Über 200 Zuschauer zu Gast im Hof von Heike und Klaus Ehret
Zwibur und „Oigeborne“ mit begeisterndem Fünf-Stunden-Programm
Lokalorientierte Nachrichten gab es vom „Kanal freies Hüttenfeld“, verlesen von Renate Szcepaniak und Alexandra Plenert. Foto: Ehret
HÜTTENFELD - Vor 25 Jahren haben sich die Hüttenfelder Laienschauspieler zu dem Verein „ZwiBuR“ zusammengeschlossen. Grund für die Zwiburianer, ihr alljährliches Kabarett mal wieder – wie vor fünf Jahren schon - auf dem Hof von Heike und Klaus Ehret groß aufzuziehen. Ganz nach dem Motto des Abends „Ma kennt mol wia“. Über 200 Zuschauer, unter ihnen auch Bürgermeister Gottfried Störmer und Orstvorsteher Karl-Heinz Berg, haben der schwülen Hitze am Samstagabend getrotzt und das Kabarett des Hüttenfelder Theatervereines „ZiwBuR“ besucht. Der einsetzende Regen, der dem Spargelfest in Lampertheim sehr zusetzte, kam in Hüttenfeld als willkommene Abkühlung an, denn dank des aufgebauten Zeltes saßen die Leute ohnehin im Trockenen. Das humoristische Feuerwerk, das die „ZwiBuRianer“ auf der Bühne abbrannten wurde später noch durch Gäste aus Fürth im Odenwald ergänzt. Die „Oigeborne“ sind eine „Mundart-Band“, die bekannte Songs, phonetisch an das Original angelehnt, umdichtet. Beide Gruppen unterhielten das Publikum mit kleinen Pausen von 19 bis 24 Uhr. „Ma kennt mol wia“ – so lautete das Motto, das aktuell natürlich viele Beiträge des Abends bestimmten und von Jochen Köcher in seinem Intro bereits aufgegriffen wurde. Ralf Ehret stimmte musikalisch an „ZwiBuR macht heit e Feier“ – der Song „We didn’t start the fire“ von Billy Joel stand hierfür Pate. Dann gab es zunächst Nachrichten vom „Kanal freies Hüttenfeld“, verlesen von Renate Szcepaniak und Alexandra Plenert, die stark lokalorientiert waren und sich den auswärtigen Zuschauern nicht unbedingt immer erschlossen. Raum hatte auch das immer wieder beliebte Thema „Zweierbeziehungen“. So spielten Renate Szcepaniak, Ralf Ehret und Jochen Köcher wie ein Rendezvous heutzutage im Zeitalter des Internet abläuft. Eine weitere Nummer zu diesem Thema lieferten einmal mehr das - auch im wirklichen Leben- Ehepaar Manuela und Ronald Ehret in ihrer Fortsetzungsserie „Szenen einer Ehe“. Hier machte der Papa dem noch nicht gezeugten Sprössling eine Rechnung auf, was so ein Kind kostet. Jürgen Rudolph und Ronald Ehret an ihrer legendären grün-weißen Stange ließen sich an dem umstrittenen Videobeweis aus. Einem eher unappetitlichen Thema widmete sich dann Rudolph zusammen mit seinem kongenialen Partner Bodo Ehret auf der Parkbank. Ihrer Ansicht nach sind die Hundekot-Tüten mit verantwortlich für Meerverschmutzung und Walsterben. Bruno Ehret brillierte dann in seiner Rolle als Zeitungsmotzer. Immer wieder trat er auf die Zinken einer Gartenharke, die knallend an seinem Kopf landete. So muss es auch den Polit-Chaoten Trump, Putin und Erdogan ergangen sein, will man ihr weltpolitisches Handeln verstehen. Wie immer bei ZwiBuR wurde auch viel gesungen. So gab Andrea Caspar-Thron nach jahrelanger Abstinenz ein beachtliches Comeback. Sie besang das bekannte Dilemma, wenn die Kinder Kopfläuse mit nach Hause bringen genauso überzeugend und humorvoll, wie das, was eine Putzfrau auf dem Schulklo so alles erlebt. Eine polnische Putzfrau verkörperte Heike Ehret mit gekonntem Idiom und stimmlicher Gewalt. Sie wunderte sich über die deutsche Mülltrennung und deutsche Männer mit Socken in Sandalen. Apropos Müll. Ein Highlight war die musikalische Nummer von Jochen Köcher über die neue Müllordnung der ZAKB. Klaus Ehret und Michael Heinrich reckten dabei immerwieder ihre Köpfe aus zwei schwarzen Mülltonnen. Andrea Caspar-Thron und Walter Tiedemann wetteiferten dann mit Behinderungen, um an einen begehrten Job zu kommen. Wobei die Anspielung, dass Frau-sein eine Behinderung sei, das Publikum hörbar spaltete. Running Gag ist die Nummer, die sich wie ein roter Faden durch den ganzen Abend zieht und immer das gleiche Thema hat. Hier trat dann die Jugend in Erscheinung. Pia und Kim Rendl, sowie Anna Fleig und Dane Ehret chillen auf dem Sofa ab. Der Auffroderung ihrer Mutter, Alexandra Plenert, „ma kennt mol wia“, hatten die Gören mit Hilfe von „Alexa“ immer etwas entgegenzusetzen. Nach einer Umbaupause betraten dann die „Oigeborne“ aus dem Odenwald in gelben Gummistiefeln die Bühne. Mit unglaublichem Wortwitz setzten sie in einem zweistündigen Programm noch einen drauf. Sie modifizierten bekannte Songs wie „Meneater“ von Hall & Oates um in Odenwälder Dialekt. Aus „Bakerstreet“ wurde „noch Berge zieht“ (nach Birkenau zieht) und „Move it“ aus Madagaskar wurde zum Ohrwurm des Abens: „Isch find moi Schuh moi Schuh net“. Neben der humoristischen Komponente überzeugten die fünf Männer und eine Frau auch musikalisch. Alleine was Frontman und Gitarrist RubenD an Gitarrenriffs präsentierte, ließ so manchem Rockfan das Herz höher schlagen. Nach fünf Stunden Gesamtprogramm endete ein unvergesslicher Abend bei der Nachlese an den Stehtischen und der Biergondel. ehr