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  • Mo., 13. Juni 2016, 22:46 Uhr
    69. Kraftwerksgespräch Biblis: Genehmigungsverfahren auf der Zielgeraden

    Zwischenlager statt Endlager - fürs erste oder bis 2080?

    Bei der Podiumsdiskussion nahmen Kraftwerksleiter Horst Kemmeter (von links), Volker Utke aus Greifswald, Bürgermeister Felix Kusicka, Betriebsratsvorsitzender Reinold Gispert, Ulrich Schäfer (Hochtief) und Martin Proba (IHK Darmstadt) Stellung zu Fragen des Diskussionsleiters Lothar Lambertz, RWE-Pressesprecher aus Essen (2. von rechts) und aus dem Publikum. Foto: Hannelore Nowacki


    BIBLIS – Im abgeschalteten Kernkraftwerk Biblis tut sich einiges, wie beim 69. Kraftwerksgespräch deutlich wurde. Wirklich schnell geht es jedoch nicht voran – Genehmigungen brauchen Zeit und lassen auf sich warten. 2011 wurde das Kraftwerk abgeschaltet, eine Endlagerung ist trotz Endlagersuchgesetzes nicht in Sicht. Für die Zwischenlagerung der Brennelemente in Castoren hat RWE bereits die Genehmigung bis 2046. Der Bau eines Lagers für schwach- und mittelradioaktive Abfälle ist inzwischen atomrechtlich und baurechtlich genehmigt. Dieses Lager für die vorübergehende Lagerung am Standort Biblis ist für den Ablauf des direkten Abbaus notwendig. Im Herbst 2016 sollen die Bauarbeiten beginnen, die Fertigstellung ist für 2018 geplant. Als Endlager ist Schacht Konrad vorgesehen, der nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz gegen Ende 2022 in Betrieb gehen soll. Horst Kemmeter, Leiter des Kraftwerks, informierte die etwa hundert Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft am Donnerstag beim 69. Kraftwerksgespräch im Informationszentrum des Kraftwerks über diese und weitere Fortschritte. Planmäßig verlaufe seit Dezember die Castor-Beladekampagne in Block A. Mittlerweile seien vierzehn von insgesamt 24 Behältern beladen und ins Zwischenlager transportiert worden. Wichtig sei die Brennstofffreiheit, erklärte Kemmeter, bis Ende 2016 im Block A, in Block B bis Mitte 2018 geplant. Bislang befinden sich die Brennelemente dort im Abklingbecken. RWE erwartet nun von der zuständigen Genehmigungsbehörde, dem Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (HMUKLV), eine erste Genehmigung für Stilllegung und Abbau von Block A. Dann könne mit dem Rückbau begonnen werden. „Wenn sie nicht beklagt wird“, schränkte Kemmeter die Aussichten ein. Für ein zweites Zwischenlager hatte RWE im Januar 2013 den Antrag nach Paragraf 7 der Strahlenschutzverordnung (StrlSchV) gestellt, Anfang November 2015 wurde die Baugenehmigung erteilt. Das Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle mit einer Länge von 109 Metern, einer Breite von 28 und einer Höhe von 16 Metern biete auf einer Fläche von 5.500 Quadratmetern Platz für Container und sogenannte Mosaikbehälter. Nachdem RWE am 13. April 2016 den Antrag auf Sofortvollzug gestellt hatte, reichte der BUND am 18. Mai wegen Mängeln in der erteilten Strahlenschutzgenehmigung Klage gegen das Ministerium ein. An Baufeldvorbereitungen werde gearbeitet und die Ausschreibung laufe  bis 22. Juni. „Wir sind gut unterwegs“, meinte Kemmeter dazu, „wir müssen Risiken eingehen“. Keine Risiken geht das Unternehmen in Sachen Gesundheit und Arbeitsschutz der verbliebenen 360 eigenen Mitarbeiter ein, wie Kemmeter zu Beginn der Veranstaltung deutlich machte. Diesen Schutz genießen auch die Mitarbeiter der Fremd- und Partnerfirmen. Ursprünglich waren 700 RWE-Mitarbeiter beschäftigt. Der Erfolg: 755 unfallfreie Arbeitstage, keine Ausfalltage. Darauf ist auch der Bibliser Betriebsratsvorsitzende Reinhold Gispert stolz, wie er in der folgenden Podiumsdiskussion hervorhob. Eine Jahreszahl ließ während der Veranstaltung wiederholt aufhorchen, ein Raunen ging durch den Konferenzsaal: 2080. Tatsächlich scheint es bis zur „grünen Wiese“ noch ein weiter Weg zu sein, sogar 2100 stellte Volker Utke als mögliches Datum für die Endlagerung in den Raum. Der Leiter der Anlage Greifswald der Energiewerke Nord GmbH hielt einen anschaulichen Vortrag über seine Erfahrungen über zwanzig Jahre im Rückbau und in der Zwischenlagerung in Greifswald. Statt Ausbau sei nach der Wende der Baustopp und dann der Rückbau gekommen – mit gravierenden Folgen für den Arbeitsmarkt der Region, die etwa 10.000 Arbeitsplätze verloren habe. Allerdings gebe es aktuell Personalzuwächse. Auch Kemmeter sprach in Bezug auf „Personal“ von einem „schwierigen, einem emotionalen Thema“. Flexibilität sei beim Wechsel innerhalb des Konzerns gefragt. Ebenfalls ein emotionales Thema sei das „Freimessen“ - ein Verfahren, an dem sich die Geister scheiden, wie Kemmeter sagte. Freimessen sei jedoch eine wichtige Voraussetzung für den Abbauprozess, um die „Demontagemasse“ möglichst klein zu halten. Von den 63.000 Tonnen Rückbaumasse der Blöcke A und B könnten 55.000 Tonnen in den Wertstoffkreislauf zurückgeführt werden – ohne Bauschutt. Im Kontrollbereich von Block B sei ein Zerlege-, Reinigungs- und Vormessplatz eingerichtet worden. Dabei gehe es auch um den Abbau von Großkomponenten wie die acht Dampferzeuger am Standort – jeder wiege 350 Tonnen. Eine offene Ausschreibung laufe für dieses nicht automatisierbare Verfahren. Nachdem kein eigener Strom mehr erzeugt wird, wurde die Heiztechnikzentrale erneuert und auf Erdgas umgestellt, derzeit werde sie in Betrieb genommen. Transparenz schreibt sich RWE Power unter dem Motto „KW Biblis transparent“ weiterhin auf die Fahnen. Diese auf Dialog ausgerichtete Informationsinitiative in der Region werde fortgeführt, bekräftigte Kemmeter. Im  Rahmen der anschließenden Podiumsdiskussion, die eine Neuerung beim Kraftwerksgespräch war, nahm Bürgermeister Felix Kusicka mit einem Zitat aus der Berliner Politik Stellung: Ehrlichkeit müsse erreicht werden, denn der Bürger zahlt. Applaus folgte. In Biblis sei die Stimmung gut, meinte Kusicka. Wenn er „2080“ höre, bezweifle er, dass es erreichbar sei. Kritische Stimmen aus dem Publikum bezogen sich auf Transparenz, Ehrlichkeit und Vertrauen, das auch Gispert fordert. Kusicka und Gispert einigt die Aufforderung zum fairen Umgang miteinander und den Meinungsaustausch, anstatt gegeneinander zu arbeiten. Hannelore Nowacki

    Castoren im Zwischenlager in Biblis. Archivfoto: Hannelore Nowacki


     

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