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  • Do., 02. Juli 2020, 16:05 Uhr
    PHOTOVOLTAIKANLAGE: Energieried erläuterte Beweggründe für geplanten Bau im Bruch / Direktes Gespräch mit Fraktionen gesucht 

    Zukunftsweisendes Projekt zum Klimaschutz und zur Energieversorgung

    Energieried plant eine Photovoltaikanlage im Bruch in Lampertheim – und erläutert die Beweggründe für diese Maßnahme, die die Wertschöpfung in der Region erhalten soll. Foto: www.pixabay.com


    LAMPERTHEIM/BÜRSTADT – Zur Erreichung der Klimaschutzziele können und müssen auch die Kommunen gemeinsam mit den Bürgern und Unternehmen vor Ort einen wesentlichen Beitrag leisten. Das kommunale Versorgungsunternehmen Energieried möchte dieser Verantwortung auch weiterhin mit dem Bau einer Photovoltaikanlage im Bruch gerecht werden. Für die Realisierung dieses zukunftsweisenden Projektes wollen die Energieried GmbH & Co. KG, die GGEW AG und Entega Regenerative GmbH ein Gemeinschaftsunternehmen in Rechtsform einer GmbH gründen. Am Donnerstag luden Energieried-Geschäftsführer Frank Kaus und Prokurist Stefan Fella ein, um über das Projekt und die Hinter- sowie die Beweggründe hierfür informieren.

    Denn in einem ersten Anlauf wurde dieses Vorhaben durch die Stadtverordnetenversammlung Bürstadt abgelehnt: „Wir haben daher in den vergangenen 14 Tagen mit allen Fraktionen in Bürstadt und Lampertheim über die Gründung des Solarparks gesprochen”, erläuterte Frank Kaus. „Wir wollen fachlich überzeugen und haben daher das direkte Gespräch gesucht statt sofort über die Öffentlichkeit zu gehen. Aufgrund der jüngsten Berichterstattung wollen wir jetzt auch diese über unsere Beweggründe zum Bau einer  Photovoltaikanlage im Bruch informieren. Es geht darum, dass alle Beteiligten in der Region die Chancen und die Verantwortung für den Klimaschutz wahrnehmen. Dazu müssen alle kompromissbereit sein, dies sind wir als Energieried.”

    6,5 Prozent der Haushalte können versorgt werden

    Stefan Fella stellte hierzu zunächst die aktuelle Situation dar. „Wir möchten gerne auf einer Fläche von circa fünf Hektar, die aktuell landwirtschaftlich genutzt wird, eine entsprechende Anlage errichten. Diese Fläche befindet sich jeweils in einem 110 Meter breiten Korridor entlang der Bahnlinie nach Mannheim und ist somit EEG-förderberechtigt. Ein Teil der Fläche gehört Hessen Forst, die ihr Grundstück jedoch selbst als mögliche Ausgleichsfläche vorhalten möchten. Bei der von uns gewünschten Fläche handelt es sich um Eigentum der Stadt Lampertheim. Die entsprechenden Pachtverträge sind gekündigt, um mit uns neue Pachtverträge abschließen zu können.” Entstehen soll eine Photovoltaikanlage mit 5.000 kW – mit einer Leistung von 5,4 Millionen kWh pro Jahr. „Dies würde ausreichen, um 6,5 Prozent der Haushalte in Bürstadt und Lampertheim CO2-frei mit Strom versorgen zu können”, betonte Stefan Fella. „Eingesetzt werden sollen zudem bodennah aufgeständerten Module über der Freifläche, ein bis zwei Meter über dem Boden. Dadurch ist eine landwirtschaftliche Nutzung in begrenztem Maß möglich. Licht und Regen fällt hindurch und die Flächen werden nicht versiegelt. Die Fläche kann beispielsweise so bepflanzt werden, das ein biotopähnlicher Zustand entsteht, der zum Artenschutz beitragen kann, beispielsweise mit Wildblumen. Aber auch Gras als Weidefläche für Schafe oder Bodendicker sind denkbar. Ackerbau selbst ist nicht möglich.”

    Die Inbetriebnahme soll im Sommer 2022 erfolgen – sofern Energieried mit seinen Partnern überhaupt den Zuschlag erhält. Die Investitionssumme beläuft sich auf circa 3,1 Millionen Euro, wovon circa 750.000 Euro durch eine Bürgerbeteiligung finanziert werden sollen. „Es war von Anfang an unser Ziel, die Bürgerbeteiligung zu ermöglichen. Dabei müssen wir diese gegenüber den Banken absichern und wir wollen mit so wenig Eigenkapital wie möglich – etwa 30.000 Euro – reingehen. Denn die Wirtschaftlichkeit ist nicht unsere Hauptantriebsfeder, vielmehr legen wir Wert darauf dass die Risiken planbar und gering sind. Gerade für die Bürgerbeteiligung ist dies wichtig, hier rechnen wir mit einer Rendite von zwei Prozent. Und: Wir legen auf jeden Fall nicht drauf”, ergänzte Stefan Fella. 

    Kooperation mit erfahrenen Partnern

    „Wir könnten das Projekt auch alleine durchführen, aber vier Punkte sind uns wichtig”, so Stefan Fella weiter. „Denn wir wollen nicht nur dieses, sondern mehrere Projekte in der Region umsetzen, die nachhaltig, wirtschaftlich und technologieneutral sind. Außerdem wollen wir in einer Kooperation auf Augenhöhe gemeinsam mit unseren Partnern die Wertschöpfung bei den Kommunen in der Region erhalten und auch das Know How unserer Partner nutzen. Und viertens ist es es uns gerade mit Blick auf die Stromkonzession, die in Bürstadt und Lampertheim in einigen Jahren vergeben wird, wichtig, die Eigenkapitalstruktur nicht zu belasten.”

    Zudem erläuterte Stefan Fella die Hintergründe des Projektes: „Der Ausbau der vor Ort CO2-freien Energieversorgung spielt für uns eine große Rolle. Dies ist eine der ganz wenigen Möglichkeiten, hier vor Ort einen eigenen großen Beitrag zur CO2-Reduktion zu leisten. Zudem erfolgt durch den Bau der Anlage eine ökologische Aufwertung der dafür eingesetzten Flächen und ein wichtiger Beitrag zum Artenschutz. Gerade ersteres ist für die Kommunen ein wichtiges Anliegen. Was ebenfalls eine große Rolle spielt ist die Integration von Strom und Wärme zu einem lokalen Gesamtkonzept.” 

    Aktuelle Situation

    Durch die Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung Bürstadt gegen die Gründung einer entsprechenden Gesellschaft ergibt sich nun folgende Situation: „Der Aufsichtsrat hat uns aufgefordert, das Projekt weiter voranzutreiben und umzusetzen. Dafür brauchen wir die Zustimmung der Stadt Lampertheim, der 40 Prozent der Anteile an Energieried gehören, und der Stadt Bürstadt mit 25,1 Prozent Anteil. Daher haben wir die intensiven Gespräche geführt. Denn wir wollen das Thema möglichst schnell wieder auf die Tagesordnung in beiden Stadtverordnetenversammlungen bringen, das Zeitfenster für das Projekt ist begrenzt. Bis Ende des Jahres muss es in der Ausschreibung sein, was noch nicht bedeutet, dass wir auch den Zuschlag bekommen. Die Rückmeldungen aus den Fraktionen und von den Stadtverordneten gibt uns Hoffnung, dass dies gelingen kann. Wir haben gespürt, dass der direkte Austausch gefehlt hat”, ist Stefan Fella überzeugt. 

    Eines sei daher klar geworden: „Wir sind das Unternehmen der Städte Bürstadt und Lampertheim, wenn es um Energie geht, dies muss bei allen Beteiligten noch besser ins Bewusstsein rücken. Daher werden wir den Kontakt mit den Verwaltungen, den Politikern und Parteien intensivieren”, so Frank Kaus. „Gerade bei diesem Projekt, das eines der ganz wenigen ist, um CO2 zu sparen und viele Haushalte sicher mit Strom zu versorgen.” Benjamin Kloos

     
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