Matthias Wilkes, Landesvorsitzender der Paneurop- Union Hessen, Uwe Becker, Staatssekretär für Bundes- und Europaangelegenheiten, Astrid Wallmann, Landtagspräsidentin und Bernd Posselt, Präsident der Paneuropa-Union Deutschlands (v.l.). Foto: oh
KREIS BERGSTRASSE – Die Paneuropa-Union Hessen beging mit einem Festakt im hessischen Landtag in Wiesbaden das 100. Jubiläum der Paneuropa-Idee. Am 15. November 1922 stellte Richard Graf Coudenhove- Kalergi, erster Träger des Aachener Karlspreis unter der Überschrift „Paneuropa: Ein Vorschlag“ in der Berliner Vossischen Zeitung die Paneuropa-Idee vor. Als Reaktion auf die Schrecken des 1. Weltkrieges sollten auf der Grundlage der Paneuropa-Initiative die Völker Europas geeint werden. Ziel von Paneuropa war und ist es, Europa als Herd unzähliger Kriege zu einer Friedensmacht zu machen. Hitler, der Nationalsozialismus und der 2. Weltkrieg machten diese Idee zunächst zunichte. Noch auf den Trümmern des 2. Weltkriegs lud die Paneuropa-Union unter Coudenhove-Kalergi die nationalen Parlamentarier Europas 1947 zur ersten gemeinsamen Zusammenkunft in die Schweiz ein. Damit war die Grundlage für das später folgende erste Europaparlament gelegt. „Demokratie, Freiheit und Frieden das waren in 100 Jahren stets die Grundlagen der Paneuropa-Union“ so der Landesvorsitzende der Paneuropa-Union Hessen, Landrat a.D. Matthias Wilkes, der darauf hinwies, dass in den vergangenen 500 Jahren allein zwischen Frankreich und Deutschland 23 Kriege und kriegerische Konflikte stattgefunden haben. „Dass auch im 100. Jubiläumsjahr der Paneuropa-Union in Europa wieder Krieg herrscht zeigt, wie aktuell es auch weiterhin ist, an der paneuropäischen Friedensidee festzuhalten und sich für diese zu engagieren“.
Die Präsidentin des hessischen Landtags, Astrid Wallmann, wies in ihrer Begrüßung darauf hin, dass die Europäische Union auf politischen Ideen beruhe, die von der Paneuropa-Union maßgeblich gefördert wurden. „Wir blicken deshalb mit Dankbarkeit auf das große Engagement und die 100-jährige Geschichte der ältesten noch bestehenden europäischen Einigungsbewegung. Der Krieg in der Ukraine führt uns deutlich vor Augen, dass Frieden und Sicherheit in Europa kein Status Quo sind, der auf immer währt. Europa braucht heute mehr denn je überzeugte und leidenschaftliche Europäer, wie es die Mitglieder der Paneuropa-Union sind. Im Namen des Hessischen Landtages sage ich herzlichen Dank für Ihre wertvolle Arbeit und gratuliere zu Ihrem Jubiläum“, so die Landtagspräsidentin unter großem Applaus der Festgäste.
Auch Europastaatssekretär Uwe Becker, schloss sich im Namen der Hessischen Landesregierung dem klaren Bekenntnis für die Einheit Europas an und bedauerte die Entwicklung, die zum BREXIT mit dem Austritt Großbritanniens aus der EU geführt hatte.
Nach einer beeindruckenden Grußbotschaft der jungen Ukrainerin Valeriia Liamzienko aus der vom Putin-Regime illegal besetzten Region Luhansk folgte die Festrede durch den Präsidenten der Paneuropa-Union Deutschlands, den langjährigen Europaabgeordneten Bernd Posselt.
Posselt kritisierte scharf den nationalstaatlichen Egoismus, der in fast allen EU-Mitgliedstaaten grassiere, und stellte drei zentrale Forderungen auf: Außen- und sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit der EU durch Beseitigung des Einstimmigkeitsprinzips im Ministerrat und Schaffung einer europäischen Armee; Demokratisierung Europas durch massive Stärkung des Europäischen Parlamentes, das künftig auch völlig eigenständig die zu einer Europäischen Regierung weiterentwickelte EU-Kommission wählen solle; sowie Entfaltung eines auf der einzigartigen europäischen Kultur aufbauenden europäischen Patriotismus, der "die nationalen und regionalen Patriotismen ergänzt und krönt", wie dies schon Coudenhove-Kalergi formuliert habe. Posselt betonte: "Ein Europa ohne Europäer gibt es nicht. Deshalb wollen wir eine EU nicht nur als institutionelles Konstrukt, sondern als eine lebendige Gemeinschaft, die von Völkerverständigung und den religiös-kulturellen Wurzeln Europas getragen wird." zg