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  • Mi., 06. Januar 2021, 11:40 Uhr
    VSR-GEWÄSSERSCHUTZ: Brunnenbesitzer ärgern sich im Raum Bürstadt über die Belastung in ihrem Wasser

    Zu viel Nitrat im Grundwasser

    Dipl.-Phys. Harald Gülzow analysiert eine Wasserprobe. Foto: oh


    BÜRSTADT – Der VSR-Gewässerschutz e.V. musste leider wieder vielen Bürgern mitteilen, dass ihr Brunnenwasser zu viel Nitrat enthält. Das frustriert gerade die Familien, die ihren Garten gerne nutzen. Im Sommer wird dort viel Wasser benötigt, um das selbst angebaute Gemüse zu gießen oder das Planschbecken für die Kinder zu füllen. Dafür möchten viele Gartenbesitzer kein Leitungswasser verschwenden, sondern ihren Brunnen nutzen. Ob das ohne Gesundheitsgefährdung möglich ist, wollten in diesem Jahr 74 interessierte Bürger wissen und ließen ihre Wasserproben am Informationsstand am 20. Oktober in Bürstadt untersuchen. Fast jeder vierte Brunnenbesitzer aus dem Raum Groß-Rohrheim – Biblis – Bürstadt – Lampertheim wurde enttäuscht: Die Nitratkonzentration ihrer Wasserprobe überschreitet den Grenzwert der deutschen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter. Die Ursache für die hohe Nitratbelastung des

    Grundwassers ist die intensive Landwirtschaft, die nur mit Subventionen so  wachsen konnte. „Die EU-Agrarpolitik fördert bis heute Betriebe, für die hohe Erträge an erster Stelle stehen und die Verringerung der Nitratbelastung nur lästige Auflagen sind, die sie versuchen zu umgehen“, so Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende im VSR-Gewässerschutz. Die gemeinnützige Organisation fordert von der Politik, dass Subventionen nur noch an Landwirte mit einer gewässerschonenden Bewirtschaftung gezahlt werden.

    Dipl.-Phys. Harald Gülzow und Dipl.-Ing. Peter Brückner fanden bei den Untersuchungen 233 Milligramm Nitrat pro Liter in einem privat genutzten Brunnen in Bürstadt. Weiteren mit Nitraten stark verschmutzte Brunnen stellten die Umweltschützer in Boxheimerhof mit 140 Milligramm pro Liter (mg/l) und in Groß-Rohrheim mit 83 mg/l fest. Am Informationsstand und auch bei der telefonischen Beratung zeigten sich viele Brunnenbesitzer wütend über die Nitratbelastung der Region. Sie möchten es nicht mehr einfach hinnehmen, dass ihr Brunnenwasser nur eingeschränkt nutzbar ist. Vielen Bürgern wurde durch ihr eigenes Ergebnis klar, wie stark das Grundwasser in ihrer Region bereits belastet ist und möchten eine Änderung.

    Der VSR-Gewässerschutz fordert die Agrarpolitik auf die anstehende EU- Agrarreform so zu gestalten, dass die Nitratbelastung unserer Gewässer verringert wird. „Die Agrarlobby darf nun die wichtigen Entscheidungen zu einer gewässerschonenden Landwirtschaft nicht wieder untergraben“, so Susanne Bareiß-Gülzow. „Es wird höchste Zeit für eine Agrarpolitik, die sich ihrer ökologischen Verantwortung bewusst ist und eine umweltverträgliche und nachhaltige Landwirtschaft fördert.“

    Auf einer interaktiven Nitratkarte veranschaulicht der VSR-Gewässerschutz in welchen Regionen die Nitratbelastungen besonders hoch sind (www.vsr-gewässerschutz.de/nitratbelastung). Durch die große Unterstützung der Brunnennutzer konnten die Umweltschützer auch im Raum Bürstadt die Nitratbelastung im oberflächennahen Grundwasser bestimmen. zg

     
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