeitig sensibilisieren – Planung jetzt stoppen

    Der drohende Flächenverbrauch bereitet den Bürstädter Landwirten große Sorgen. Foto: www.pixabay.com


    BÜRSTADT –  Zwei Themen brennen den Bürstädter Landwirten wegen des drohenden Flächenverbrauchs auf der Seele: Sie sind gegen die geplanten Maßnahmen zur Nordostumgehung in verschiedenen Varianten und den Bau des Radwegs auf der alten B 47 nach Worms mit Leitplanken, der den landwirtschaftlichen Verkehr in Überbreite behindern würde. Ortslandwirt Richard Schöcker hatte deshalb in Absprache mit seinen Kollegen, dem Ortslandwirt Riedrode Thorsten Reski und dem Vorsitzenden des Ortsbauernverbandes Markus Bechtloff sowie Landwirt Fred Hoffmann aus Riedrode die Fraktionsspitzen am Mittwochabend zum klärenden Gespräch ins Bürgerhaus eingeladen. Für die CDU waren die Fraktionsvorsitzende Ursula Cornelius und Jürgen Eberle gekommen, die Freien Wähler (FW) waren durch Jürgen Szekely, Renate Strandt und Magistratsmitglied Sibylle Schmenger vertreten, für SPD war Fraktionsvorsitzender Lothar Ohl, für Bündnis 90/Die Grünen war Fraktionsvorsitzender Uwe Koch gekommen. Das Anliegen der Landwirte zu diesem Zeitpunkt überraschte die Lokalpolitiker. Ohl (SPD) meinte letztlich jedoch: „Gut, dass ihr euch heute an die Fraktionen gewandt habt“. „Wahnsinnig viel Fläche ist verloren gegangen“, sagte Schöcker zu Beginn seiner Ausführungen. Und der Flächenverbrauch gehe weiter, so habe ihn am Vortag jemand wegen eines Windsrades angerufen. Schöcker nannte zwei geplante Varianten, die eine mit Anschluss an die neue Zuwegung von Rossmann durch bestehende Ausgleichsflächen und Brücken über drei Gräben und die Bahngleise. Das könnte Bürstadt finanziell nicht stemmen. Die andere Variante wäre um den Gartenbauverein herum über die Felder. Reski, der ein Papier mit den Argumenten der Landwirte verteilt hatte, meinte zu den Plänen: „Bürstadt hat ein Luxusproblem“. Beschilderung, Durchfahrtsverbote und Kontrolle des Schwerlastverkehrs seien kostengünstiger als eine neue Straße und schonten die Umwelt. Bürstadt sei bereits zu 70 Prozent von den Bundesstraßen B 44 und 47 umschlossen, diese seien in der Lage, den Verkehr bei entsprechender Lenkung aufzunehmen. Im Bereich der geplanten Trasse würden Biotope mit Feldhase und Rebhuhn unwiederbringlich verloren gehen. Die Forderung der Landwirte: Die Planung jetzt stoppen. Überrascht zeigte sich Koch, da zurzeit nichts im politischen Prozess zu entscheiden sei. Der überarbeitete Verkehrsrahmenplan sei lediglich im Ausschuss für Umwelt, Energie und Mobilität am 22. November 2022 vorgestellt worden. „Bei uns rennen Sie offene Türen ein“, betonte Koch. Doch habe die Stadtverordnetenversammlung die Resolution zum Flächenverbrauch abgelehnt. „Nicht warten, bis alles durch die Gremien durch ist, dann ist alles zu spät“, meinte Schöcker. Szekely (FW) begrüßte den Vorschlag mit der Umleitungsbeschilderung, er ist überzeugt: „Wir brauchen Bauern“. Stockmann (FDP) sieht einen frommen Wunsch walten, die Beschilderung werde das Problem nicht lösen, da nach Navi gefahren werde und das Ordnungsamt nicht einmal dazu komme, die geplanten Geschwindigkeitskontrollen durchzuführen. Für die Resolution gegen den Flächenverbrauch habe sie nicht gestimmt, weil dies ein Lippenbekenntnis ohne Konsequenzen gewesen wäre, „einfach ein Palaver“. Eine Dringlichkeit sehe sie nicht, aber es sei gut jetzt darüber zu sprechen. Aber sie würde die Flächen gerne mal sehen. Dem schloss sich Cornelius (CDU) an, sie habe noch nie eine Gemarkungsrundfahrt gemacht. Schöcker bot an, eine Runde gemeinsam über die betreffenden Feldwege zu fahren. Am Ende einigte man sich bereits auf einen Termin nach der Ernte am 16. September um 10 Uhr mit Treffpunkt beim Anwesen Schöcker. Auch Ohl (SPD) befand, dass der Dialog „von heute“ weiterführend sei. Das Problem sei gemeinsam oder gar nicht zu lösen. Zuvor habe er keine Idee gehabt, wo die Straße hin- und abgehen soll. Bechtloff beklagte den Zustand der Feldwege, nur das nötigste werde von der Stadt gemacht. Das zweite Thema war der geplante Radweg mit Leitplanken auf der alten B 47 nach Worms. Dadurch reiche die Fahrbahnbreite für die landwirtschaftlichen Fahrzeuge mit einer Breite von bis zu 3,50 Metern nicht mehr aus, Gegenverkehr sei nicht möglich. Der Vorschlag der Landwirte: Den Fahrradweg ohne Leitplanken mit Markierung. Das Thema war offenbar in einer nicht öffentlichen Sitzung behandelt worden, aber Schöcker zu Ohren gekommen.  Hannelore Nowacki

     

     

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